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Rohkunstbau kehrt Roskow den Rücken

Potsdam-Mittelmark Rohkunstbau kehrt Roskow den Rücken

Die angesehene internationale Ausstellung Rohkunstbau wird nicht mehr im Roskower Schloss zu sehen sein. Statt dessen wählte der Veranstalter, die Heinrich-Böll-Stiftung, das Schloss Lieberose dafür aus. Der Vorstand zeigt sich enttäuscht davon, dass es zu wenig Unterstützung für das Projekt in Potsdam-Mittelmark gab.

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Journalisten im Juli 2016 bei der Präsentation der letzten Rohkunstbau-Ausstellung im Schloss Roskow.

Quelle: Marion von Imhoff

Roskow. Die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg kehrt Roskow den Rücken und wird ihre renommierte Rohkunstbau-Ausstellung dort nicht mehr zeigen. Sie hat dafür statt dessen Schloss Lieberose im Landkreis Dahme-Spreewald gewählt. Vier Jahre lang hatte die Stiftung mit ihrer internationalen Kunstschau in den Sommermonaten das Roskower Schloss aus seinem Dornröschenschlaf gerissen und zu einem Magneten für Kunstliebhaber gemacht.

Frauke Havekost, Vorstandsmitglied der Stiftung, schloss am Mittwoch eine Rückkehr nach Roskow aus. Sie begründete diesen Schritt mit fehlendem Zuspruch und Unterstützung der Ausstellung: „Es gab nie das Gefühl des Willkommenseins. Ich finde es schade, dass das Projekt in Potsdam-Mittelmark keine Heimat gefunden hat. Es wäre schön gewesen, wenn die Ausstellung besser in der Region angenommen worden wäre.“ Das Format, zeitgenössischer, politischer und internationaler Kunst habe anderswo mehr Chancen wahrgenommen zu werden.

Inka Thunecke, Geschäftsführerin der Stiftung, sagte: „In den vier Jahren gelang es uns nicht, in Kontakt zu kommen mit der Stadt Brandenburg, obwohl wir nur 15 Kilometer entfernt waren.“

Schloss Roskow vor den Toren der Stadt Brandenburg

Schloss Roskow vor den Toren der Stadt Brandenburg.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Roskows Ortsvorsteher Udo Schultze bedauert den Schritt: „Es ist schade. Rohkunstbau war ein Highlight für Roskow.“ Im vorigen Jahr zog die Schau elf internationaler Künstler zwischen Juli und September 4500 Besucher in das Dorf. Das waren nach offiziellen Angaben 500 mehr als 2015. Im Park und Schloss flanierten die Besucher.

Wer sich in Roskow umhört, erhält ein geteiltes Echo auf den Weggang von Rohkunstbau. „Vielleicht liegt Roskow zu weit ab“, sagt eine 77-Jährige. „Viele konnten mit der Ausstellung auch nichts anfangen, es fehlten Erklärungen. Ich habe nie empfunden, dass sie von den Roskowern besonders gut angenommen wurde. Die Kunst dort war gewöhnungsbedürftig.“ Die frühere Lehrerin arbeitete fast 20 Jahre in dem Schloss, das zu DDR-Zeiten zur Schule gehörte. „Das Schloss liegt mir am Herzen und es war schon schön, den Trubel hier zu haben.“

Es war ein buntes Flanieren Kunstinteressierte im Schlosspark in den vier Sommern von Rohkunstbau in Roskow

Es war ein buntes Flanieren Kunstinteressierte im Schlosspark in den vier Sommern von Rohkunstbau in Roskow.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Doris Ortenburger besuchte Rohkunstbau drei Mal in den vier Jahren. „Es war immer reger Betrieb da, es ist schade, dass die Stiftung Rohkunstbau nicht mehr hier zeigt.“

Künstler und Organisatoren bei der Vernissage der letzten Rohkunstbau-Schau in Roskow

Künstler und Organisatoren bei der Vernissage der letzten Rohkunstbau-Schau in Roskow. Ganz rechts: Schlossherr Bodo Krug von Nidda.

Quelle: VOLKMAR MALOSZYK

An der Kirche schmückt Anita Mielke gerade den Raum für den Seniorennachmittag. „Wir hatten die Kirche an den Wochenenden von Rohkunstbau geöffnet. Aber es hat wenig gebracht.“ Die 74-jährige hat einige Male am Kuchenstand im Schlosspark geholfen, wenn die Schau geöffnet war. „Meist waren Berliner auf der Ausstellung , wenige aus dem Dorf. Ich hatte die Hoffnung, dass das Dorf mehr von der Ausstellung profitieren würde.“

Kunst auch als Ereignis für die Familie, auch das ein Ansatz von Rohkunstbau der Heinricht-Böll-Stiftung

Kunst auch als Ereignis für die Familie, auch das ein Ansatz von Rohkunstbau der Heinricht-Böll-Stiftung.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Schlossherr und Immobilienentwickler Bodo Krug von Nidda hatte das Herrenhaus seiner Familie 2010 wieder in Besitz genommen. Er nahm Mittwoch telefonisch aus den USA Stellung: „Rohkunstbau hat über 10 000 Besucher nach Roskow gelockt.“ Das sei enorm für ein Dorf. „Es war ein tolles Gemeinschaftserlebnis für die Roskower, alle haben an einem Strang gezogen.“

Das Ende von Rohkunstbau in seinem Schloss sei aber auch „eine Befreiung“. Er wolle nun das Herrenhaus für romantische Events vermarkten und könne dafür jetzt das Erdgeschoss umgestalten. „Für Rohkunstbau musste es immer neutral bleiben“, so Krug von Nidda, der sich optimistisch gibt, „ein weiteres Kapitel für das Schloss aufschlagen zu können“.

Die Ausstellung Rohkunstbau

Das Kunstfestival Rohkunstbau, 1994 gegründet, kehrt in den Spreewald zurück, wo es seinen Anfang nahm. Es eröffnet am 1. Juli im Schloss Lieberose. Veranstalter ist die Heinrich-Böll-Stiftung, die internationale Künstler beauftragt, für die Schau Objekte zu schaffen. Finanziert wird das mit Fördermitteln und Stiftungsgeldern.

Der Ansatz von Rohkunstbau ist es, aktuelle gesellschaftliche Themen in zeitgenössischer, internationaler und politischer Kunst aufzugreifen. Das ist das Ziel der Heinrich-Böll-Stiftung als politische Bildungseinrichtung. 2016 waren es Kinderrechte unter dem Titel „Zwischen den Welten – Between the worlds“.

Von Marion von Imhoff

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