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Reusenknacker sind heute Delikatesse

Briest (Potsdam-Mittelmark) Reusenknacker sind heute Delikatesse

Bei den Wollhandkrabben sind wieder Wandertage angesagt. Die vor gut 100 Jahren eingeschleppten Wasserbewohner wollen über die Havel ihre Laichreviere in der Elbmündung erreichen. Doch nicht alle Tiere schaffen es aus Brandenburg heraus. Sie landen in Kochtöpfen.

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Achtung Scheren: Fischer Lutz Mehlhase mit einer Wollhandkrabbe.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/Briest. Sie sind wieder da. Und waren doch nie weg: Wollhandkrabben. An der alten Plauer Schleuse fotografieren und bestaunen Spaziergänger derzeit ausgewachsene Exemplare, die sich auf den langen Weg zum Ablaichen in Richtung Elbmündung machen. Die ursprünglich im Chinesischen Meer beheimateten Wasserbewohner krabbeln die Mauer der Schleusenkammer empor. Ihr Anblick ist gewöhnungsbedürftig. Ein gepanzerter Körper, zwei große Scheren, sechs behaarte spinnenartige Beine. Als Sympathieträger für das Havelland taugt die vor rund 100 Jahren eingeschleppte Art nicht.

Haarpelz an den Scheren

Wollhandkrabben können auf dem Teller landen. Sie werden aber auch als Angelköder benutzt. Weil die Tiere wachsen, müssen sie von Zeit zu Zeit ihren starren Panzer abwerfen. In diesem Stadium sind die Krabben weich und wehrlos. Für Aale, Barsche und Zander ein Festessen.

Im Land Brandenburg gilt die Chinesische Wollhandkrabbe seit langem als Neubürger (Neozoon) fest etabliert. Verbreitungsschwerpunkte sind Elbe und Havel bis Potsdam. Vereinzelt gibt es Nachweise bis zur Oder. Nach EU-Beschlüssen ist Deutschland zur Zurückdrängung der invasiven Art verpflichtet.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Chinesische Wollhandkrabbe nach Europa eingeschleppt. Die Art ist ursprünglich in China beheimatet. Die Krabbe bekam ihren Namen, weil vor allem die Männchen einen dichten Haarpelz an den beiden Scheren tragen.

Unter Fischern galt die Wollhandkrabbe lange Zeit als Plage. Mit ihren scharfen Scheren richteten die Tiere schon zu DDR-Zeiten große Schäden an Reusen und Netzen an. Gefangene Fische waren dann verloren. „Außerdem sind die Krabben Nahrungskonkurrenten. In den vergangenen Jahren hat es immer wieder ein Auf und Ab in der Population gegeben. Doch im Moment sind mir keine Klagen über ein massenhaftes Auftreten zu Ohren gekommen“, berichtet Ronald Menzel von der Fischereischutzgenossenschaft „Havel“.

Die Zeiten, als Wollhandkrabben unters Schweinfutter gemischt wurden, sind lange vorbei. Berufsfischer wie Lutz Mehlhase aus Briest haben die invasive Art als Einnahmequelle entdeckt. „Asiatische Familien und Gastronomen wissen die Tiere als Spezialität zu schätzen. Was sich in meine Fanggeräte verirrt, kann die Nachfrage aber nicht decken“, berichtet Mehlhase, der sich an den Scheren schon blutige Finger holte. Im Vergleich zu Aal, Wels, Zander und Hecht spielt deshalb die Menge der Wollhandkrabben fürs Geschäft keine große Rolle. Immerhin schaffte es sein Berufskollege Werner Schröder aus Strodehne vor Jahren ins chinesische Staatsfernsehen. Ein Reporterteam hatte den Fischer beim Einholen der in Asien beliebten Delikatesse begleitet.

Wollhandkrabben wollen die alte Plauer Schleusenkammer in Richtung Kanal überwinden

Wollhandkrabben wollen die alte Plauer Schleusenkammer in Richtung Kanal überwinden.

Quelle: Heike Schulze

Die Havelfischer haben sich inzwischen auf die Reusenknacker aus Fernost eingestellt. Wie Lars Dettmann, Geschäftsführer des Brandenburger Landesfischereiverbandes berichtet, halten sich die Schäden durch die Verwendung robusterer Netzmaterialien heutzutage deutlich in Grenzen. Für das Brandenburger Umweltministerium zählt die Chinesische Wollhandkrabbe unverändert zu den gebietsfremden Arten. Und zwar in einer Reihe unter anderem mit Bisamratte, Nilgans, Waschbär, Nutria, Kambakrebs und Riesenbärenklau. Die EU-weit verbindliche Auflistung umfasst 49 Tier- und Pflanzenarten, die die europäische Artenvielfalt bedrohen. Zur Zeit läuft die Öffentlichkeitsbeteiligung zu Managementmaßnahmen, mit dem Ziel diese Arten zurückzudrängen.

Wollhandkrabben für die asiatische Kundschaft

Wollhandkrabben für die asiatische Kundschaft. Das Muskelfleisch gilt in China als Delikatesse.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Neben der längst etablierten Wollhandkrabbe macht sich in der Havel und ihren Seen ein weiterer Einwanderer breit. Es ist die Schwarzmaul-Grundel. Unter Brandenburger Anglern wird diskutiert, ob der aus Südosteuropa stammende Fisch ein Plagegeist oder nützlich für die Sportfischerei ist. Während die Wollhandkrabbe keine natürlichen Fressfeinde hat, schlagen sich heimische Raubfische den Bauch mit Grundeln voll. Deshalb werden sie von Anglern schon als Köderfische genutzt. Und schmecken sollen Grundeln auch.

Von Frank Bürstenbinder

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