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Pretty-Woman-Prozess: Freispruch gefordert

Menschenhandel und Zwangsprostitution Pretty-Woman-Prozess: Freispruch gefordert

Es ist die Pretty-Woman-Geschichte Brandenburgs: Ein Arzt aus Brandenburg lernt eine Prostituierte kennen, befreit aus den Klauen ihres Zuhälters. Nur leider hat die Geschichte kein gutes Ende. Der Zuhälter entführt die Frau. Seit Juni steht er unter anderem dafür vor Gericht – nicht alle sind von seiner Schuld überzeugt.

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Der Ungar Jenö L. erwartet in Kürze sein Urteil.

Quelle: Julian Stähle

Brandenburg/H. Der Prozess um schweren Menschenhandel und Zwangsprostitution zu Lasten einer ungarischstämmigen Brandenburgerin neigt sich dem Ende zu.

Ein Arzt aus Brandenburg soll die junge Frau wiederholt aus den Fängen ihres mutmaßlichen Zuhälters befreit haben. Das sieht Karsten Beckmann, Verteidiger von Jenö L. (55), ganz anders. Er beantragt am Dienstag Freispruch. Der Staatsanwalt fordert dagegen eine siebenjährige Haftstrafe.

Dem Angeklagten werden 19 Straften zur Last gelegt

Mehr als 40 Verhandlungstage liegen seit dem Prozessauftakt am 25. Juni 2015 hinter der 4. Strafkammer des Landgerichts Potsdam. 19 Straftaten im Zeitraum zwischen November 2008 und Dezember 2013 werden dem Ungarn Jenö L. (55) noch zur Last gelegt, der seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt.

Die ursprünglichen Anklagepunkte Zuhälterei und Vergewaltigung sind nicht mehr Gegenstand des Verfahrens, weil die mutmaßlichen Straftaten im Ausland geschehen sind und die deutsche Justiz somit nicht zuständig ist.

Etwas anderes gilt für den Vorwurf, Jenö L. habe seine ehemalige Partnerin Annemarie G. (27) noch im jugendlichen Alter auf den Strich geschickt. Noch schwerer wiegt der Anklagevorwurf des schweren Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.

Der Angeklagte soll die Frau entführt und auf den Strich geschickt haben

Jenö L., der in seiner Heimat als Schrott- und Holzhändler gearbeitet haben will, hat Annemarie G. der Anklage zufolge wiederholt entführt, verschleppt und mit Gewalt und Drohungen gezwungen, sich weiter in England, Österreich, der Schweiz, Italien und Deutschland Freiern anzubieten und Geld heranzuschaffen.

Das mutmaßliche Opfer hatte sich als Zeugin dazu bekannt, in den Anfangsjahren der Bekanntschaft in Jenö L. verliebt gewesen und freiwillig auf den Strich gegangen zu sein. Das Problem habe begonnen, als sie ihre Haut nicht mehr zu Markte tragen wollte.

Der Konflikt der beiden eskalierte, als die Ungarin auf dem Straßenstrich im Sommer 2013 in Berlin einen Brandenburger Mediziner kennenlernte und beide sich ineinander verliebten.

Staatsanwalt ist von Schuld des Angeklagten überzeugt

Jenö L. soll seine Ex-Freundin daraufhin geschlagen und zurück nach Ungarn gebracht haben. Von dort sollen das deutsch-ungarische Paar nach Brandenburg geflohen sein, indem sie Jenö L. in dessen Haus mit einem Schlafmittel außer Gefecht setzten. Der Angeklagte habe die junge Frau jedoch in Brandenburg ausfindig gemacht und mit vorgehaltenem Messer erneut entführt nach Ungarn und von dort nach England, wo der Brandenburger Arzt seine Liebste ein weiteres Mal befreit haben soll.

Während der Staatsanwalt von der Schuld des Mannes überzeugt ist, wies dessen Verteidiger auf Widersprüche und Unwahrheiten in den Aussagen der Belastungszeugin Annemarie G. hin, deren Glaubwürdigkeit er somit anzweifelte. Ihr Motiv sei schwer zu ergründen. In Frage kämen Hass, Verschwörung und Enttäuschung über das Liebesverhältnis, das Jenö L. zu einer anderen Frau hatte.

Der Angeklagte versuchte in seinem Schlusswort etwa drei Stunden lang, die Aussagen von Annemarie G. zu erschüttern oder zu entkräften und das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen. Das Urteil wird in Kürze erwartet.

Von Jürgen Lauterbach

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