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Brandenburg/Havel „Putz-Schafe“ sparen Firma 17.000 Euro
Lokales Brandenburg/Havel „Putz-Schafe“ sparen Firma 17.000 Euro
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01:40 27.02.2018
Samstags gehen Heiko Brandt und Stephanie Gottschalk mit den beiden Böcken Gassi. Quelle: Christine Lummert
Rietz

Ökonomisch top und gar nicht dumm sind die 16 Schafe von Heiko Brandt. Der Werkleiter der Zigarettenfabrik in Rietz lässt seine zwei Herden mit jeweils acht Tieren auf dem weitläufigen Firmengelände grasen und spart dem Betrieb damit jedes Jahr 17.000 Euro Grünpflegekosten. Zwei Schwarzkopfschafsböcke sind die Stars. Heiko Brandt und seine Ehefrau haben sie vor zwei Jahren mit der Flasche groß gezogen. Samstags geht das Paar mit beiden Gassi.

Die Geschichte der praktischen Schafe beginnt mit der Not eines Lastwagenfahrers des Unternehmens. Seine Tiere bekommen im Januar 2016 Nachwuchs, für die Lämmer ist kein Platz auf der kleinen Wiese daheim. Heiko Brandt und seine Partnerin sind zur Stelle, wissen aber noch nicht, auf welches Abenteuer sie sich einlassen.

Die zwei kleinen Böcke in ihrer Obhut werden im Gegensatz zu ihrer Schwester vom Muttertier verstoßen. Sie sind also auf menschliche Hilfe angewiesen. Der Chef von Grand River Enterprises (GRE) findet die Lösung. Er bringt die unschuldigen Lämmchen mit Pappkarton in seinem Büro unter.

Alle 16 Schafe haben einen Namen

„Damit sie bei Kräften bleiben, haben wir sie alle drei Stunden gefüttert und so mit der Flasche großgezogen“, erzählt Heiko Brandt. Und nacht?. Er und seine Frau Stephanie Gottschalk haben wochenlang im Büro übernachtet, um die Kleinen aufzupäppeln, die den gleichen Namen tragen: Pauli.

Die beiden Paulis sind inzwischen Väter geworden. Sie finden schnell Gefallen an den drei weiblichen Tieren, die Brandt seinen Paulis zuliebe vor dem Abdecker bewahrt hat. „Am zweiten Tag nach der Ankunft der Mädchen, haben unsere Paulis Nachwuchs gezeugt“, erzählt der gute Hirte. Drei Söhne.

Das Schäferglück der Tabakspezialisten besteht inzwischen aus 16 Tieren – zwei Herden zu acht Schafen. Alle haben einen Namen, die Paulis sind so etwas wie die Leithammel.

Jeder Pauli wiegt 130 Kilogramm

Gewissenhaft gehen die Schafe tagtäglich ihrer Aufgabe nach und grasen das etliche tausend Quadratmeter große umzäunte Firmengelände ab. Pauli & Co machen sich bezahlt. Nicht nur der Tierfreund, auch der Kaufmann in Heiko Brandt ist zufrieden, wenn er resümiert: „Ehe die Schafen kamen, haben wir im Jahr 20.000 Euro für die Grünpflege ausgeben, mit Futter und Tierarztkosten sind es inzwischen nur noch 3000 Euro.“ Feste Schlafplätze haben die Herden längst: zwei Ställe auf dem Gelände, auf die beide Paulis mit ihren Artgenossen nach getaner Arbeit zu galoppieren. Ein Pauli stößt die Tür auf, der andere passt auf, dass alle rein gehen.

Keine Angst vor Füchsen oder gefährlicheren wilden Tieren? Heiko Brandt winkt ab: „Jeder Pauli wiegt 130 Kilogramm und lässt sich nichts gefallen.“ Es gab einmal einen Fuchs. Der Werkchef fand seine Überreste am Morgen im Stall. Ihm und seiner Partnerin gehorchen die Lämmer, sie schweigen nicht, wenn sie über den Hof gehen.

Schafe sind gar nicht dumm

Brandt: „Der Spruch vom dummen Schaf passt nicht. Man sagt, Schafe können sich 250 Gesichter merken und Menschen am Gang erkennen.“ Die Paulis haben sogar Tricks drauf. Auf ein Handzeichen hin können sie Türklinken drücken und Türen öffnen. Davon hat sich die MAZ-Fotografin beim Fotoshooting während des samstäglichen Gassigehens persönlich überzeugt.

15 bis 20 Jahre alt können die Schafe im Schutzschatten der Zigarettenfabrik werden. Um ihr Fleisch und blut müssen sie nicht fürchten. Sie dürfen ganz alt werden. Werden sie schwach, bekommen sie ihr Gnadenbrot, vielleicht wieder die Flasche. Erst einmal müssen Heiko Brandt und Stephanie Gottschalk allerdings ein anderes Schäflein ins Trockene bringen. Sie haben wieder ein Flaschenkind, denn das Mutterschaf kann ihr Junges nicht versorgen, weil sie keine Milch hat. Aber wofür gibt es schließlich Menschen?

Von Jürgen Lauterbach

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