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Brandenburg/Havel Punkkonzert für Trini
Lokales Brandenburg/Havel Punkkonzert für Trini
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15:48 15.10.2017
COR-Sänger Friedemann Hinz, beim umjubelten Auftritt am Samstag im HdO. Quelle: Torsten Gränzer
Brandenburg/H

Samstag fand das jährliche Punk-Festival „Oktoberrevolution“ im gut besuchten „Haus der Offiziere“ statt. Nur stand die Revolution an diesem Abend unter keinem guten Stern: die Brandenburger Punkszene hatte am Vortag mit dem verstorbenen „Trini“ einen der ihren verabschiedet. Also „Trini“, jenen bunten Paradiesvogel, der zum Stadtbild gehörte - sein Fahrrad mit Anhänger schiebend, tätowiert, mit buntem Irokesenschnitt und Latzhose. So wird die Oktoberrevolution Samstag zum Gedenkkonzert. Im Bühnenhintergrund sind keine Backdrops mit den Schriftzügen der Bands, sondern ein Banner mit Trinis Konterfei und dem Slogan „live fast - die young“ befestigt, vor dem alle auftreten.

Mit den Rüganern COR präsentiert sich eine Band, die im Jahr 2013 mit dem „Lampedusa-Blues“ das notwendige Lied zur richtigen Zeit gemacht hat. Als erste deutsche Thrashcore-Band gingen sie auf Kuba-Tournee. COR sind zornig und setzen auf Attitüde. Sänger Friedemann Hinz spricht seine Ansagen schnell und es bleibt kaum Zeit, Gesagtes in die relevanten Hirnareale zu lenken, weil der nächste wütende Song und darauf die nächste, noch wütendere Ansage folgt.

In ihnen geht es um den Preis unserer Freiheit, der Krieg in anderen Ländern nach sich zieht. Es geht um kleine Veränderungen, die ein jeder im Alltag vollziehen kann, um die Welt besser zu machen. Es geht darum, weniger „zu saufen und zu rauchen“, den „Arsch hoch“ zu bekommen und sein Leben endlich in die Hand zu nehmen.

Nach COR folgt Hardcore im Stil New Yorker Bands wie Madball und Agnostic Front, gespielt von den Dresdnern Risk It, die an diesem Abend sehr nahe an den Vorbildern agieren und eine energiegeladene Wand im Saal erzeugen die für Adrenalinschübe sorgt.

Zwischen den Songs geht es bei aller musikalischer Brutalität auch hier um das Thema Menschlichkeit und um selbstgeschaffene Oasen, in denen Menschsein möglich ist. Auch von Risk It wird damit die Revolution auf eine Ebene des gesellschaftlichen und persönlichen Umdenkens gebracht: also keine kriegerische, ausgrenzende Revolution, sondern eine geistige.

Nach Mitternacht kommt die Zeit für die Jungs von der Havel: „Blutiger Osten“ sind, zumindest von den beiden Frontmännern Johnson und Bonat her, die Reinkarnation der Mitte der 90er Jahre aktiven Brandenburger Bands Bloody Bones und BMK Ost. Aus dieser Ära greifen sie Songs wie „Totenmetropole“, Animalier“, „Bloody Bones“ und „Banditen, Mörder, Kriminelle“ auf, was die Älteren erinnert und die Jüngeren begeistert. Vom Blutigen Osten wird bis hin zum Zynismus alles besungen, was als seltsam, ungerecht und unerträglich erlebt wird. Gründe des Hasses werden mit „Nazis“, „Militär“ und „Bomben“ beim Namen genannt,. Die Songs heißen „Dieb von Bagdad“, „Tourette“ oder „Bullenmädchen“. Dass auf einem Punkonzert sprachstilistisch nicht immer die feinste Klinge geschlagen wird, liegt in der Natur der Sache. Das Publikum honoriert das fehlende Blatt vor dem Mund. Fakt ist: Der Punk lebt, das HdO ist voll, die Pogo-Arena bewegt sich, wenn auch aktuell an der ein oder anderen Stelle verhaltener als früher.

Dennoch kommen die Refrains des Blutigen Ostens textsicher aus dem Innenraum. „Blitzkrieg Bob“ und „Sheena is a Punkrocker“ der Ramones läuten das Ende ein. Viele Gäste versammeln sich für einen letzten Song und ein letztes Bier auf der Bühne. Sie tun es für „Trini“, der die Stadt ein wenig bunter gemacht hat und den man nun nie wieder das Fahrrad schieben sehen wird. Ein Punk und ein Junge von der Havel.

Von Torsten Gränzer

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