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Brandenburg/Havel Rothirsche auf Kollisionskurs
Lokales Brandenburg/Havel Rothirsche auf Kollisionskurs
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16:06 04.12.2017
Auf Ständern wurde das in der Bagower Heide erlegte Wild zu einer sogenannten Strecke aneinandergereiht. Quelle: Frank Bürstenbinder
Bagow

Der Nervenkitzel begann mit einem leichten Beben, dass sich hörbar verstärkte. Etwas sehr lebendiges walzte sich auf die Treiber zu. „Rotwild von vorn!“, erscholl es durch den Stangenwald, in dem noch der Morgendunst hing. Aufgeschreckt durch den Lärm der Jagdhelfer durchbrach ein ganzes Rudel Hirsche die Menschenkette. Wer jetzt im Wege stand, hätte schmerzhafte Bekanntschaft mit dem König der Wälder gemacht. Der Anblick der massigen Geweihträger, die hochflüchtig durch die Lücken der Treiber drängten, war beängstigend und atemberaubend zugleich. Nach wenigen Sekunden war der Spuk vorüber.

Das Jahresende ist die hohe Zeit der Gesellschaftsjagden.Treiber lenken das beunruhigte Wild zu den Schützen. Das klappt nicht immer. In der Bagower Heide flüchtete ein Rothirschrudel in die falsche Richtung – auf die Jagdhelfer zu.

Dann kam er – der Nachzügler. Nicht zu sehen, aber mächtig zu hören. Mit dem Hufschlag eines galoppierenden Kaltblüters stürzte ein Kapitaler aus der mit Nebelfetzen verhangenen Dickung seinen Artgenossen hinterher. Ein Rothirsch auf Kollisionskurs. Ausgewachsene Tiere können mehrere hundert Kilo wiegen. Also wohin?

Jagdtreiben in mehreren Revieren

Die Bagower Heide ist als wildreiches Revier bekannt. Größere Flächen stehen im Eigentum der Familie von Ribbeck, die das Jagdrecht verpachtet hat. Die Wälder gehören zum Rotwildeinstandsgebiet Westhavelland.

Auch in den Revieren Gortz, Ketzür bis hinüber nach Ribbeck wurde am Wochenende gejagt. Insgesamt auf mehr als 10 000 Hektar. Allgemein wurde weniger Schwarzwild geschossen als im Vorjahr. Dafür mehr Rotwild.

Ein Überangebot an Wildschweinfleisch drückt auf den Preis. Mit Sorge schaut die Branche nach Tschechien. Sollte die Afrikanische Schweinepest auf Deutschland überspringen, kommt der Handel praktisch zum Erliegen.

Dem Autor blieb nur der Sprung hinter eine schmächtige Kiefer, die ihr ganzes Leben noch vor sich hat. Gerade rechtzeitig, bevor der letzte Hirsch des Rudels mit dampfenden Atem am Jagdhelfer vorbeischoss. Für einen Moment setzte das Herz aus, der Schreck in den Gliedern blieb länger stecken. „So etwas haben wir noch nicht erlebt“, waren sich die Treiber um Florian Hahn einig, der seine Gruppe erst wenige Minuten durch die Bagower Heide führte.

Jäger Torsten Hahn hält sich bereit, kommt aber am Ende nicht zum Schuss. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch wenn das Rotwild in diesem Fall den ansitzenden Jägern nicht den Gefallen tat vor ihre Flinten zu laufen, war der aufregende Auftakt zur Ansitzdrückjagd in den Jagdbezirken Päwesin und Riewend ein gutes Omen. „Wild ist da“, hatten die beiden Jagdleiter Hubertus Kühne und Mario Gruber im Morgengrauen den rund 90 Schützen und 50 Treibern versprochen, die sich zur Begrüßung am Sammelplatz Vogelgesang einfanden. Gut sechs Stunden nach der Belehrung konnte die

Treiberführer Florian Hahn (r.) führt seine Gruppe zu einem neuen Standort. Die Bedingungen für die Jagdhelfer waren nicht einfach. Quelle: Frank Bürstenbinder

Jagdgesellschaft mit Gästen aus vielen Teilen Deutschlands eine erfolgreiche Strecke präsentieren: vier Stück Rotwild, 20 Stück Schwarzwild, ein Stück Damwild und sechs Stück Rehwild.

Erstmals ließen die Veranstalter das erlegte Wild nicht auf dem Boden ablegen, sondern in Reih und Glied an aus Lärchenholz gezimmerten Ständern aufreihen, was mit einer besseren Fleischhygiene begründet wurde. Nebenbei erleichterte die Aufhängung des Schwarzwildes die Arbeit der Päwesiner Tierärzte Katrin und Hans-Ulrich Seidel bei der Probenentnahme für die obligatorische Trichinenuntersuchung.

Den einzigen Rothirsch des Tages streckte Burkhardt Leitinger. Der Schütze aus dem Sauerland gehört zu den Stammgästen, wenn die Päwesiner zum jährlichen Höhepunkt eines Jagdjahres blasen. Sein Sechsender brachte 93 Kilo auf die Waage. Den weitesten Weg in die Bagower Heide nahmen Walter Moser und Felix Riefler aus Salzburg auf sich. Moser erlegte zwei Wildschweine, die in seinem österreichischen Hausrevier nicht heimisch sind. Andere Schützen ließen den Hahn in Ruh, wie Maria Stoppa aus Berlin. Sie hatte zwei Böcke im Visier, doch die Jägerschaft entschloss sich zur Schonung des männlichen Rehwildes. Bei Verstößen wären 50 Euro in die Jagdkasse fällig gewesen.

Walter Moser aus Salzburg war mit zwei Stück Schwarzwild erfolgreich. Quelle: Frank Bürstenbinder

Nach dem Schüsseltreiben, für das Jörg Holstein vom Partyservice aus Karow 170 Portionen Erbsensuppe mit Bockwurst zubereitet hatte, dankte Jagdleiter Kühne nicht nur den fleißigen Helfern aus der eigenen Familienküche, die sich um das Frühstück für die Jagdgesellschaft kümmerten.

Gewürdigt wurde insbesondere der Einsatz der Treiber, die in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen durch das Unterholz stolperten, um das Wild aus der Deckung zu drücken. Die Spuren von Orkantief Xavier sind noch überall zu sehen. Der Waldboden ist übersät mit glitschigem Astwerk. Umgestürzte Stämme mussten überstiegen, Baumkronen umgangen werden. Dafür gab es hautnahe Anblicke von Rotwild, wie sie mancher Jäger gern gehabt hätte.

Von Frank Bürstenbinder

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