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Riva Stahlwerker sind in Kurzarbeit gegangen

84 Prozent der Beschäftigten sind betroffen Riva Stahlwerker sind in Kurzarbeit gegangen

Die Riva-Unternehmen BES und HES in Brandenburg/Havel und Hennigsdorf sind zum Beginn des Monats März in Kurzarbeit gegangen. Das bestätigt die Geschäftsführerin Katja Rex. Die Stahlwerker in Brandenburg/Havel sind von der Kurzarbeit wesentlich stärker betroffen als ihre Kollegen in Hennigsdorf. Wesentlich Grund der Misere ist der Preisverfall durch Billigstahl aus China und Weißrussland.

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Bei Riva wurde Kurzarbeit angemeldet.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H.. Das Brandenburger Elektrostahlwerk drosselt seine Stahlproduktion um mehr als 30 Prozent, berichtet Katja Rex, die Geschäftsführerin Personal der beiden Werke in Brandenburg/Havel und Hennigsdorf. 600 der aktuell 713 Beschäftigten in Brandenburg sind von Kurzarbeit betroffen, das sind 84 Prozent. Ihre Arbeitszeit verringert sich dadurch um 20 Stunden in der Woche.

Nicht ganz so gravierend ist die Lage im Hennigsdorfer Werk. Dort sind 173 der 632 Beschäftigten von der Verkürzung der Arbeitszeit betroffen und somit 27 Prozent. Die Produktion dort wird um bis zu 15 Prozent gedrosselt, so dass die Hennigsdorfer Stahl- und Walzwerker sechs Stunden weniger als sonst pro Woche arbeiten.

Zur Kurzarbeit wurden für beide Werke Betriebsvereinbarungen getroffen, die der Beschäftigungssicherung dienen, wie Katja Rex erläutert. Beantragt sind für das BES in Brandenburg sechs Monate Laufzeit, in Hennigsdorf sind es vier Monate, in denen die Arbeitsverwaltung das Gehalt mit Kurzarbeitergeld aufstockt. Die Kurzarbeit betrifft das Stahl- und das Walzwerk mit den zugehörigen Bereichen. Die Weiterverarbeitung ist zunächst nicht betroffen.

Lorenzo Riva

Lorenzo Riva.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Das Werk in der Woltersdorfer Straße ist stärker betroffen, weil der Preisverfall bei dem dort produzierten Baustahl besonders gravierend ist. Hennigsdorf bietet eine größere Produktpalette, die sogenannten Qualitätsstahl einschließt.

Die Nachfrage ist gesunken

Grund der Misere ist nicht etwa eine gesunkene Nachfrage, wie Lorenzo Riva erklärt, der Geschäftsführer des Vertriebsunternehmen Riva Stahl. Wie andere Stahlunternehmen in Deutschland und Europa leidet auch die deutsche Riva-Gruppe vielmehr unter den Billigprodukten, die aus anderen Ländern auf den deutschen und europäischen Markt drängen. „Jede Woche wird es schlimmer“, versichert Lorenzo Riva.

Überproduktion aus China kommt nach Europa

Hauptproblem für die heimischen Stahlproduzenten ist China, das seine massive Überproduktion nach Europa exportiert und zu Dumpingpreisen anbietet. Das geht nach den Worten Rivas nur, weil der chinesischen Staat die eigenen Stahlindustrie massiv subventioniert und der Markt dadurch in eine Schieflage gerät. Denn die Produktionskosten seien in Deutschland wettbewerbsfähiger als in China.

Auch die staatlich subventionierte Stahlbranche in Weißrussland, der Ukraine und Russland machen den anderen Europäern massiv zu schaffen. Lorenzo Riva nennt als Beispiel Walzdraht, wie es in Brandenburg produziert wird. China hat seinen Export von 2014 auf 2015 um deutlich mehr als 1000 Prozent in diesem Segment gesteigert, Weißrussland sogar um fast 2000 Prozent.

Personalgeschäftsführerin Katja Rex

Personalgeschäftsführerin Katja Rex.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Den einzigen Ausweg sehen die deutschen Stahlunternehmen in einer politischen Lösung, so wie sie die Vereinigten Staaten vormachen. Dort werden Billigimporte mit Anti-Dumping-Zöllen abgewehrt, die je nach Produkt zum Beispiel aktuell bei 266 Prozent liegen. Dagegen nehmen sich die 13 bis 16 Prozent der Europäischen Union bescheiden aus.

Kurzarbeit ist bereits der zweite Schritt

Riva in Brandenburg hatte bereits mit Produktionsstillständen etwa zum Jahreswechsel auf die schwierige Situation reagiert. Der zweite Schritt ist nun die Kurzarbeit. „Wenn das so weitergeht, wird es keine Stahlproduktion mehr geben in Deutschland“, warnt Riva. Er versichert aber, dass die Gruppe an den geplanten Investitionen an beiden Standorten festhält.

„Wir wollen nicht nachgeben“, sagt er. Doch die Politik müsse endlich reagieren, damit nicht Arbeitsplätze aus Europa exportiert werden und mit den schlechten Umweltstandards in China Kohlendioxid importiert wird.

1500 Mitarbeiter in Deutschland

Die Riva-Gruppe beschäftigt in Deutschland etwa 1500 Mitarbeiter an den drei Standorten. In Europa sind es fast 6000.

Deutschland ist das Land mit der größten Stahlproduktion in Europa, gefolgt von Frankreich.

Seit Juni 2015 macht sich der Preisverfall auf dem europäischen Stahlmarkt massiv bemerkbar.

Von Jürgen Lauterbach

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