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Puppenvater Götze und sein schweres Erbe

100-Kilo-Schild zurück in Wusterwitz Puppenvater Götze und sein schweres Erbe

Es ist über vier Meter lang und fast 100 Kilo schwer: Solch ein Firmenschild hat nicht jeder. Der legendäre Puppenvater Wilhelm Götze (1871-1954) aus Wusterwitz schnitzte es 1940 aus einer Eichenbohle für den Stellmacher Franz Schnarke. Jahrelang lag die Arbeit im Genthiner Museum im Magazin. Künftig hängt das Schild in der Götze-Grundschule.

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Schulleiter Frank Gericke (l.) und Manfred Trauselt mit dem am Dienstag nach Wusterwitz geholten Firmenschild.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wusterwitz. Seine Marionetten und seinen Sarg hat er sich selbst geschnitzt. Weniger bekannt ist, dass der legendäre Puppenspieler Wilhelm Götze (1871-1954) hölzerne Präsente für Leute anfertigte, mit denen er gut konnte. Im Wusterwitzer Heimatmuseum über der Tourist-Info ist sein Hochzeitsgeschenk an Familie Lamour, ehemalige Nachbarn auf „Götzes Höh’“, aus dem Jahr 1947 zu sehen – eine handgeschnitzte Lampe.

Ein anderes Kaliber ist die über vier Meter lange und fast 100 Kilo schwere Eichenbohle, die am Dienstag von Manfred Trauselt und Schulhausmeister Eberhard Gent per Pkw-Anhänger von Genthin nach Wusterwitz überführt wurde. Dabei handelt es sich um ein nicht alltägliches „Firmenschild“, dass Puppenvater Götze 1940 für Franz Schnarkes Fahrzeugbaubetrieb in der Warchauer Straße aus einem Stück anfertigte.

Betrieb ohne Nachfolger

Anfang der 1920er-Jahre begann im Dorf Ecke Haupt-/Warchauer Straße Franz Schnarke als Stellmacher zu arbeiten. Er war laut Wusterwitzer Chronik sehr vielseitig und stellte auch massive Möbel wie Schreibtische und Sesselgestelle her. In den 1930er-Jahren kamen Skibretter dazu. Da sein Sohn Hermann im Zweiten Weltkrieg gefallen war, blieb der Betrieb ohne Nachfolger und stellte in den 1960er-Jahren die Arbeit ein.

Das Kreismuseum Jerichower Land befindet sich in Genthin in der Mützelstraße. Weil einige Gemeinden im Altkreis Brandenburg bis 1952 zum Landkreis Jerichow II gehörten, ist das Museum im Besitz zahlreicher Exponate aus dem heutigen Westbrandenburg. Darunter ist auch die bekannte urgeschichtliche Sammlung von Richard Stimming aus Wusterwitz.

Höchstwahrscheinlich ein Auftragswerk, in das Götze Szenen aus dem Arbeitsleben der Stellmacher einarbeitete. Damals galt es im Dorf als schick einen Werbeträger beim Wusterwitzer Original zu ordern. Ob dafür als Gegenleistung immer Geld floss, ist unbekannt. Möglicherweise bezahlte der Wirt der Bahnhofsgaststätte, Paul Schulz, für seine Eichenbohle mit jahrelangem Freibier. Auch Dachdecker, Kohlenhändler und Bootsbauer schmückten die Straßenseite ihrer Gewerbeobjekte mit handgeschnitzter Reklame made bei Vater Götze.

Szene aus dem Stellmacherhandwerk

Szene aus dem Stellmacherhandwerk.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bei dem Firmenschild für Franz Schnarke handelt es sich um eine Dauerleihgabe des Kreismuseums Jerichower Land in Genthin an die Wusterwitzer Wilhelm-Götze-Schule. „Es soll an den Namensgeber der Schule erinnern“, sagte Manfred Trauselt der MAZ. Nach langer Vorbereitung und mit Zustimmung der Kommune hatte der Wusterwitzer die Rückführung des Schildes in die alte Heimat von Puppenschnitzer und Puppenspieler Wilhelm Götze eingefädelt.

Wilhelm Götze

Wilhelm Götze

Quelle: MAZ/Archiv

Schulleiter Frank Gericke war von der Idee, die Eichenbohle ins Unterrichtsgebäude zu holen, sofort angetan. Sie soll noch in den Ferien über dem Eingang des Gebäudeteils angebracht werden, in dem die Ganztagsbetreuung stattfindet. „Damit holen wir ein Stück Heimatgeschichte in die Schule. Puppenvater Götze ist zwar Bestandteil des Sachkundeunterrichtes. Doch eine Arbeit von ihm gab es bisher in unserem Haus noch nicht zu sehen“, freut sich Gericke.

Wie das Teil vor vielen Jahren nach Genthin kam, ist schnell erzählt. Als Wusterwitz bis 1952 zum Kreis Jerichow II gehörte, lag das zuständige Kreismuseum in Genthin. Die Enkelin des Handwerkers Franz Schnarke, Barbara Kassau, hatte das Schild dem Museum geschenkt. In Wusterwitz wollte es zunächst niemand haben. „Aber wo passt das Schild besser hin, als in die Schule, die den Namen von Wilhelm Götze trägt“, findet Museumsleiterin Antonia Beran. In Genthin sind noch andere Werke von Puppenvater Götze zu sehen, die das Wusterwitzer Original dem Museum einst selbst zum Kauf angeboten hatte.

Von Frank Bürstenbinder

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