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Reise durch eine fremde Sprache

Flüchtlingskinder lernen deutsche Vokabeln Reise durch eine fremde Sprache

An der Grundschule "Gebrüder Grimm" in Brandenburg an der Havel lernen Kinder aus Krisenregionen der Welt mit viel Eifer die deutsche Sprache. Insgesamt neun Kinder erhalten in der Schule im Stadtteil Hohenstücken Förderunterricht im Fach Deutsch, unterstützt werden sie von Sandra Nitsche. Die Lehrerin ist spezialisiert auf das Fach als Fremdsprache.

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Mit Freude bei der Sache: Lehrerin Sandra Nitsche hilft Afadita und Franci (rechts), die deutsche Sprache zu erlernen.

Quelle: J. Steiner

Brandenburg an der Havel. "Die Erdbeere. Super!“ Grundschullehrerin Sandra Nitsche (28) hält Afadita und Franci Bilder mit der Frucht entgegen. Die beiden zwölfjährigen Kinder aus Albanien schauen darauf, dann sprechen alle drei gemeinsam „die Erdbeere, die Zitrone, der Apfel“. Wenig später schreiben Afadita und Franci die neu gelernten Vokabeln auf ihre Arbeitsblätter. Sie sind hochkonzentriert. Die beiden Flüchtlingskinder erhalten in der Gebrüder-Grimm-Grundschule in Hohenstücken Förderunterricht im Fach Deutsch. Sandra Nitsche ist als Lehrerin spezialisiert auf das Fach als Fremdsprache.

Der Junge und das Mädchen gehören zu neun Flüchtlingskindern, die derzeit diese Grundschule besuchen. Schulleiterin Birgit Schiller rechnet mit weiteren Schützlingen aus den Krisenregionen der Welt. Ihre Schule wird neben der Nicolai-Oberschule die einzige in der Stadt sein, an denen Kinder aus Syrien, Afghanistan oder anderen Kreisenländern nun gezielt eingeschult werden. Nach den Plänen des städtischen Schulamtes sollen an den beiden Schulen je eine Klasse für Flüchtlingskinder entstehen, in denen sie ein Jahr lang gezielt Deutschunterricht erhalten. Erst danach ist die Aufteilung auf die weiteren Klassen geplant.

„Wir sind dazu im Gespräch“, sagt Schulleiterin Birgit Schiller. Generell befürworte sie die rasche Integration der Kinder eine Beschulung mit gleichaltrigen Kindern aus Brandenburg. Auch Sandra Nitsche berichtet, wie zügig sich die Kinder eingelebt hätten. „Sie sind aufgeschlossen und haben schnell Freunde gefunden.“ Die Brandenburger seien neugierig und fänden es spannend, sich anfangs mit Händen und Füßen mit den neuen Mitschülern unterhalten zu können. „In jeder Klasse steht ein Computer, wir können uns über Übersetzungsprogramme schnell verständigen“, berichtet Nitsche. „Integration gelingt besser, wenn sie auf Gleichaltrige treffen“, sagt Schiller.

Afadita lebt mit ihrer Familie bereits in einer Wohnung in Hohenstücken, Franci kommt noch jeden Tag aus dem Asylbewerberheim in der Flämingstraße. Afadita spricht schon gut Deutsch, Franci, der erst vier Monate und damit vier Wochen kürzer erst in Brandenburg lebt, hat noch etwas mehr Mühe.

Schulpflicht auch für Flüchtlingskinder

Das Landesbildungsministerium erarbeitet einen Leitfaden für den Sprachunterricht für Flüchtlingskinder. Bundesmittel helfen, um in Kitas und Schulen Sprachkurse zu bieten.
In allen Teilen des Landes werde der Unterricht für die schulpflichtigen Flüchtlingskinder gewährleistet, sagt das Land. Dies sei eine große Herausforderung für Schulträger und Lehrer.
Im Auffanglager in Eisenhüttenstadt unterrichten derzeit Lehrer Deutsch und eine Stunde Sachunterricht, Kunst und Musik.

Ihre Schulleiterin hat größtes Verständnis. Birgit Schiller lehrte mehrere Jahre am Von-Saldern-Gymnasium. Sie wechselte für drei Jahre an eine Nato-Schule in den Niederlanden und kehrte in diesem Schuljahr als Leiterin der Grimm-Schule zurück. Mit ihrem Sohn war sie eine Zeit lang in Irland. Dort wurde ihr Kind eingeschult und konnte noch kein Wort Englisch. Nach wenigen Wochen brabbelte der Junge Englisch.

Derzeit können pro Jahrgang maximal zwei oder drei weitere Flüchtlingskinder aufgenommen werden. Dann sind die Klassen voll. Sollte an ihrer Schule, wie geplant, eine eigene Klasse für Flüchtlingskinder entstehen, fordert Schiller mehr Personal. Anders sei das nicht zu schaffen. Einige Flüchtlingskinder hätten noch nie eine Schule besucht und müssten erst Schreiben und Lesen lernen. Derzeit gibt es drei Fördergruppen für Erst-, Dritt- und Fünftklässler unter den neuen Schützlingen.

Zudem kommen Mitarbeiterinnen des Internationalen Bundes an die Schule und üben 13 Unterrichtsstunden gezielt mit den Flüchtlingskindern Deutsch. Deren Geschichte erfahren die Lehrer oft erst nach einigen Wochen. „Ich würde mir wünschen, dass wir dazu mehr Informationen hätten, um bei erlebten Traumata der Kinder auch schneller helfen zu können“, sagt Birgit Schiller.

Afadita hat auf jeden Fall schon das Herz ihrer Lehrerinnen erobert. Sie ging eines Tages zu einem der Computer, rief das Übersetzungsprogramm auf und schrieb in albanischer Sprache den Satz, der auf Deutsch bedeutet: „Ich danke Ihnen, dass ich hier sein darf und ich werde ganz schnell Ihre Sprache lernen.“ Sandra Nitsche erzählt die Episode: „Das hat mich zutiefst berührt.“

Von Marion von Imhoff

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