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Brandenburg/Havel Proben: Premiere für „Häuptling Abendwind“
Lokales Brandenburg/Havel Proben: Premiere für „Häuptling Abendwind“
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20:03 02.08.2017
Bei der Probe für die Premiere. Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

Sie proben seit vier Wochen, die Schauspieler des Brandenburger Event Theaters. Das ist nicht viel für ein anspruchsvolles Stück wie „Häuptling Abendwind“ von Johann Nestroy (1801-1862). Handelt es sich doch um einen satirischen Text, der heute noch so aktuell ist wie damals. Nestroy hat mit spitzer Feder Kulturkritik betrieben. Und das so subtil, dass es bei der Uraufführung 1862 kaum jemand gemerkt hat. „Wir haben fast nichts gestrichen“, sagt Regisseurin Alexandra Wilke. „Nur da, wo es Wiederholungen gab, haben wir vorsichtig eingegriffen.“ Viel Zeit bleibt nun nicht mehr, denn an diesem Freitagabend ist Premiere.

Proben für „Häuptling Abendwind“: Hank Teufer in Aktion. Quelle: J. Steiner

Deshalb hat die Regisseurin eine besondere Probe am Spielort in der Johanniskirche angesetzt. Da ging es nicht um das Spielen der Rollen. Da ging es auch nicht um die Bewegungsabläufe auf der Bühne. „Ich will niemanden auf der Bühne sehen“, sagt sie energisch. Es geht ihr ausschließlich um das Sprechen. Die Dialoge gefallen Alexandra Wilke noch nicht. Sie will, dass die Sprechenden jeweils besser aufeinander eingehen. „Eigentlich müssten wir uns alle in einen Kreis setzen. Aber es geht auch so. Wir sind ja keine Sekte.“

Die Handlung ist ungewöhnlich, manchmal reichlich makaber, aber witzig und unterhaltsam. Das Stück spielt auf einer noch unentdeckten Südseeinsel, wo zu damaliger Zeit noch Kannibalen lebten. Um so erstaunlicher, dass diese „Wilden“ höchst zivilisiert sprechen, sogar Wiener Mundart blitzt gelegentlich auf. Häuptling Abendwind (Hank Teufer), der Herrscher auf dieser Insel, gilt als sanft. Trotzdem hat er die Frau von seinem Amtskollegen „Biberhahn“ (Folke Paulsen), Häuptling auf einer Nachbarinsel, verspeist. Aber nur, weil Biberhahn seiner Frau das gleiche angetan hat, wie Abendwind vermutet.

Simone Neuhold spielt Atala, die Tochter von Abendwind. Nico Will verkörpert Arthur, einen Fremden, einen Schiffbrüchigen. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch diese Liebe darf nicht publik werden. Denn auf der Insel gibt es ein Gesetz, dass es Insulanerinnen verbietet, sich mit Fremden zu liieren. Bei Missachtung würden beide getötet, die Frau und der Mann. Aus Angst um ihn und um sich selbst, bittet sie Arthur, sich zu verbergen.

Doch der arglose junge Mann hat keine Angst vor Häuptling Abendwind und gibt sich zu erkennen. Der begrüßt ihn überschwänglich und verweist ihn an seinen Koch Ho Gu (Steffan Drotleff). Was Arthur nicht ahnt. Mit seinem Erscheinen hilft er Abendwind aus der Patsche. Es gibt zur Zeit nämlich weder Wild noch Fisch auf der Insel.

Textarbeit: Das Ensemble bei der Probe. Quelle: J. Steiner

Doch Abendwind hat Häuptling Biberhahn zu einem Festessen eingeladen. Nun freut er sich, dass er seinem Gast den lecker zubereiteten Arthur vorsetzen kann. Was niemand ahnt, Arthur ist der Sohn von Häuptling Biberhahn. Und als der befürchten muss, seinen eigenen Sohn verspeist zu haben, ruft er seine Untertanen herbei, um Rache zu üben.

Ihre Textesprechen die Schauspieler bei der Probe weitgehend frei, aber ein paar Hänger kommen noch vor. Anders ist das bei den Gesangsnummern, die sitzen perfekt.

Nestroy hatte das Stück nach einer Operette von Jacques Offenbach geschrieben und auch dessen Musik übernommen. Dmitri Pavlov, der musikalische Leiter und Arrangeur der Inszenierung des Event Theaters, hat für die Arien teilweise neue Musik geschrieben, die sehr gut zur Handlung passt. Er selbst spielt Klavier. Thomas Stewart Gehrke, Drums, Thomy Jordl, Bass und Volker Schlott, Saxophon sorgen gemeinsam mit ihm für den richtigen Sound.

Schon die Lesung ist witzig, spritzig, unterhaltsam und spannend. Man darf sich nun auf die Premiere freuen.

Premiere am Freitag, 4. August, 20 Uhr in der Brandenburger Johanniskirche

Von Ann Brünink

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