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Brandenburg/Havel Rochow-Särge geben viele Fragen auf
Lokales Brandenburg/Havel Rochow-Särge geben viele Fragen auf
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15:33 07.11.2016
Amelie von Alterauge dokumentiert den Zustand der Gebeine in der Trechwitzer Kirchengruft. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Trechwitz

Es riecht modrig, Scheinwerferlicht fällt auf menschliche Knochen und mumifizierte Leichenteile. An einem offenen Sarg zu arbeiten ist wohl nur für wenige Menschen eine Traumjob. Amelie Alterauge (28) hat dagegen keine Berührungsängste. Im Dienste der Wissenschaft nahm die Anthropologin von der Universität Bern am Wochenende die sterblichen Überreste des Trechwitzer Rochow-Clans in der Kirchengruft unter die Lupe. Keine leichte Aufgabe. Wessen Skelettteile in welchem der noch drei vorhandenen Särge liegen ist nicht mehr nachvollziehbar.

Noch drei uralte Eichensärge sind in der Kirchengruft vorhanden. In ihnen befinden sich Gebeine der Trechwitzer Rochow-Dynastie. Nur die Zuordnung gibt Rätsel auf. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Von den Untersuchungen erhoffen wir uns mehr Klarheit über die Identität der hier bestatteten Personen“, begründete Kirchenältester Kai-Uwe Manzke den Eingriff in die Totenruhe. Vor einem Jahr war das Rochowsche Erbbegräbnis nach Jahrzehnten der Verwahrlosung und Schändung so gut es eben ging wieder hergerichtet worden. Weil nur drei von einst sechs Särgen die Zeiten überstanden haben, mussten bei dieser Gelegenheit etliche Gebeine in die restlichen Holzkisten eingebettet werden.

Viele Jahre zugemauert

Mit Sicherheit sind die Gebeine von Ludolph Ehrenreich von Rochow in der Trechwitzer Kirchengruft bestattet. Er ließ die Barockkirche erbauen. Der Adlige hatte die Gruft für sich und seine Familie als Erbbegräbnisstätte errichten lassen. Er war 1751 der Erste aus seiner Sippe, der darin beigesetzt wurde.

Der Eingang zur Gruft war in den 1980er-Jahren zugemauert worden.Davor war das Gewölbe ein Ort für Mutproben, Partys und blinde Zerstörungswut. Trechwitz war eines der ersten Besitzungen des Klosters Lehnin. Im 17. Jahrhundert ging der Besitz auf Rittmeister Ehrenreich Adolf von Rochow über.

Amelie Alterauge interessierte sich insbesondere für den hinteren Sarg in der linken Grufthälfte. Gezimmert und zusammengefügt mit dreieckig geschmiedeten Sargnägeln für eine offenbar höher gestellte Person aus der Rochow-Dynastie. Darauf deuten auch die reich verzierten Beschläge hin. Die Holzkonstruktion wurde mit einem Innensarg ausgestattet. Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei der bestatteten Person um einen Mann gehandelt haben muss. Es könnte sich um Botho Wiegandt von Rochow handeln, Sohn des 1751 verstorbenen Kirchenstifters Ludolf Ehrenreich von Rochow. Sein Leichnam war auf Hobelspänen gebettet worden. „Die Späne fielen beim Sargbau ohnehin an. Sie sollten die Leichenflüssigkeit aufnehmen“, berichtete die mit einem weißen Schutzanzug und einer Atemmaske ausgestattete Wissenschaftlerin.

Amelie Alterauge vermisst einen Oberschenkelknochen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Vorsichtig entnahm Amelie Alterauge dem Sarg diverse Skelettteile, darunter Wadenbeine, Unter-und Oberschenkel, Becken- und Armknochen. Sie stammen von unterschiedlichen Personen, was der Einbettung aus anderen Särgen im vergangenen Jahr geschuldet ist. Doch was gehört zu wem? Zwar dokumentierte die studierte Archäologin penibel den Zustand und die Größe der einzelnen Gebeine, doch eine hundertprozentige Zuordnung wird wohl nie mehr möglich sein.

Fest steht, dass die Ahnen der Trechwitzer Rochows nicht vor Krankheiten gefeit waren. Ein durchlöchertes weibliches Beckenstück weist auf Osteoporose hin. Ein Übel unter dem möglicherweise Caroline Juliane von Knobelsdorff litt, Botho von Rochows Gattin. Jung muss eine dritte Person verstorben sein, dessen Wadenbein noch in einem Strumpf steckte. Geborgen wurde auch ein Oberschenkelknochen, der nach einem Bruch wieder zusammengewachsen war.

Die Anthropologin fotografiert den Zustand der sterblichen Überreste im Sarg. Quelle: Frank Bürstenbinder

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit über neuzeitliche Gruftmumien wird Amelie Alterauge weitere Recherchen über die Trechwitzer Rochows anstellen. Vorerst bleiben viele Fragen offen. Die Särge sind weder beschriftet, noch sind historische Dokumente über die Bestattungen überliefert. „Es würde uns schon helfen, wenn wir Fotografien über die ursprüngliche Aufstellung der Särge“, so Kirchenältester Manzke. Anhand ihrer Köpfe lassen sich die Verstorbenen jedenfalls nicht identifizieren. Sämtliche Tote wurden ihrer Schädel beraubt. Auch von Grabbeigaben wie Kleidungsstücke, Rüstungen oder Waffen finden sich keine Spuren mehr.

Die Trechwitzer Kirche. Quelle: Frank Bürstenbinder

Bei der Öffnung der Gruft im vergangenen Jahr waren alle Särge aufgebrochen. Knochen lagen kreuz und quer. Es gab jede Menge Müll, Dreck und Schutt. Die Bestatteten hingen aus den Särgen heraus. Einem großzügigen Spender, der anonym bleiben möchte, ist die Wiederherrichtung des Rochowschen Erbbegräbnisses zu verdanken. Inzwischen befinden sich alle untersuchten Gebeine wieder in den Särgen. In der Grabkammer sollen sie nun in Würde für immer ruhen.

Von Frank Bürstenbinder

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