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Brandenburg/Havel Sabrina Jung und die Kunst der Bildveränderung
Lokales Brandenburg/Havel Sabrina Jung und die Kunst der Bildveränderung
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19:30 16.04.2018
Sabrina Jung bei der Arbeit am Computer: Die digitale Bildbearbeitung ist für die Künstlerin eine wesentliche Grundlage ihres Schaffens. Quelle: Ina Schidlowski
Brandenburg/H

Große Porträts hängen an den Wänden über dem Arbeitsplatz. Die Schwarz-Weiß-Fotografien im Atelier der Künstlerin stammen eindeutig nicht aus der heutigen Zeit. Sabrina Jung hat zahllose antiquarische Porträt-Aufnahmen aus der Zeit um 1900 bis 1960 gesammelt. Aus diesem Material hat sie markante, dominante Frauentypen, mit eher maskulinen Gesichtszügen ausgewählt und sie vergrößert. „Gesichter finde ich spannend“, sagt die Künstlerin, deren forschender Blick genau beobachtet und nicht ausweicht.

Die Fotokünstlerin aus Brandenburg an der Havel bearbeitet auf vielfältige Weise die Bilder, gibt ihnen ihre Note.

Mit der Vergrößerung habe sie ein Eins-zu-eins-Gefühl erzeugen wollen, erläutert sie. So als stehe man dieser Person gegenüber. „Die Idee entwickelt sich durch das Betrachten.“ Dem herben Charme der einzelnen Personen hat sie eine zarte feminine Note hinzu gefügt und damit den Bruch im Bild heraus kristallisiert, der sie so sehr interessiert.

„Ganz am Anfang habe ich mit echtem Make-up gearbeitet“, berichtet sie und dass sie nun Ei-Tempera-Farben benutze, um die Fotos zu kolorieren. Die Serie dieser großformatigen Porträts nennt sie „Woman“, weil ihr das darin enthaltene Wortspiel, das „Man“ in „Woman“ passend erscheint. Mit der dezent, gezielt eingesetzten Farbe verdeutlicht sie nicht nur diesen Gegensatz, sie holt diese schwarz-weißen Unbekannten gleichzeitig aus der Vergangenheit, ins Hier und Jetzt.

Mit dem Schminken das Weibliche betonen

„Ich möchte mit dem Schminken das Weibliche betonen, aber nicht so perfekt“, sagt sie, während ihr Blick auf den Bildern an der Wand ruht. Weil es sich nicht um Menschen der heutigen Zeit handelt, man keinen Bezug zu ihnen hat, können ihre Gedanken frei sein. „Ich kann etwas eigenes hinein projizieren“.

Das Interesse am Porträt begann für Sabrina Jung vor zehn Jahren. Sie wollte nicht nur mit dem Fotoapparat arbeiten, sondern etwas mit den Händen machen. In ihrer Serie „Masken“(2009-2011) hat sie jeweils aus zwei alten Schwarz-Weiß-Fotos eins gemacht. Dabei mal die Augen-, mal die Mund-Nasen-Partie ausgetauscht.

Geschlechterrollen hinterfragen

Auch hier experimentiert sie mit männlichen und weiblichen Merkmalen, fügt sie neu zusammen, gibt der jeweiligen Person einen ganz anderen Charakter und hinterfragt damit die Geschlechterrollen.

Über 200 Collagen sind so entstanden. Hier arbeitet sie jedoch mit den Originalen. Eine besondere Herausforderung, da es sich ebenfalls um historische Aufnahmen handelt, die, sehr kleinformatig, einer Miniaturarbeit gleichkommen.

„Ich habe schon immer fotografiert“

Als Teenager habe sie bereits Fotokurse besucht, berichtet die 1978 in Neuss geborene Künstlerin und sagt: „Ich habe schon immer fotografiert“. Sie lernte zuerst Mediengestaltung, bis jemand zu ihr sagte: „Du musst unbedingt Fotografie studieren“. Im Jahr 2001 begann sie ihr Studium an der Folkwang-Universität der Künste in Essen, das sie 2007 mit einem Diplom in Fotografie abschloss.

„Ich benutze hauptsächlich Digitalfotografie“, sagt Sabrina Jung und dass sie nicht unendlich viele Bilder mache. „Wenn ich mein Bild habe, dann höre ich auf.“ Doch eigentlich fotografiere sie sehr wenig, berichtet die sympathische, natürliche Künstlerin, die mit Mann und Kind in Brandenburgs Innenstadt am Packhof wohnt.

Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen

Sabrina Jung, geboren 1978 in Neuss (Nordrhein-Westfalen), lebt und arbeitet in Brandenburg an der Havel und Bahnitz (Havelland).

An der Folkwang-Universität der Künste in Essen studierte sie von 2001 bis 2007.

Ein Erasmus-Stipendium führte sie 2005 und 2006 an die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich.

Seit dem Jahre 2005 beteiligt sie sich an nationalen und internationalen Ausstellungen unter anderem in Berlin, München, Düsseldorf, Essen, Neuss, Nürnberg, Köln, Chemnitz, Zürich (Schweiz), Bornholm (Dänemark), Rouen (Frankreich), Antwerpen (Belgien) und Rotterdam (Niederlande).

In diesem Jahr ist sie nominiert für den Brandenburgischen Kunstpreis.

Die Ausstellung dazu ist im Schloss Neuhardenberg vom 2. Juli bis 2. September zu sehen.

Bei Ausflügen oder Reisen habe sie jedoch gezielt die Kamera dabei und auch Fotospaziergänge mache sie gerne. Und sie räumt ein: „Man muss die Kamera nicht perfekt beherrschen. Auf der Suche nach dem perfekten Foto kann man ein Bild auch tot fotografieren, so dass es keine Seele mehr hat.“

Die Fotobearbeitung gehört für sie natürlich dazu. Spielt sie doch gerade mit den Möglichkeiten dieser Technik, um neue, ihre Bilder entstehen zu lassen. „Doubleshots“ nennt sie die Bilder, bei denen sie zwei Fotos am Computer übereinanderlegt. Ähnlich der Doppelbelichtung, die man aus der Analogfotografie kennt.

Perfekt komponierte Momentaufnahmen

Um die entsprechende Wirkung zu erzielen, sei eine Nachbearbeitung sehr wichtig. Das ist auch in der Reihe „Aussichten“ so. Ob Aufnahmen vom Wogen des Meeres, der Blick durch ein geöffnetes Fenster auf den Baum davor oder das Bild des Pinguinhauses, die großformatigen Werke wirken wie perfekt komponierte Momentaufnahmen und verblüffen durch ihre Dynamik und die enorme Leuchtkraft der Farben.

Einem ganz sensiblen Thema widmet sich Sabrina Jung mit ihren Arbeiten unter dem Titel „Touched Post Mortem“. Früher habe es die Tradition gegeben, die Verstorbenen noch einmal zu fotografieren. Nur wenige solcher Schwarz-Weiß-Aufnahmen lassen sich finden. „Es sieht aus, als wenn sie schlafen“, sagt Sabrina Jung und dass sie die Bilder vergrößere und sie dann mit der Hand berühre.

Die Geste eines intimen Momentes

Darauf sei Tusche, damit die Berührung sichtbar wird. „Es geht mir um den Abschied, das Nicht-mehr-berühren-können der Verstorbenen und auch um die Angst, einen Toten zu berühren“. Der Handabdruck stellt die Geste eines intimen Momentes dar.

Gegenwärtig sind Arbeiten der Künstlerin in einer Gemeinschaftsausstellung im Kunsthaus Erfurt unter dem Titel „The Female Gaze – On Body, Love, and Sex“ zu sehen. Ab dem kommenden Monat wird unter dem selben Titel ebenfalls eine Gemeinschaftsausstellung in der Studiogalerie vom Haus am Lützowplatz in Berlin eröffnen, in der weitere Werke von Sabrina Jung zu finden sind.

„Sehnsucht nach Landschaft“ heißt die Ausstellung in der Kunsthalle Bahnitz, die im Rahmen des Offenen Ateliers am 5. Mai eröffnet wird, an der sich Sabrina Jung ebenfalls beteiligt.

Von Ina Schidlowski

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