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Ruhen oder reden? Zoff in der Sauna

Marienbad in Brandenburg Ruhen oder reden? Zoff in der Sauna

Im Marienbad in Brandenburg an der Havel hängt der Saunasegen schief. Zwei Fraktionen sitzen sich vor allem an Freitagabenden auf engstem Raum unversöhnlich gegenüber: die Dampfplauderer und die stillen Genießer. Der Streit eskalierte im März. Darauf musste der Leiter des Bades nun reagieren.

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Beine hoch und in Ruhe genießen, das ist nicht in jeder Sauna möglich.

Quelle: Michael Hübner

Brandenburg/H. Im Marienbad hängt der Saunasegen schief. Zwei Fraktionen sitzen sich vor allem an Freitagabenden auf engstem Raum unversöhnlich gegenüber: die Dampfplauderer und die stillen Genießer. Im März sprach Marienbadleiter Jens Grosser ein Machtwort: Ruhe geht vor. Ein Sturm der Entrüstung ist die Folge.

Es geht um die heißesten zehn Minuten in der finnischen Sauna des Marienbades. Jene kurze Zeitspanne, in der es voll und voller wird auf den wenigen Quadratmetern des Schwitzbades. Die Momente, in denen sich auf den Holzbänken die Plätze füllen und unbekleidete Menschen ganz nah aneinander heranrücken müssen, damit jeder Platz für den folgenden Aufguss findet. Kurz bevor der Saunameister naht, Öl ins Feuer gießt und das Handtuch schwenkt, und damit die Schweißperlen aus den Poren lockt.

Alltag aus und nackt drauf losquatschen

Der Aufguss in der Finnischen ist der ultimative Kick für die Saunagänger. Vor allem an Freitagabenden, aber auch mittwochs und sonntags trifft sich dort in den Abendstunden „das alte Brandenburg“: Männer, die sich seit Jahren kennen, die Hüllen des Alltags fallen lassen und drauf losquatschen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Diese eingeschworene Runde genießt das lärmbehaftete Miteinander, sucht bei mehr als 100 Grad Celsius Entspannung nicht nur für den Körper, sondern auch für den sprudelnden Geist. Da wird es laut und lauter, von einem Ende wird einander quer durch die Sauna etwas zugerufen, was dann alle Saunagäste zwangsweise mit anhören müssen.

„Das ist wie Karneval, in der Sauna sind alle gleich“, erklärt der Unternehmer Oliver Windeck, der das Freitagsritual seit seiner Kindheit kennt, als damals noch in der alten Stadtbadsauna ähnliche Männerrunden zusammen schwitzten, der Parteisekretär mit dem Handwerker über Gott und die Welt flachste und Trabbis in schweißtreibender Stimmung den Besitzer wechselten.

Interessenkonflikt eskaliert in der Sauna

Oliver Windeck war allerdings nicht dabei, als es der Interessenkonflikt am Aufgussofen an einigen Freitagen im März eskalierte, sich ruhebedürftige Gäste den Lärm nicht länger bieten lassen wollten, den Ohrenzeugen als Volksfestatmosphäre oder auch als „unerträglichen Affenzauber mit Dummquark“ beschreiben.

Rechtsanwalt Simon Daniel Schmedes, der mit einer Sauna Ruhe und Genuss verbindet, berichtet von einem laminierten Schild mit der Aufschrift „Kommunikationssauna“, das die Freunde des fröhlichen Schwitzens und Schwätzens außen an die Tür gehängt hätten. „Wir sind das Volk!“, soll ein Saunagast gerufen haben, als sich ruhebedürftige Marienbadbesucher neben ihm beklagten. Daraufhin entgegnete eine Dame: „Ist das eine Kneipe hier?“

Wer es zünftig mag, weist solche Zeitgenossen gern auf die „Ruhesauna“des Marienbades im Neubau nebenan hin. Doch für echte Saunagänger ist die Alternative uninteressant. Dort gibt es nur wedelfreie Aufgüsse und beileibe nicht den Kick wie in der finnischen Sauna. „Nur dafür geht man dort hin“, sagt eine Besucherin. Zumal der Klimamanager im Neubau nicht mal richtig funktioniert.

Marienbad-Leiter reagiert auf Beschwerden

Bei Marienbad-Leiter Jens Grosser sind gerade in den vergangenen Wochen immer wieder Beschwerden eingegangen, so dass er reagierte. Die Männer und Frauen mit den wedelnden Handtüchern sollen auf die Gäste einwirken, dass sie während des Aufgusses einigermaßen ruhig bleiben. „Wir wollen niemandem den Mund verbieten, aber der Lautstärkepegel muss nach unten“, sagt Grosser. Ihm ist dabei klar, dass er es nicht allen Gästen recht machen kann.

Das Schlimmste, was dem Marienbad passieren könnte, wäre, dass die schwitzende Lärmfraktion, die in der Regel die 250 Euro teuren Stammkundenkarten kauft, sich nun zurückzieht. Entsprechende Drohungen wurden geäußert. Das wäre ein wirtschaftlicher Verlust für den Betrieb, der jetzt schon auf Zuschüsse aus der Stadtkasse angewiesen ist.

Von Jürgen Lauterbach

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