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Brandenburg/Havel Renafan und Heimaufsicht streiten über Pflege
Lokales Brandenburg/Havel Renafan und Heimaufsicht streiten über Pflege
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21:54 19.08.2016
Vor fast fünf Jahren öffnete das Renafan-Pflegeheim in der Neuendorfer Straße. Quelle: Renafan
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Brandenburg an der Havel

Nach deutlicher Kritik an Pflegemängeln im August 2015 hat die Heimaufsicht des Landes Ende des Jahres „wesentliche Verbesserungen“ im Pflegeheim „Service Leben“ der Berliner Firma Renafan in der Neuendorfer Straße festgestellt. Doch seit einer erneuten Prüfung im Juni streiten beide Seiten vor Gericht darüber, wie gut oder schlecht das Heim mit seinen 120 Bewohnern läuft.

Im vergangenen Sommer berichtete die MAZ über seinerzeit schlimme Zustände im Brandenburger Renafan-Altenpflegeheim. Die Mängel seien schon in der Grundpflege „sehr gravierend“, bestätigte die Heimaufsicht damals, also das Landesamt für Soziales und Versorgung (LASV).

Die Behörde hatte den Träger im September 2015 zur „Krisensitzung“ zitiert. Im Anschluss besetzte Renafan die Heim- und die Pflegedienstleitung neu. Es folgte Beratungsgespräche zwischen Heim und Heimaufsicht sowie die Aufarbeitung aller Pflegeprozesse. Am 18. Dezember stellte die Behörde wesentliche Verbesserungen statt.

Doch am 2. Juni gab es laut Heimaufsicht erneut einen Anlass zur Prüfung in der Einrichtung. Das Ergebnis waren wieder „ordnungsrechtliche Maßnahmen“ unter anderem in Fragen der personellen Ausstattung des Pflegeheims. Die Einrichtung wird seither wieder wie inzwischen auch das Alexa-Heim in der Bauhofstraße „engmaschig“ kontrolliert.

Renafan wehrt sich vor dem Verwaltungsgericht Potsdam gegen die Anordnungen der Behörde. Das Unternehmen äußert sich gegenüber der MAZ detailliert zu den Beanstandungen und räumt in mehreren Fragen auch Schwachstellen ein.

Drei neue Fachkräfte aus Bosnien

Das Renafan-Pflegeheim „Service Leben Havelstadt“ in Brandenburg eröffnete im November 2011. Es beherbergt 120 Frauen und Männer.

Im November 2015 haben Pfarrer Thomas Dagge und Nadine Fräsdorf die Heim- beziehungsweise Pflegedienstleitung übernommen.

Die Firma Renafan spricht in ihrer Stellungnahme das Problem des ohnehin eklatanten Personalmangels in der Altenpflege offen an. „Grundsätzlich steht und fällt die Pflegequalität mit einer stabilen, gesunden Mitarbeiterschaft“, teilt das Unternehmen mit,. Dies sei die vordringlichste Aufgabe für den eigenen Standort in Brandenburg, aber auch bundesweit.

Um Personal zu gewinnen schaltet Renafan Anzeigen, ist in sozialen Netzwerken und öffentlichen Verkehrsmitteln aktiv und organisiert Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme.

Drei neue Fachkräfte aus Bosnien habe Renafan für das Heim in Brandenburg gewonnen.

Einen Termin für die Verhandlung über den anhängigen Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Potsdam gibt es noch nicht.

Christina Brandt betont für das Unternehmen, dass Renafan die Qualität der Pflege und Betreuung in der Neuendorfer Straße deutlich verbessert habe. Die Firmensprecherin spricht allerdings von einer hohen Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen.

Von 30 Höherstufungsanträgen hätten die Krankenkassen 17 noch nicht beschieden. Weil die Pflegeleistung faktisch anfällt, müsse das Personal in Vorleistung gehen. Christina Brandt: „Die Mehrbelastung des Personals führt zwangsläufig zu Überbelastungen, einem erhöhten Krankenstand und Unzufriedenheit.“

Die Sprecherin erläutert die Themen, die zwischen Renafan und der Heimaufsicht umstritten sind und gerichtlich geklärt werden sollen. Demnach bemängelt die Landesbehörde eine Unterbesetzung mit Personal. Das bestreitet das Pflegeunternehmen. Die Heimaufsicht verordne einen Personaleinsatz, der über den mit Kostenträgern vertraglich verhandelten und von Renafan eingehaltenen Personalschlüsseln liege.

„Wir möchten gerichtlich klären lassen, ob seitens der Heimaufsicht eine höhere Personalausstattung festgelegt werden kann, als dies auf Grundlage der vertraglichen Vereinbarungen mit den Pflegekassen vorgesehen ist“, erklärt Christina Brandt.

Das Brandenburger Heim wehrt sich auch gegen den behördlich angeordneten Aufnahmestopp, dass die Betreiber für rechtswidrig halten.

Dagegen räumt Renafan ein, dass in Folge der zeitweise hohen Arbeitsbelastung auch Fehler auftraten wie beim Medikamentenmanagement. Nun finde regelmäßig einmal im Monat bei allen Bewohnern ein „Medikamentencheck“ statt.

Ernst nehme das Pflegeheim auch die Einzelfälle, in denen die Heimaufsicht die Versorgung der Bewohner bemängelt habe, speziell die Dokumentation zur unterbliebenen Nahrungsaufnahme eine Heimbewohners. se Einzelfälle nehmen wir sehr ernst. Renafan habe zwei sehr erfahrene Führungskräfte aus München hinzugezogen, die seit Mitte Juli die Qualitätskontrollen der Mitarbeiterinnen begleiten.

Von Jürgen Lauterbach

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