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Brandenburg/Havel Richtfest für Seniorenheim am Marienberg
Lokales Brandenburg/Havel Richtfest für Seniorenheim am Marienberg
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02:15 14.07.2017
Beim Richtfest am Marienberg. Quelle: J. Steiner
Brandenburg/H

Die Eisen für die Bodenplatte wurden bei minus zehn Grad Außentemperaturen gebogen, ein acht Meter tiefer Eiskeller war zu verfüllen, die Bagger standen halb versunken im Schlamm – all das konnte den Zeitplan nicht durcheinander bringen: Achteinhalb Monate nach der Grundsteinlegung für das neue Senbiorenheim an der Bergstraße wurde am Dienstag das Richtfest gefeiert. Auch die komplizierte Geometrie des Grundstücks mit dem „Flaschenhals“ direkt an der Straße erschwerte die Zufahrten und das Lagern der Baumaterialien sowie das Abfahren des Bodenaushubes. Das alles haben die Bauleute gemeistert. Selbst die Insolvenz eines Stahllieferanten konnte abgefedert werden.

Doch ausgerechnet die historische Brauerei-Rückwand direkt im Schaft des Marienberges bereitet große Probleme, muss nun aufwendig gesichert werden, damit sie nicht abrutscht. Das werde mindestens zwei Monate Zeitverzögerung mit sich bringen, sagen die Bauherren Nelly Smachtin und ihr Ehemann Gernot Schäfenacker. Der geplante Eröffnungstermin noch in diesem Jahr war ohnehin ambitioniert, nun wird es im kommenden Frühjahr soweit sein.

Für das Bauherrenpaar der Axma Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft ist es die erste Sozialimmobilie, die sie errichten. „Wir möchten den künftigen Bewohnern einen Fünf-Sterne-Hotel-Standard bieten“, sagt Schäfenacker. Die Axma investiere mehr als 14 Millionen Euro. Silvio Plaasch vom Berliner Büro Milkoweit-Architekten hat den Bau entworfen, das Büro ist spezialisiert auf Seniorenheime und andere Sozialimmobilien wie Kindertagesstätten. „Es herrschen hier keine alltägliche Bauparameter, durch die Nähe zum Berg und den begrenzten Platz.“ Dennoch sei er ständig im Bestreben, jede Residenz anders und neu zu gestalten, jeden Bau an die sich ändernden Bedürfnisse seiner Bewohner anzupassen. So wird es beispielsweise kein einzhiges Bewohnerzimmer geben, das zur Nordseite ausgerichtet ist. auch ein zweietagiges Atrium soll für genügend Tageslicht im ganzen Haus sorgen, um eine freundliche und warme Atmosphärte zu erzeugen. Die vier Partnerzimmer seien kleine Appartements mit Wohn-, Schlaf- und Badezimmer. In der als Staffelgeschoss zurückgesetzten vierten Etage wird es eine beschützte Wohngruppe für 21 Menschen geben, die an dementiellen Erkrankungen leiden. Eine Cafeteria im Erdgeschoss steht Bewohnern und Besuchern offen.

Extra aus Paris angereist ist bereits zum zweiten Male Sophie Boissard, sie ist Vorstandsvorsitzende (CEO) der europaweit tätigen Korian Gruppe und Aufsichtsratsvorsitzende des deutschen Ablegers Curanum AG. Im März war sie bei schlechtem Wetter erstmals zu Besuch auf der Baustelle, bei Regen zog sie auch umstandslos ein Paar dreckige Gummistiefel an, die ihr gereicht wurden. Am Dienstag zum Richtfest durften es dann wieder die Pumps sein. „„Alles in der neuen Einrichtung wurde so durchdacht, dass wir unseren Bewohnern die bestmögliche Unterstützung, Hilfe und kompetente Pflege zuteil werden lassen können. Wichtig für das Wohlbefinden älterer Menschen ist jedoch nicht nur eine gute Betreuung, sondern vor allem auch die Integration in ihr lokales Umfeld. Die ausgesprochen gute Lage der neuen Einrichtung wird deshalb einen äußerst positiven Effekt haben“, sagte Sophie Boissard. Die Stadt werde nicht nur mit den neuen Pflegeplätzen bereichert, sondern auch durch das Schaffen neuer Arbeitsplätze. „Wir wollen mit unseren 100 Mitarbeitern und Azubis tagtäglich Nächstenliebe vorleben.“ Außerdem sitzt Frau Boissard dem L’Institut du Bien Vieiilir (Institut für würdevolles Altern) vor, der Forschungsstiftung von Korian. Die Unternehmensgruppe bilde an den meisten ihrer Standorte auch selbst aus, das Heim in Brandenburg an der Havel wird die 720. Einrichtung des Korian-Netzwerkes sein.

Investoren und künftige Betreiber loben die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung – nicht nur in Sachen Grundstücksangelegenheiten, Baurecht oder Wirtschaftsförderung. Hervorgehoben wird besonders, dass es in der Stadt seit zwei Jahren eine Altenpflegeausbildung an der Medizinischen Schule gebe. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann kündigt an, dass sie in den kommenden Wochen alle Träger und Betreiber von Pflegeeinrichtungen zu einer Konferenz einladen wolle. „Wir wollen darüber reden, welchen Bedarf es an Ausbildung gibt, welche Träger sich daran beteiligen wollen und wie wir beispielsweise verhindern, dass sich die Arbeitgeber gegenseitig das Personal abwerben. Schön wäre es auch, einen einheitlichen Standard zu haben“, sagt Tiemann.

Von André Wirsing

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