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Brandenburg/Havel Reckahner Herrenhaus wird vor Verfall bewahrt
Lokales Brandenburg/Havel Reckahner Herrenhaus wird vor Verfall bewahrt
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00:18 21.05.2017
Stiftungsmitbegründer Bernhard Litscher griff bei der Grundsteinlegung ebenfalls zum Maurerhammer. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Reckahn

Mit mehreren Hammerschlägen auf das Fundament einer neuen Innenwand begann am Donnerstag eines der kostspieligsten Bauprojekte in der Gemeinde Kloster Lehnin. So lässt die Kommune in Kooperation mit der Stiftung „Der Kinderfreund“das ehemalige Rochowsche Herrenhaus in Reckahn für rund 2,5 Millionen Euro zu einem Jugend-, Kultur-, Gemeinde- und Konferenzzentrum umbauen. Dafür muss das im Kern rund 400 Jahre alte Gebäude umfassend restauriert werden. „Möglich wird der Kraftakt nur, weil sich der Bund mit einer Zuwendung von 1,12 Millionen Euro an der Maßnahme beteiligt“, sagte Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner bei einem Festakt.

Vorgänger vom Schloss

Das „Alte Herrenhaus“ gilt als Vorgängerbau für das von 1726 bis 1730 errichtete Schloss, das heute als Museum dient. Viele Jahre stand das Gebäude leer, die Bausubstanz verschlechterte sich zusehends. Ein Zuwendungsbescheid des Bundesinstituts für Bau-,Stadt- und Raumforschung über 1,12 Millionen Euro macht einen Ausbau möglich.

Kloster Lehnin bestand zuvor ein Auswahlverfahren für das 1000 Projektanträge aus ganz Deutschland eingegangen waren. Die Kommune hatte mit Reckahn alle entscheidenden Kriterien erfüllt, um für eine beträchtliche Förderung ausgewählt zu werden.

Reckahn ist damit der dickste Brocken in der kommunalen Investitionstätigkeit in den nächsten zwei Jahren, denn Kloster Lehnin packt rund 1,4 Millionen Euro Eigengeld dazu. Die Arbeiten werden von Denkmalpflegern und Restauratoren begleitet. Die Gemeinde tritt als Bauherr auf. Sie erhält von der Stiftung ein Nutzungsrecht.

Zur Grundsteinlegung war Victoria Dagmar von Rochow-Litscher mit ihrem Gatten Bernhard Litscher aus der Schweiz angereist. Das Ehepaar gehört zu den Gründungsinitiatoren der Stiftung „Der Kinderfreund“. Die Stiftung fühlt sich dem Erhalt des Lebenswerkes des Aufklärers, Pädagogen, Agrarreformers und märkischen Gutsherren Friedrich Eberhard von Rochows (1734-1805) verpflichtet. Das von seinem Vorfahren Tobias von Rochow 1605 errichtete „Alte Herrenhaus“ befindet sich nach einem Verkauf durch die Wohnungsbaugesellschaft Ziesar heute im Besitz der Stiftung. Victoria Dagmar von Rochow-Litscher wünschte wie andere Gäste dem Bau einen guten Verlauf. Zuvor hatte Bürgermeister Brückner eine kupferne Hülse in das Fundament versenkt. Deren Inhalt besteht aus Unterlagen über Gemeindevertreterbeschlüsse, einer Kopie des Zuwendungsbescheides, den Reden zur Grundsteinlegung und einer aktuellen Ausgabe der MAZ.

So sieht es im Obergeschoss des „Alten Herrenhauses“ aus. Das ganze Haus wird saniert und ausgebaut. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Baugenehmigung für die Sanierung und den Ausbau des Renaissancebaus ging vor wenigen Tagen in der Gemeindeverwaltung ein. Die bauhistorische Untersuchung ist weitgehend abgeschlossen. In deren Ergebnis muss die Geschichte des Hauses ein wenig umgeschrieben werden. Bislang wurde der zur Ortslage weisende Schmuckgiebel der Renaissancezeit zugeschrieben.

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner mit der kupfernen Hülse für den Grundstein. Quelle: JACQUELINE STEINER

„Tatsächlich stammt er aus dem ausgehenden 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert. Es handelt sich also um einen Neo-Renaissancegiebel. Alles andere ist falsch“, wie Hanno Schmitt mitteilte. Der Wissenschaftler ist Professor für Geschichte des Erziehungs- und Bildungswesens im Ruhestand und steht dem Stiftungsrat als Vorsitzender vor. Schmitt hatte sich intensiv mit der Baugeschichte des einstigen Herrensitzes beschäftigt, dass zu DDR-Zeiten Wohnungen, Schwesternstation, Bücherei, Arztpraxis und andere Gemeinschaftseinrichtungen beherbergte. Schmitt gehörte neben Museumsleiterin Silke Siebrecht-Grabig zu den Ideengebern für ein multifunktionales Kultur- und Gemeindezentrum.

Der bekannte Schmuckgiebel des Herrenhauses ist viel jünger, als vermutet. Quelle: JACQUELINE STEINER

Umsetzen wird die Pläne Architekt Egon Behrens. Er sprach von einer großen Herausforderung, denn schon im kommenden Jahr soll das vor dem Verfall gerettete Haus seiner Bestimmung übergeben werden. Behrens rückte von seiner anfänglichen Einschätzung ab, wonach 80 Prozent des Mauerwerkes abgetragen werden muss. „Wir werden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege mehr historische Substanz erhalten können, als zunächst vermutet“, sagte Behrens der MAZ.

Von Frank Bürstenbinder

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