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SPD, Linke und Grüne wollen Jan van Lessen

Vakanter OB-Posten in Brandenburg an der Havel SPD, Linke und Grüne wollen Jan van Lessen

Die Ära von Dietlind Tiemann (CDU) als Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel hat am Sonntag nach fast 14 Jahren ein Ende gefunden. Nun gilt es, einen Nachfolger zu finden. SPD, Linke und Bündnisgrüne werden bei der Wahl – voraussichtlich im Frühjahr 2018 – mit einem gemeinsamen Kandidaten an den Start gehen. Sein Name: Jan van Lessen.

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Weiß gut auch mit heißen Dingen umzugehen: Jan van Lessen (l.) am Steinbackofen in Hohenferchesar.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Brandenburg/H. Die Ära von Dietlind Tiemann (CDU) als Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel hat am Sonntagabend nach fast 14 Jahren mit ihrem Einzug in den Deutschen Bundestag ein Ende gefunden. In spätestens vier Wochen konstituiert sich der Bundestag, dann ist ihre Amtszeit offiziell vorbei. Ein ganzer Jahresurlaub für Tiemann steht bis dahin noch aus, heißt es aus der Verwaltung. Gleichwohl stehen eine Reihe Termine und Reisen im Arbeitskalender. Nun trifft Tiemanns Abgang keine Seite überraschend oder unvorbereitet.

Ein Parteiloser überzeugt drei Parteien

Bereits am Wahlabend wurde klar: SPD, Linke und Bündnisgrüne werden bei der Oberbürgermeisterwahl – voraussichtlich im kommenden Frühjahr – mit einem gemeinsamen Kandidaten an den Start gehen. Wie die MAZ erfuhr, hat sich der parteilose Brandenburger Jan van Lessen bereit erklärt, als gemeinsamer Kandidat der drei Parteien seinen Hut in den Ring zu werfen. Auf Nachfrage der MAZ wollte Jan van Lessen dies weder bestätigen noch dementieren. Er verwies auf einen Pressetermin am Dienstag, bei dem er sich erklären werde.

Bankangestellter und in der Packhof-Initiative

Van Lessen (62) ist ebenso alt wie Dietlind Tiemann und war viele Jahre in leitenden Funktionen in der Commerzbank in Berlin tätig. Er lebte über zwei Jahrzehnten in Tickow und hatte sich jetzt in der Brandenburger Innenstadt Wohnraum gekauft. Er ist überdies im Kuratorium der Stiftung Gollwitz tätig. Seine Frau leitet das Brandenburger Amtsgericht. In der zurückliegenden Zeit hatte van Lessen als einer der Köpfe der Packhof-Initiative von sich Reden gemacht, war dort aber nicht als Scharfmacher aufgefallen. Gleichwohl lehnt er die Hotel-Pläne Tiemanns ab.

Entscheidungen noch nicht gefallen

Wie die MAZ bereits vor Monaten berichtete, laufen die Gespräch über und mit van Lessen zwischen Grünen und SPD bereits seit geraumer Zeit. In den zurückliegenden Wochen hatten Grüne und SPD auch die Linken mit ins Boot geholt. Linken-Fraktionschef René Kretzschmar verwies ebenso wie die Fraktionschefin der SPD Britta Kornmesser am Montag darauf, dass man den Parteien einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren und für diesen werben wolle. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen, gleichwohl finde der Vorstellungstermin am Dienstag aber statt.

Holzschuher will nicht ins Rennen

In der CDU dürfte die Personalie zumindest für Erstaunen sorgen. Dort gingen noch Sonntag viele davon aus, die SPD werde mit ihrem Vorsitzenden Ralf Holzschuher ins Rennen gehen. „Ich halte das aber nicht für gut“, sagt Holzschuher. „Wir brauchen in unserer Stadt einen Neuanfang mit einer unverbrauchten Person an der Spitze, der es um Inhalte und ein Miteinander zum Wohle unserer Stadt gehe.“ Er selbst würde sich den Job schon zutrauen, sehe aber ein, dass er nach so vielen Jahren in der Politik kaum für einen Neuanfang stehe. Er sehe sein Betätigungsfeld jetzt und in der Zukunft im Potsdamer Landtag.

CDU wohl mit Steffen Scheller

Damit dürfte klar sein, wer um den OB-Sessel im Rathaus kämpft. Wiederholt hatte Dietlind Tiemann erklärt, dass sie ihren Bürgermeister Steffen Scheller inzwischen für fähig halte, ihren Platz einzunehmen. Der zweite CDU-Beigeordnete Michael Brandt war als potenzieller Nachfolger bereits aus dem Rennen geschieden, nachdem er sich mit Tiemann wegen deren Führungsstils überworfen hatte.

Geschickt hatte Tiemann sogar die Kanzlerin Angela Merkel bei deren Auftritt im Wahlkampf vor ihren Scheller-Karren spannen können. Merkel sprach sich in der Folge öffentlich für Steffen Scheller als Tiemann-Nachfolger aus. Der steht, wie er der MAZ bestätigte, auch als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl zur Verfügung, verweist aber darauf, dass er von der Partei dafür nominiert werden müsse.

Konsens statt Streit

Grünen-Fraktionschef Klaus Hoffmann, der als einer der Väter der van-Lessen-Lösung gilt, nahm dessen Namen Montag nicht in den Mund. Doch er ist überzeugt: „Wir wollen Konsens statt Streit.“ Der Kandidat, den man dafür aufbiete, könne dafür ebenso stehen wie dessen Gegenkandidat „Steffen Scheller, der ja vernünftige Ansätze gezeigt hat und sich jetzt nur von Tiemann freischwimmen muss.“

„Wir wollen kein ’weiter so’,“ sagt Kornmesser mit Blick auf die CDU. Es müsse machbar sein, nach Tiemanns Weggang wieder zu einer gemeinsamen Arbeit für die Stadt zurück zu finden. Aus den Reihen der CDU hätten ihnen, wie Kornmesser und Hoffmann sagen, eine ganze Reihe Stadtverordnete signalisiert, dass man zu einer vernünftigen Form der Zusammenarbeit zurückfinden wolle. Rechnerisch notwendig wäre das gegenwärtig aber nicht. Die CDU verfüge zusammen mit der AfD und den Büfübüs über eine Mehrheit in der SVV. Für René Kretzschmar ist das kein Problem: Die nächste SVV-Wahl werde diese Mehrheit kippen, ist er überzeugt. Und auch an der Rathausspitze brauche man ein ganz neues Gesicht. Denn „mit Steffen Scheller wäre das doch nur eine Fortsetzung des Systems Tiemann.“

Von Benno Rougk

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