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Brandenburg/Havel Rot-weißer Schildbürgerstreich
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02:15 29.10.2017
Vor jedem Haus am Plauerhof eine Baken-Parade.  Quelle: privat
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Brandenburg/H

 Am beschaulichen Plauerhof in Plaue gibt es ordentlich Zoff wegen einer umstrittenen Verwaltungsentscheidung. Dort hat der Bauhof Sickermulden angelegt und diese mit überdimensionierten Warnbaken gesichert, so dass sich die Anwohner mittlerweile auf einer Dauerbaustelle wähnen. Auslöser war die Bitte eines Anwohners, der um sein Haus und sein Büro an der Straße fürchtet. Bei den anderen Anwohnern reicht die emotionale Bandbreite von Fassungslosigkeit bis Zorn: „Es ist nicht schön und ich habe es nicht bestellt“, schimpft Christel Grabow. Ihr Mann Manfred wohne seit seiner Geburt in dem Haus, sie selbst seit 1969. „Wir haben nie eine Überschwemmung erlebt.“ Die Maßnahme sei im Übrigen wirkungslos, weil die Mulden nur 60 Zentimeter tief sind und direkt darunter eine undurchlässige Lehm-Ton-Schicht beginne. „Wie kann der Leiter des Bauhofes nur auf Wunsch eines einzelnen Herrn so viel Geld in die Hand nehmen? Hätte er dies auch für mich getan? Zudem möchte ich die angeblichen Beweisfotos sehen, dass es bei Regen eine große Gefahr gebe“, fordert die Anwohnerin.

Das lehnt der städtische Straßenbauexperte Peter Reck rundweg hab. „Wir lassen uns jetzt nicht auf einen solchen Streit ein. Wir haben uns bemüht, eine verträgliche Lösung für alle zu schaffen. Es ist eine Unterstellung, wenn man behauptet, wir seien nur im Interesse eines Einzelnen tätig gewesen.“ Schließlich habe Familie Grabow zum Verschärfen der Situation beigetragen. „Dafür hätten wir auch ein Verwarngeld für eine Ordnungswidrigkeit erheben können, doch haben wir darauf verzichtet.“

Zur Vorgeschichte: Die Fahrbahn hat keine Straßenabläufe und Versickerungsanlagen, sie ist nach Osten zu den Häusern hin geneigt und hat nach Süden ein ganz geringes Gefälle, über das Regenwasser abläuft. Anwohner hätten teilweise kleine Rampen für ihre Grundstückszufahrten gebaut und damit den Abfluss noch erschwert.

Daraufhin hat der Fachbereichsleiter Bauen Hans-Joachim Freund den Bauhof losgeschickt. „Sowohl für den Neubau als auch für die Unterhaltung von Straßenflächen müssen manchmal einfache Lösungen gefunden werden. Diese sind technisch nicht immer die besten Lösungen, aber zweckdienlich“, gibt Freund in einem Schreiben an die Grabows zu.

Ähnlich argumentiert auch Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) in einer Antwort auf eine Anfrage von Carsten Eichmüller (SPD). Andere Lösungen würden die Finanzkraft der Kommune überfordern, ein Straßenausbau sei mit Anliegerbeiträgen verbunden.

„Das sieht nun aus wie ein Provisorium irgendwo in Sibirien. Der Plauerhof wird auch von Touristen genutzt, die zum Zeltplatz und zum See wollen. Damit blamieren wir uns nur“, hält Eichmüller entgegen. Wenigstens ein Abdecken der kieselgefüllten Mulden mit Platten statt der unansehnlichen Baustellenbaken sollte wohl möglich sein. „Das erfordert hohen technischen Aufwand und erschwert die Reinigungsleistungen“, sagt Scheller.

Von André Wirsing

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