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Brandenburg/Havel Rainer Köpnick schob Pensionierung für seine 6b auf
Lokales Brandenburg/Havel Rainer Köpnick schob Pensionierung für seine 6b auf
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18:07 04.07.2018
Der Lehrer Rainer Köpnick von der Evangelischen Grundschule Brandenburg geht in den Ruhestand. Quelle: Marion von Imhoff
Brandenburg/H

Es gibt im wesentlichen drei Dinge über Rainer Köpnick zu sagen: Er ist begeisterter Lehrer, Europäer und Golfspieler mit Handicap 18,4. Und nebenbei ist da noch etwas: Er ist der beliebteste Lehrer an der Evangelischen Grundschule Brandenburg. Als der 66-Jährige beim Abschlussgottesdienst am Mittwoch im Dom vor die Schüler trat, brandete der Applaus auf wie für einen Popstar. Mit dabei war auch Abschiedsschmerz: Rainer Köpnick geht in den Ruhestand und verabschiedete am Mittwoch zugleich seine Klasse 6b. Für sie ist er anderthalb Jahre länger im Dienst geblieben. Schon im Februar 2017 hätte Rainer Köpnick Pensionär werden können. Doch er wollte die Jungen und Mädchen auf einen guten Weg bringen und bis zum Ende der Grundschulzeit begleiten.

„Am Mittwoch um 11 Uhr löst sich die Klasse 6 b auf“, hatte er am Vortag gesagt. Und um 11 Uhr endete auch Rainer Köpnicks Zeit als Fulltime-Lehrer. Denn natürlich hört Rainer Köpnick nicht ganz auf, sondern übernimmt noch sechs Wochenstunden im nächsten Schuljahr als Mathelehrer und zwei in Werken-Arbeit-Technik. So ist Rainer Köpnick nun erst ein wenig weg. Er macht weiter, weil er gebraucht wird.

Die Klasse 6b mit ihrem Lehrer Rainer Köpnick am Mittwoch vor dem Brandenburger Dom. Quelle: Marion von Imhoff

„Wenn ich mir einen Lehrer aussuchen dürfte, wäre das Herr Köpnick“, sagte ein Junge. Doch wer ist dieser Mann, wie wurde er das, was er seit Jahrzehnten ausstrahlt? Der gebürtige Mecklenburger selbst beschreibt es so: „Es soll nicht überheblich klingen, aber man sollte Lehrer sein und nicht Lehrer werden. Wenn man kein Händchen für Kinder und Jugendliche hat, ist es nicht günstig. Ich bin der Boss, aber der Schüler muss wissen, dass ich ihm nichts Böses will.“ Und: „Ich frage mich zunächst erst einmal selbst, ob ich alles richtig gemacht habe.“

Lehrerin Antje Endtmann-Heinze sagt: „Die Kinder werden ihn doll vermissen, diese praktische, ganz klare Haltung. Er beruhigt einfach und ist im Kollegium der Fels in der Brandung und der Kaffeekocher am Morgen.“

In Herrgottsfrühe den Unterricht vorbereiten

Schon kurz nach 7 Uhr begann für ihn jeder Schultag, Rainer Köpnick sortierte Unterlagen für die Fächer. „Dann läuft der Tag richtig.“ Nutzen und Aufwand sind auch Wörter, die der Lehrer für sich ins Verhältnis setzt. Er ist Pragmatiker. Und: Er vertraut in seine Schüler und gibt ihnen immer wieder eine neue Chance. Kein Schüler landet in einer Schublade. Als Einschnitt bezeichnet Rainer Köpnick die Trennung von seiner 6b. „Es war meine Klasse und man versucht sie auch zu schützen gegen Sachen, die von außen kommen. Bei jeder Klasse, die ich hatte, schwingt am Ende Wehmut mit und die Frage, habe ich ihnen genug mit auf den Weg gegeben, dass sie sich später durchbeißen können.“

Seit 1972 lebt Rainer Köpnick mit seiner Frau in Brandenburg, seit 1974 ist er Lehrer. Er hat die Lehrbefähigung von Klasse 4 bis 10. Seine ältesten Schüler sind mittlerweile 50 Jahre alt. Seit Jahren wohnt der Pädagoge direkt am Jakobsgraben. Das Naturidyll ist Kontrast zum stressigen Lehrerdasein.

Ein Fan der Europäischen Union

An vielen Schulen hat Rainer Köpnick gearbeitet. Nach der Wende baute er ehrenamtlich die Europa Union Deutschland auf, eine Bürgerinitiative Europa-Begeisterter, und besuchte mit jungen Menschen alle EU-Institutionen. Danach folgte eine Lehrtätigkeit in der Europäischen Staatsbürger-Akademie am Werbellinsee. Nach weiteren Stationen in Bildungseinrichtungen arbeitete er von 2010 an der Evangelischen Grundschule.

Für Rainer Köpnick galt es am Mittwoch zu trösten. Vielen Schülern schossen Tränen beim Abschied in die Augen. Dann strömten alle aus dem Dom in die Sommerferien. Für Rainer Köpnick beginnen nun als Pensionär die noch etwas größeren Ferien.

Von Marion von Imhoff

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