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Remine will Angst vorm Schredder ausräumen

Öffentliche Anhörung im Stahlpalast Remine will Angst vorm Schredder ausräumen

Beim riesigen Metallschredder hat die Firma TSR viele Fehler in der Kommunikation gemacht, den Bürgern nicht erklärt, was auf sie zukommt. Besser machen will es die TSR-Tochter Remine, die einen viel viel kleineren Plastikschredder in Betrieb nehmen will. Doch der Argwohn ist groß.

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Mebra-Anlagenleiter Sebastian Höhne (links) und Geschäftsführer Holger Ulbricht zeigen das Material vorher (im Eimer) und die Endprodukte.
 

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel.  160 Einwendungen und Hinweise zum geplanten Remine-Projekt im Recyclingpark Brandenburg sind während der öffentlichen Auslegung eingegangen. Die Pläne waren über den gesamten Monat Juli im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz LUGV und in der Stadtverwaltung ausgelegt, danach hatten Bürger, Vereine und Organisationen noch zwei Wochen Zeit, ihre Bedenken und Einwände zu formulieren und abzugeben. Sie alle werden behandelt beim öffentlichen Erörterungstermin am 2. September.

„Remine hatte zuerst geplant, die Bibliothek im Industriemuseum dafür zu nutzen, wegen des hohen öffentlichen Interesses wurde nun der Stahlpalast angemietet“, sagt Mebra-Geschäftsführer Holger Ulbricht. Der Mebra gehört der Recyclingpark, große Teile der Riesenhalle sollen an Remine vermietet werden. Neben der Genehmigungsbehörde LUGV werden von Remine beauftragte Lärmschutz- und Umweltgutachter sowie Juristen öffentlich über die Einwände befinden.

Emission oder Immission?

Fragen, Bedenken und Ängste drehen sich vor allem um das Genehmigungsverfahren, um die so genannten Stoffströme, um Brandschutz, Regenwasser, um zu erwartenden Lärm, selbst um möglichen Geruch oder vermehrtes Auftreten von Ungeziefer, obwohl gar keine biologischen Abfälle behandelt werden. Großes Thema sind auch die so genannten Schallschutzkontingente: Die Anlage steht künftig auf einem Industriegebiet, auf dem ein gewisser Geräuschpegel zulässig ist. Remine übernimmt einen Teil der Emissions-Kontingente des nahegelegenen Riva-Hafens am Silokanal, weil diese dort nicht ausgeschöpft werden. „Ich habe die Experten dringend gebeten, darüber in allgemein verständlichen Worten zu reden, viele Menschen sehen kaum einen Unterschied zwischen Emission und Immission“, sagt Ulrich. Ganz vereinfacht: Emission ist der Geräuschpegel, der von einer Schallquelle ausgeht, Immission ist der Pegel, wie er vom Menschen empfunden wird.

Was wird bei Remine verwertet?

Ein Großteil des Input-Materials (Schredderleichtfraktion) sind Kunststoffe aus Altautos.

Es werden weder Schrottautos, noch Hausmüll, Gelbe Säcke oder gar Bio-Müll verarbeitet.

Gewonnen werden schwarzes Kunststoffgranulat , Edelstahl, Kupfer, Edelmetalle von Platinen.

Bislang wurde die Leichtfraktion thermisch verwertet, also verbrannt.

Remine investiert 15 Millionen Euro in die Anlage, hat dafür 1,8 Millionen Euro Förderung vom Land bekommen.

Der eingesetzte Schredder ist um ein Vielfaches kleiner als der Metallschredder bei TSR, die Motorantriebsleistung liegt mit 315 Kilowatt bei einem Vierzehntel der des Quenz-Schredders (4400 Kilowatt).

Zudem werden Siebe, Windsichter, Magnetscheider, Wirbelstromabscheider, Sortiereinheiten und Lufttrennherde zum Trennen der Rohstoffe eingesetzt.

Manche Einwender haben nur auf einen Zettel geschrieben: „Ich bin gegen die Schredderanlage, weil es mir zu laut sein könnte.“ Manche haben darauf noch zehn Nachbarn unterschreiben lassen – das wird als zehn Einwendungen gezählt. Andere Schriftsätze sind wohldurchdacht, darin wird technisch anspruchsvoll argumentiert. Gleichwohl glaubt Ulbricht, dass die Experten die allermeisten Bedenken zerstreuen können. „Vorausgesetzt, sie können sich den Brandenburgern gegenüber verständlich ausdrücken.“ Zudem sei das LUGV nicht gerade als leichtfertige und nachlässige Behörde bekannt, für den Recyclingpark gab es schon immer sehr hohe Auflagen, diese würden auch häufig unangekündigt kontrolliert. Ähnliches sei auch für das Remine-Projekt zu erwarten, beim Planen wurde bereits darauf reagiert. So werden beispielsweise alle Lüftungsöffnungen verschlossen, folglich müssen separate Entrauchungsklappen eingebaut werden. Die Zufahrt wird neu gebaut auf die südliche Hallenlängswand, die vom Silokanal abgewandt ist.

Widerstand vom Görden

Widerstand regt sich weniger aus Richtung Klingenberg-/Walzwerksiedlung/Quenz, vielmehr von der anderen Kanalseite, speziell aus dem alten Görden. Ein großes Thema ist der Verkehrslärm: Der Recyclingpark ist erschlossen mit Hafen und Bahngleis - warum muss das Schreddergut ausschließlich mit dem Lkw angefahren werden, fragen sie. „Wenn wir es auf der Schiene oder auf dem Wasser herbringen, haben wir einen zusätzlichen Verladevorgang, der mit Staub und Lärm verbunden ist. So können wir direkt mit dem Lkw in die Halle fahren und haben keinerlei Arbeiten unter freiem Himmel“, argumentiert Ulbricht.

 Öffentliche Anhörung des LUGV, Mittwoch, 2. September, 10 Uhr, Stahlpalast.

Von André Wirsing

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