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Rentner leiten Kinder ins Leben

Dieses Ehrenamt ist Herzenssache Rentner leiten Kinder ins Leben

Sie sind älter als 70 Jahre und könnten einen betulichen Ruhestand genießen. Gerda Hartmann und Hans Gunter Treue aber wollen genau das gerade nicht. Die beiden ehrenamtlichen Schulmediatoren helfen Kindern der Luckenberger Grundschule in Brandenburg an der Havel, friedlich zusammen zu leben. Und erzählen Berührendes.

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Seit sechs Jahren sind sie ein Team als ehrenamtliche Schulmediatoren an der Luckenberger Grundschule in Brandenburg an der Havel: Gerda Hartmann und Hans Gunter Treue.

Quelle: Jast

Brandenburg an der Havel. Sie sind voller Enthusiasmus und brennen für ihr Ehrenamt: Die 73-jährige Gerda Hartmann aus Lünow und der vier Jahre ältere Hans Gunter Treue, der in Brandenburg lebt. Beide sind seit sechs Jahren zusammen Schulmediatoren für die Jungen und Mädchen der Luckenberger Grundschule. Jeden Montag verbringen sie den Vormittag mit den Schülern und helfen ihnen, ihren Weg im sozialen Miteinander zu finden. „Es macht ein gutes Gefühl, wenn wir helfen können, aber ja“, schwärmt Hans Gunter Treue und lacht. „Es macht wirklich, wirklich Spaß.“

Jeden Montag gemeinsam mit Schülern

Getragen wird das vom Land Brandenburg unterstützte Projekt „Seniorpartner in School“ vom gleichnamigen Verein mit Sitz in Potsdam. Landesweit hat der 90 Schulmediatoren ausgebildet, was für diese kostenlos war. „Doch wir sind die einzigen Schulmediatoren in dieser Region“, sagt Hans Gunter Treue. Er und Gerda Hartmann suchen nun händeringend nach Gleichgesinnten.

Schulmediatoren

„Seniorpartner an Schulen“ ist – als Brücke zwischen Jung Alt – ein Anti-Gewalt-Projekt an Schulen. Schulmediatoren absolvieren einen 80-stündigen Vorbereitungskurs. Finanziert wird dieser vom Land. Die ehrenamtlichen Mediatoren arbeiten in Zweierteams pro Woche einen Vormittag.

Wer älter als 50 Jahre alt ist und sich vorstellen kann, Schulmediator zu werden, kann sich an Gerda Hartmann unter gerdahartmann@gmx.de wenden oder an Hans Gunter Treue unter hgtreue@t-online.de. Infos auch unter www.sis-brandenburg.de

Menschen ab 50 Jahren, die helfen wollen, in Schulen für ein friedliches Miteinander einzutreten. Ziel ist es, dass die Kinder von den ruhigen und lebenserfahrenen Senioren lernen, Konflikte friedlich zu lösen. Sich gegenseitig zuzuhören, den anderen ausreden zu lassen und sich nach einem Streit die Hand geben zu können mit dem Versprechen, sich so rabiat wie zuvor, nicht mehr zu verhalten, das wollen Gerda Hartmann und Hans Gunter Treue den Sechs- bis Zwölfjährigen nahe bringen.

Gesucht: Menschen ab 50, die helfen wollen

Von dieser Wirkung der beiden Senioren auf die Kinder überzeugt ist Schulleiterin Elgin Belz: „Es ist wunderbar, dass sie da sind. Sie haben einen ganz anderen Zugang zu den Schülern. Auch wegen des Altersabstandes und auch weil sie nicht Lehrer oder Schulsozialarbeiter sind und also nicht von der Schule kommen.“

„Und wir sind nur für die Kinder da“, sagt Gerda Hartmann. In den Pausen sind sie auf dem Schulhof, stehen sofort bereit, wenn es zu einer Rangelei oder einem Streit kommt. „Die Aggressivität hat zugenommen“, sagt sie. „Auch bei Mädchen. Da wird nicht mehr geboxt, da wird getreten. Auch wenn der andere schon am Boden liegt. Und dann sagen die Kinder, das sei nur Spaß. Aber wenn jemand am Boden liegt ist das nie Spaß.“

Und die nur 1,53 Meter große Frau fügt an: „Auseinandersetzungen sind normal, wenn sie aber in Aggressivität umschlagen, wenn man nicht mehr aufeinander hört, greifen wir ein.“ Sie sehe „an der Mimik des Unterlegenen, was der gerade empfindet“.

Wichtig, am sozialen Leben teilzuhaben

Ihr Motiv für diesen auch anstrengenden unentgeltlichen Job? „Ich finde wichtig, am sozialen Leben teilzuhaben. Das schrumpft auf dem Dorf sehr. Ich bin unheimlich froh, diese Aufgabe zu haben“, sagt Gerda Hartmann, die früher als Physiotherapeutin behinderte Kinder in ihrer Patientenschar betreute.

Hans Gunter Treue könnte als früherer Pharmakaufmann im Arzneimittelgroßhandel einen betulichen Ruhestand verbringen. Doch der gebürtige Oldenburger, der in Westfalen aufgewachsen ist, sagt nur: Seine Zeit ausschließlich in Seniorenkreisen zu verbringen sei seine Sache nicht. „Schulmediator zu sein ist für mich außerordentlich beglückend.“ Und der 77-Jährige erzählt von einem Regentag: Gerda Hartmann und er standen auf dem Pausenhof, alle hatten sich Kapuzen über die Köpfe gezogen, kaum eine Unterhaltung war zu verstehen. Da schlenderte ein Junge auf sie zu, flüsterte unverständlich ein paar Worte, lächelte und gab beiden einen Kuss. „Das geht zu Herzen“, erinnert sich Gerda Hartmann. „Da wissen wir, dass wir geholfen haben.“

Von Marion von Imhoff

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