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Rainald Grebe schwört auf saubere Endreime

Brandenburg an der Havel Rainald Grebe schwört auf saubere Endreime

Bekannt wurde er einst durch seinen Song „Brandenburg“. Klar, dass viele Besucher der Show von Rainald Grebe am Sonntagabend im Brandenburger Theater heiß darauf waren, das Lied zu hören. Der Künstler aber umschiffte das auf charmante Art – und bereitete den Zuschauern einen virtuosen Abend mit einer extravaganten Mischung aus (Wort-)Witz und Melancholie.

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Rainald Grebe war am Sonntag mit seinem aktuellen Programm in Brandenburg an der Havel zu Gast.

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Wenn Rainald Grebe in der Stadt Brandenburg im Land Brandenburg auftritt, kommt er natürlich um ein Lied nicht herum: Brandenburg.

Ob das erste Auftrittserlebnis vor etwa zehn Jahren von Grebe und seiner damaligen Band im Audimax in der Havelstadt zur Inspiration der bissigen Hymne beigetragen hat? „Damals gab es dort jedenfalls nichts, was Künstler so erwarten, bevor sie auf die Bühne gehen – keinen Backstage-Bereich und kein Catering“, erzählte Grebe am Sonntagabend vor ausverkauftem Haus im Brandenburger Theater.

Inzwischen hat sich eine Nähe entwickelt. Für viele Brandenburger ist das Lied Kult und Rainald Grebe ist zudem halber Brandenburger geworden, den es regelmäßig aus dem erlebnisreichen Berlin in die ruhige Uckermark zieht.

Das Lied bleibt und war am Sonntagabend Teil der Erzähl- und Gesangsbögen, die sich durch Grebes Soloprogramm „Das Elfenbeinkonzert“ spannen, mit dem er seit knapp einem Jahr auf den Bühnen der Republik unterwegs ist. Vorgetragen wurde der Klassiker aus Rainald Grebes Liederschatz am Ende nämlich nicht von ihm selbst, sondern in einem eingespielten Video, von einem kleinen Chor von Schülern, die sich am Goethe-Institut in Abidjan, einer Metropolregion in der Elfenbeinküste, in diversen Projekten der deutschen Sprache widmen.

Anfang 2016 war Grebe auf Einladung der dortigen Institutsleiterin vor Ort in Abidjan, um in einem Workshop deutsche Kultur vor allem in Form von Liedern zu vermitteln. Wie das am besten gelingt, was eigentlich noch deutsche Volkslieder sind, der erste Kontakt mit den Ivorern per Skype-Verbindung zwischen Berlin und Abidjan waren die Anknüpfungspunkte für das knapp dreistündige Programm.

Der Kabarettist baute immer wieder neue Assoziationsbrücken zu allen möglichen Themen auf, die ganz nach Grebe-Art abwechselnd im gesprochenen und gesungenen Wort das Publikum amüsierten – und oft auch zum Nachdenken anregten.

Die Digitalisierung des Lebens war so ein Themenkomplex, der sich durchs Programm zog. Grebe kam mit einem alten Reisekoffer auf die Bühne, der zugleich als Navigationsgerät und vorlaute Computerstimme diente. Moderne Apps wie Snapchat kann man haben, braucht man aber eigentlich nicht, wenn man sowieso schon vom Leben gezeichnet ist.

Der Sprung von der analogen zur digitalen Welt lohnt sich aber spätestens dann, wenn die Ivorer ihrem zukünftigen Kultermittler Grebe über Skype mit einem Vortrag von Heines „Lied von der Loreley“ einen Einblick in ihr Repertoire geben.

Dass in Deutschland die Volkslieder inzwischen entweder „Atemlos“ heißen oder gleich aus der Rap- und Hip-Hop-Szene stammen, war ebenfalls eine Erkenntnis des vergnüglichen Abends. Nur mit dem sauberen Endreim könnten sich die deutschen Hip-Hopper wirklich mehr Mühe geben. Grebe selbst tut es doch auch, wenn er sich mal melancholisch, mal bissig in Liedform über das Altern, die moderne Technologie, die Liebe und vieles mehr Gedanken macht.

Von Christine Lummert

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