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Proppevolle Altstadt: Hunderte beim Höfefest

Höfefest in Brandenburg/Havel Proppevolle Altstadt: Hunderte beim Höfefest

Die Menschen in der Altstadt von Brandenburg an der Havel haben am Samstag zum wiederholten Male ihre Türen und Tore geöffnet. „Höfefest“ nennt sich dieser Tag, an dem diese Menschen ihre privaten Sphären öffnen und Bekannte wie Fremde hereinbeten.

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Auch Verkleidungen, Spaß und gemeinsames Musizieren standen auf dem Veranstaltungsplan.

Quelle: ina schidlowski

Brandenburg/H. 100 Liter Bowle, zehn Liter Wein, dutzende Bleche voll leckerem Kuchen, mit Schmalz bestrichene Schusterjungen – Familie Wagner ist für das Höfefest gewappnet. „Schon um 14 Uhr standen die Ersten vor der Tür und wollten sich den begehrten Lieblingsplatz ganz oben sichern“, berichtet Ines Wagner. Doch dieser Platz im Hof der Klosterstraße 25 war der Band „Friends Hands“ vorbestimmt.

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Die Menschen in der Altstadt von Brandenburg an der Havel haben am Samstag zum wiederholten Male ihre Türen und Tore geöffnet. „Höfefest“ nennt sich dieser Tag, an dem diese Menschen ihre privaten Sphären öffnen und Bekannte wie Fremde hereinbeten.

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Seit 15 Jahren öffnet Familie Wagner bereits die Haustür und denkt sich jedes Jahr etwas neues aus. Mit Industriefotografie, Malerei, Origami oder einer Schreibmaschinenausstellung haben sie die Gäste in den vergangenen Jahren überrascht. An diesem Samstag nun sollte es Musik sein.

Von ehemals zehn Plätzen ist ihre Kapazität auf 70 Plätze angewachsen. Was treibt sie zu soviel Enthusiasmus? „Wir wollen den Menschen präsentieren, wie sich ein altes Haus mit einem Hof gestalten lässt“, antwortet die Hausherrin und steht auch schon auf der kleinen Bühne, um die Musiker anzukündigen.

„Wochenend und Sonnenschein“ singt derweil der Volkschor im Hof des Bürgerhauses in der Bäckerstraße und aus vielen Mündern der unzähligen Gäste klingt ein „und dann mit dir im Wald allein“. Man genießt sichtlich das frohe und gemütliche Beisammensein mit selbst gebrautem Bier und einem Stück Kuchen. „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ singen die Damen und Herren vom Chor mit ihren lustigen Hüten.

Rhythmische Klänge ganz anderer Art hallen ein Stück weiter durch die Bäckerstraße. Etliche Bailaro-Tänzer springen, hüpfen, tanzen auf dem Pflaster, während am Straßenrand Trampoline aufgebaut sind. Die Brandenburger staunen und viele informieren sich über diese neue Trendsportart.

Im Bestattungshaus Arnold geht es ebenfalls fröhlich und musikalisch zur Sache. „Tanz mit mir“ heißt die Tanzgruppe der Volkssolidarität, die ihr Programm aufführt. Der Shanty Chor Brandenburg schließt sich an. „Wir sind der Altstadt sehr verbunden und haben mit der Beteiligung am Höfefest sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Verena Arnold. Seit vier Jahren ist das Unternehmen beim Fest dabei und sammelt wie in jedem Jahr Spenden für die Björn Schulz Stiftung. „Die Menschen sind locker und gut gelaunt“, sagt Angestellte Andrea Rothe und dass viele der Besucher an solch einem Tag die Möglichkeit nutzen, einmal ins Bestattungshaus hinein zu schauen, sich zu informieren und spezielle Fragen zu stellen.

Viele Fragen braucht Günter Bauch nicht. Auf dem Hof in der Rathenower Straße 8 hat er sein kleines, aber äußerst beachtenswertes Fahrradmuseum für Gäste geöffnet. In sympathischer Brandenburger Mundart sprudelt das ganze Wissen aus ihm heraus. Brennabor, Excelsior, Corona, alles Fahrräder aus der Stadt Brandenburg, sagt er und zeigt die Details an den historischen Rädern. Auch mit raren Exemplaren kann er aufwarten. Hermann Gentz und Recordia.

Da staunen etliche der Besucher, die die steile Treppe ins Museum emporsteigen. „So viele Hersteller gab es in der Stadt?“ Vom Sattel bis zur Fahrradlampe, vom Steuerkopfschild bis zum Werbeplakat findet sich eine Kostbarkeit neben der anderen. Im Treppenaufgang läuft man an dem von Bauch vor vielen Jahren selbst gebauten Tandem vorbei. „Damit sind wir bis zum Balaton gefahren“, erzählt er und darunter zeigen Fotos eine kleine Entstehungsgeschichte.

Ebenso spannend ist es im Hinterhof der Mühlentorstraße 9. „Geigenbauer“ weist ein Schild über dem Eingang hin. Und tatsächlich hängt der Werkstatthimmel voller Geigenkörper. Almuth und Ian McWilliams bauen und reparieren Streichinstrumente. „Aber keine Kontrabässe“, die seien für diesen Raum zu groß, sagt die junge Hausherrin. Die Instrumente werden weltweit vertrieben. Almuth McWilliams ist über das Geige spielen zum Instrumentenbau gekommen. Ihr Mann ist ursprünglich Möbelbauer aus Kanada, hat noch einmal studiert und baut nun ebenfalls Streichinstrumente.

Neben all den spannenden Entdeckungen von Musik bis Handwerk ist vor allem die Atmosphäre und Gastfreundschaft in den Höfen der Altstadt ein Magnet für die zahlreichen Besucher.

Von Ina Schidlowski

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