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Rechter Läufer mit großem Herz

100. Geburtstag in Brandenburg Rechter Läufer mit großem Herz

100 Jahre! Dieses großartige Jubiläum feiert am Samstag der Brandenburger Helmut Batzke. Der Jubilar, der jahrzehntelang in Rathenow lebte, blickt auf ein unglaublich bewegtes Leben zurück. Am Samstag begeht der ehemals leidenschaftliche Fußballer im Kreise von Familie und Freunden seinen Ehrentag.

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Jubilar Helmut Batzke blickt auf ein bewegtes Lebensjahrhundert zurück.

Quelle: volkmar maloszyk

Brandenburg/H. Welch wichtige Bedeutung es hat, auf sich und ein gesundes Leben Acht zu geben, beweist sich für Helmut Batzke vor sieben Jahren. Damals radelt der betagte Brandenburger wie jeden Tag mit seinem Drahtesel durch die Stadt, wahrscheinlich ist er gerade wieder einmal auf dem Weg zur Bücherei, um sich neuen Lesestoff zu besorgen. Plötzlich jedoch geht die Tür eines am Straßenrand parkenden Pkw auf, Batzke fährt auf und stürzt. Ihm geschieht, bis auf ein paar Schürfwunden, nichts.

Hart im Nehmen muss Helmut Batzke, der am Samstag seinen 100. Geburtstag feiert, oft sein in seinem langen und aufregenden Leben. Er ist es immer. „Elastische Knochen“ attestiert so auch Winfried Batzke seinem Vater, über den er mit Bewunderung spricht. Kein Wunder, hat Helmut Batzke doch ein bewegtes – und bewegendes – Leben geführt.

Topfit auch im hohen Alter

Dass Batzke den Unfall, der für andere in seinem Alter eine Katastrophe bedeutet hätte, ohne bleibende gesundheitliche Einschränkungen überstanden hat, hat für Sohn Winfried einen einfachen Grund. „Mein Vater war Zeit seines Lebens ein außerordentlich sportlicher Mensch.“ Nie habe er einen Führerschein besessen, sein ganzes Leben lang brachte ihn sein Rad von A nach B. Alkohol und Zigaretten? Fehlanzeige. Vielmehr ist der Jubilar lange sportlich aktiv. „Jeder Morgen begann so: Aufstehen, kalte Dusche, Morgengymnastik. Das war ihm sehr wichtig“, berichtet Sohn Winfried. Fast unglaublich: Bis in sein 96. Lebensjahr hinein hat Helmut Batzke das beibehalten, also auch noch lange nach dem Radunfall.

Nicht minder erstaunt ist, wer sich den Lebensweg des Jubilars genauer ansieht: 1916 in im damaligen Westpreußen gelegenen Örtchen Schulitz geboren, verschlägt es den kleinen Helmut und die Familie 1921 nach Rathenow. Hier wächst Batzke auf, lernt – na klar – Brillenmacher und spielt erfolgreich Fußball: Schon mit 17 debütiert er in der ersten Mannschaft des Arbeitersportvereins Spielvereinigung 05, Position: rechter Läufer.

Fußball war die große Leidenschaft

1937 wird Batzke zur Wehrmacht eingezogen und in Schwerin, später in Stettin stationiert. Hier hat er seinen sportlich größten Auftritt, absolviert in der damaligen Gauliga ein Spiel vor 10 000 Zuschauern. „Eines seiner größten Erlebnisse“, sagt Winfried Batzke.

Als der Krieg ausbricht, muss Helmut Batzke an die Front. Zunächst als Funker nach Frankreich, später ist er beim Marsch auf Moskau hautnah dabei. „Die Geschichtsschreibung sagt zwar, dass die deutschen Angriffe erst Anfang November ins Stocken gerieten, er beharrt aber auf Anfang Oktober“, sagt der Sohn.

Die Hölle von Stalingrad erlebt Batzke lediglich nicht, weil er gerade auf Heimaturlaub weilt. Der Krieg endet, doch Batzke kehrt nicht nach Rathenow zurück – zu groß ist die Angst vor den Russen. Er kommt in Rumänien unter, versteckt sich drei lange Jahre bei einem Juden, dem er zuvor das Leben rettete. Letztlich wird er aber doch gefangen und sitzt zwei Jahre ab. 1950 folgt die Rückkehr nach Hause.

Hölle von Stalingrad vermieden

In Rathenow findet Batzke schnell Anschluss, heiratet, bekommt zwei Söhne geschenkt. Ein Leben in geordneten Bahnen. Er, der aus einfachen Verhältnissen kommt, liest Humboldt, Aurel, Schopenhauer. Er lernt Englisch, macht an der Abendschule einen Wirtschaftsabschluss, interessiert sich für die große wie die kleine Politik. Auch seiner Leidenschaft, dem Fußball, geht er wieder nach, kickt bei den Alten Herren von Motor Rathenow. Bantzke arbeitet, bis er 70 ist, führt ein glückliches Leben mit Frau und Kindern.

1983 zieht es den Mormonen samt Ehefrau nach Brandenburg, die Kinder leben längst hier. Zudem hat sich die Glaubensgemeinde in der Optikstadt aufgelöst. Schnell finden sie bei den Brandenburger Mormonen Anschluss.

Lebensabend in Brandenburg

1996 stirbt die Gattin, doch Helmut Bantzke lässt sich seinen Lebensmut nicht nehmen. „Er war immer positiv, hatte einen lockeren Spruch für uns parat“, sagt Sohn Winfried.

Am Samstag nun begeht ein ganzes Jahrhundert geballte Lebenserfahrung im Kreise von Familie und Freunden das große Jubiläum, 30 Gäste werden erwartet. Helmut Bantzke freut sich auf die Feier. Auch wenn die Fitness vergangener Tage natürlich nachgelassen hat. „Ich habe ein erfülltes Leben gelebt“, sagt er dankbar.

Von Philip Rißling

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