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Brandenburg/Havel Schach für Flüchtlinge: Zug um Zug zum Ziel
Lokales Brandenburg/Havel Schach für Flüchtlinge: Zug um Zug zum Ziel
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02:16 11.12.2015
Neue Herausforderung Ghidali Vaideslaver (li.) während einer Unterrichtsstunde mit Hajar Jafari aus Afghanistan und ihrer Deutschpatin. Quelle: Melanie Höhn
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Brandenburg an der Havel

Ghidali Vaideslaver steht auf und schwankt hin und her, will damit einen älteren Herr mimen, der Gehprobleme hat. „Der König ist alt“, sagt er zu Hajar Jafari. Er möchte der jungen Frau, die vor vier Monaten aus Afghanistan nach Deutschland floh, zeigen, dass diese Figur keine großen Sprünge machen kann. Mit Händen und Füßen bringt er ihr Schach bei. „Das ist mein Feld, das ist deins“, gibt er ihr unmissverständlich zu verstehen. Und los geht es.

Hajar versteht es schnell

Jeden Freitagnachmittag baut der 67-Jährige in der Bibliothek im Flüchtlingsheim in der Flämingstraße seine drei Spielbretter auf und wartet darauf, seinen Sport weitergeben zu können. „Der Läufer geht nur schräg“, erklärt er Hajar und sie versteht es schnell. Seit vier Monaten wohnt die 25-Jährige mit ihrem Mann Hamid und ihrem Schwager Saray Safdar-Ali in dem Wohnheim. Ihre Mutter und drei Schwestern sind in Halle untergebracht, in ein paar Wochen wollen sie sich besuchen.

Sie hat schon ein wenig Deutsch gelernt

Ghidali Vaideslaver nimmt den weißen Turm und führt ihn nach links zum König. „Den kann man nicht schlagen“, macht er Hajar klar, die in ihrem Heimatland als Friseurin arbeitete. Sie ist froh, den Krieg und die Gewalt dort nicht mehr erleben zu müssen. Inzwischen hat sie schon ein bisschen Deutsch gelernt, doch durch die Gesten auf dem Spielfeld und die wiederholenden Worte ihres Schachlehrers versteht sie den Sinn des gerade Gelernten noch besser. Die beiden lachen viel.

Auch ihre neue Deutschpatin, Sophie Neuberger, sitzt daneben und beobachtet die Fortschritte der Afghanin. Die 26-Jährige hatte sich beim Flüchtlingsnetzwerk Brandenburg gemeldet und studiert Digitale Medien an der Fachhochschule Brandenburg. Sophie möchte regelmäßig zu Besuch kommen und Hajar Deutsch beibringen.

„Dieses Spiel ist Schach Matt“

„Jetzt bist du an der Reihe, dein Zug“, fordert Ghidali Vaideslaver die junge Frau auf. „Mache langsam. Wenn du gut überlegst, wird der Zug gut.“ Der 16-Jährige Saray Safdar-Ali beobachtet die erste Schachstunde seiner Schwägerin. Er hatte bereits Übungsstunden bei dem gebürtigen Moldawier. „Dieses Spiel ist Schach Matt. Wer hat nun gewonnen, weiß oder schwarz? “, fragt er Hajar. „Schwarz“, sagt sie, und am Ende des Spiels geben sich beide die Hand. „Noch zwei oder drei Tage üben wir mit anderen Figuren, dann kannst du schon ganz alleine spielen.“

In seinen Stunden erklärt er seinen Schülern viele Redewendungen und Wörter wie Turm, Springer, Läufer, Dame oder Bauer. „Für die Sprache ist das Spiel sehr gut“, ist der Schachprofi überzeugt. „Und ich bringe meine Schützlinge zum Nachdenken.“

Auszeichnung für ehrenamtliches Engagement

Schon vor zehn Jahren begann die Flüchtlingsarbeit von Ghidali Vaideslaver, als er in Eisenhüttenstadt Schach unterrichtete. Im Jahr 2005, fünf Jahre nach seinem Umzug nach Brandenburg an der Havel, gründete er den Sportverein Olga, benannt nach seiner Tochter. „Alle Kinder sollten aufsehen zu Olga“, sagt er – sie ist inzwischen 30 Jahre alt, als Jugendliche nahm sie an Europa- und Weltmeisterschaften teil und wurde 2003 Deutsche Meisterin in der Altersklasse U18.

Olga arbeitet heute als Optikerin in einer Filiale in Potsdam und ist vor einiger Zeit Mutter geworden. Sein Sohn Albert ist heute Großmeister im Schach. Anfang Dezember wurde Ghidali Vaideslaver von Dietlind Tiemann für sein großartiges ehrenamtliches und integratives Engagement ausgezeichnet.

Von Melanie Höhn

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