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Retter für die Wusterwitzer Orgel gesucht

Königin der Instrumente Retter für die Wusterwitzer Orgel gesucht

Die Wusterwitzer Orgel ist seit Jahrzehnten stumm. Vermutlich wurde 1972 das letzte Mal auf ihr gespielt. Der Gemeindekirchenrat sucht händeringend Unterstützer, Sponsoren und Leute, die Geschick haben Fördertöpfe anzuzapfen, damit die Königin der Instrumente in Wusterwitz wieder erklingt. Die Orgel wurde 1904 vom Haldenslebener Orgelbaumeister Hülle gebaut.

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Vor der Wusterwitzer Orgel: Kantor Thorsten Fabrizi (v. r.), Pfarrer Holger Zschömitzsch, Helga Zibbat und Wolfgang Schimke.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Wusterwitz. Die Wusterwitzer Orgel ist seit Jahrzehnten stumm. Auf der verstaubten Tastatur liegt noch ein Gottesdienstablaufplan von 1972. Vermutlich wurde sie damals das letzte Mal gespielt. Wolfgang Schimke, der seit 40 Jahren im Gemeindekirchenrat ist, kann sich an einen großen Wasserschaden erinnern, weil das Kirchendach an den Kehlen undicht war. Aber auch der Holzwurm hat dem Instrument im Lauf der Zeit tüchtig zugesetzt.

Nach Organist Klaus Baasner, der vor dem Mauerbau 1961 nach Westberlin zum Studium ging, kamen ab und zu nur noch Gastorganisten aus Genthin und Brandenburg. Seit 45 Jahren behilft man sich entweder mit Musik aus der Konserve oder zu besonderen Anlässen mit einem tragbaren E-Piano. Doch gerne würde Thorsten Fabrizi, der seit zwei Jahren als Kantor für die Pfarrsprengel Wollin, Ziesar und Wusterwitz zuständig ist, auch in dieser Feldsteinkirche auf der Orgel musizieren.

Der Gemeindekirchenrat sucht händeringend Unterstützer, Sponsoren und Leute, die Geschick haben Fördertöpfe anzuzapfen, damit die Königin der Instrumente in Wusterwitz wieder erklingt. „2019 zum 860-jährigen Ortsjubiläum wäre schön, wird aber wohl utopisch sein“, überlegt Vorsitzende Ingrid Stenzel. Denn die Kirchenkasse ist leer. Mit dem im vorigen Jahr endlich fertiggestellten Fußboden der Winterkirche, der Rekonstruktion der Glockenanlage und der mit Hilfe von Spendern, Fördermittelgebern, Kommune und Kirche erfolgten umfangreichen Restaurierung der denkmalgeschützten Dorfkirche zur 850-Jahr-Feier, wurden andere Prioritäten gesetzt.

Bisher 850 Euro in der Orgelkasse

Für die Orgel blieb kein Geld übrig. „Bisher haben wir 850 Euro für sie gesammelt“, sagt Ingrid Stenzel. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ins rollen gebracht hat ihn Helga Zibbat. „Weil ich Ur-Wusterwitzerin bin, in diesem Gotteshaus getauft und konfirmiert wurde, jahrelang im Gemeindekirchenrat war und in beiden Kirchenchören singe.“ Die 75-Jährige hatte gelesen, dass das Land für Kirchen mit defekten Orgeln zusätzliche Fördermittel zur Verfügung stellt.

Die zweimanualige pneumatische Orgel mit 17  Registern ist 1904 vom Haldenslebener Orgelbaumeister Hülle gefertigt worden. Ob sie repariert werden kann oder der Erwerb eines gebrauchten Instrumentes sinnvoller wäre, ist noch nicht entschieden. „Das können wir erst, wenn neue Kostenangebote vorliegen“, sagt Pfarrer Holger Zschömitzsch. Eine von seinem Vorgänger Siegfried Lück 2009 bei einer Mecklenburger Orgelbaufirma eingeholte Schätzung belief sich auf 63 000 Euro.

Bewusstsein für Orgelmusik

„Diese Summe dürfte inzwischen deutlich höher sein“, vermutet auch Fabrizi, der in Altbensdorf die „Kleine Orgelmusik“ ins Leben gerufen hat und beim zweiten Konzert am 1. Mai gemeinsam mit dem Leipziger Geiger Michael Spiecker musizieren wird. „Mit dieser neuen Reihe, möchte ich die Orgelmusik wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken“, sagt er. Denn jahrelang lag die Tradition des Orgelspiels im Pfarrbereich brach.

„Ich möchte es noch erleben, dass in Wusterwitz wieder die Königin der Instrumente erklingt“, sagt Helga Zibbat, die nicht locker lassen will. „Denn in unsere wunderschöne Kirche gehört auch eine bespielbares Orgel“, so die Rentnerin. Musik sei eine Sprache, die jeder spricht und die verbindet.

Von Claudia Nack

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