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Schauspielerin schaut Steinmeier auf die Finger

Natalia Wörner im MAZ-Interview Schauspielerin schaut Steinmeier auf die Finger

Die Schauspielerin Natalia Wörner (48) ist am 30. Oktober in Brandenburg an der Havel zu Gast und stellt ihren neuen Film „Die Diplomatin“ erstmals der Öffentlichkeit vor. In Vorbereitung der Diplomaten-Reihe hatte Wörner unter anderem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei einer Auslandsreise begleitet.

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Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), die Schauspielerin Natalia Wörner und der deutsche Botschafter Georg Witschel nehmen bei einer Hafenrundfahrt in Jakarta.

Quelle: dpa

Brandenburg an der Havel. Die Schauspielerin Natalia Wörner (48) ist am 30. Oktober in Brandenburg an der Havel zu Gast und stellt hier im Rahmen einer Veranstaltung des Kulturvereins ihren neuen Film „Die Diplomatin“ erstmals der Öffentlichkeit vor. In Vorbereitung der Diplomaten-Reihe begleitete Natalia Wörner Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei einer Auslandsreise und folgt nun seiner Einladung, den ARD-Film, der erst am 14. November ausgestrahlt wird, hier vorab im Concerthaus-Kino zu zeigen.

Frau Wörner, Wie kam es zu der Zusammenarbeit des Außenamtes und ihnen im Vorfeld des Films „Die Diplomatin“?

Natalia Wörner: Das Außenamt hat mir angeboten, Herrn Steinmeier ins Ausland zu begleiten. Das war grandios und ich bin ihm sehr dankbar. So konnte ich in die reale Welt der Politik eintauchen und mich auf meine Rolle vorbereiten.

Ist es denn üblich, dass Schauspieler Politikern bei ihrer Arbeit auf die Finger sehen dürfen?

Wörner: Wohl nicht. Und in der Regel ist das Niveau von Filmen über Politik in Deutschland ja auch eher traurig. Da entstehen dann eigenartige Komödien oder satirische Filme, die irgendwie immer schief gehen. Umso glücklicher war ich, als es hieß, ich dürfe den Außenminister begleiten und ich würde inhaltlichen Input über das Außenamt bekommen.

Hat denn Herr Steinmeier den Film schon gesehen, oder wird ihn überraschen, was er in Brandenburg zu sehen bekommt?

Wörner: Im Rahmen einer ganz kleinen privaten Vorstellung in der Villa Borsig hat Herr Steinmeier den Film schon gesehen. Und er war angetan, glaube ich. Er reagierte so positiv! Und das, obwohl das ja kein Heldenepos oder ein Werbeclip für das Außenamt ist.

Und dann lud er Sie nach Brandenburg ein?

Wörner: Ja. Mich nach Brandenburg einzuladen, war eine sehr schöne Geste und sehr wichtig für mich. Und das mache ich natürlich sehr gern. Es gab ein paar logistische Probleme und der Sender hat kurz gezögert – dann aber doch gerne mitgemacht.

Waren sie schon einmal in Brandenburg an der Havel?

Wörner: Nein, noch nie. Insofern ist das am 30. Oktober eine doppelte Premiere für mich.

Wie oft werden wir Sie als Karla Lorenz im Auftrag des Außenministeriums in der ARD sehen?

Wörner: Das kann man noch nicht sagen. Ich drehe jetzt ab November den zweiten Teil ab. Das sind geschlossene Spielfilmhandlungen. Und wie das weitergeht, hängt auch vom Erfolg der Erstausstrahlung ab, die vom ursprünglichen Sendetermin am Donnerstag jetzt auf die beste Zeit am Samstagabend verlegt wurde. Da entsteht natürlich für alle Seiten ein hoher Druck. Wenn die Akzeptanz stimmt, sind sicher zwei weitere Teile pro Jahr vorstellbar. Ich kann mir gut vorstellen, ein paar Jahre mit der Figur der Karla Lorenz zu gehen.

Deutsche Politik galt ja lange als unverfilmbar. Was hat sich jetzt geändert, dass sie eine Diplomatin spielen können?

Wörner: Ich glaube, wir müssen generell den Fokus stärker auf die Politik richten. Und die Gesellschaft muss sich dazu erziehen, sich mehr einzubringen. Die ganzen Krisen der zurückliegenden Jahre sorgen zunehmend für eine Politisierung der Menschen. Und dafür am Beispiel des Films deutlich zu machen, wie komplex die Themen sind, die da eine Rolle spielen, halte ich für sehr gut. Vordergründig geht es in dem ersten Teil um eine Entführung in Manila. Dann wird klar: Dahinter stecken auch Schmuggel und Export von Waffen. Da sind Politik und Diplomatie gefragt, auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht sieht.

Meinen Sie wirklich, dass die Menschen am Fernseher noch mehr Politik wollen?

Wörner: Ich bin da vielleicht nicht objektiv, denn ich bin ein sehr politischer Mensch. Mein Bedürfnis ist groß, mich den politisch relevanten Themen zu stellen. Insofern kann ich nicht für Millionen reden. Aber mit Blick auf die komplexen politischen Themen die wir anschneiden, bin ich sicher: Das kommt an! Ich habe da ein sehr gutes Gefühl.

Nun ist ihre Diplomatin ja eine Einzelkämpferin. Ist denn Diplomatie nicht eher ein Mannschaftssport?

Wörner: Selbstverständlich. Und das durfte ich bei der Reise mit Herrn Steinmeier und seinem Stab ja auch erleben. Aber solche Figuren wie Karla Lorenz gibt es auch. Wenngleich sie als moralisch integere Heldin mit eigenem Kopf fiktional sicher überhöht ist.

Sie haben in einem Interview mal gesagt, Politiker müssten sich auch mal die Finger schmutzig machen. Was meinen Sie damit?

Wörner: Das war vielleicht etwas drastisch. Politik muss schon transparent sein. Aber es ist doch klar: Im Falle einer Entführung redet man mit Verbrechern. Was man da aushandelt, also welche Bedingungen für die Freilassung gelten, das wird selten öffentlich. Schon um keine Trittbrettfahrer anzulocken. Und wenn sich in einem anderen Fall Herr Steinmeier und Herr Putin treffen, dann spiegelt das Bild für die Fotografen vielleicht auch nicht die Verhandlungen wieder, bei denen jeder der beiden ja einen anderen Wunschzettel hatte.


Info: Die Premiere des Films „Die Diplomatin – Entführung in Manila“ beginnt am 30. Oktober um 19.30 Uhr im Concerthauskino in der Steinstraße in Brandenburg an der Havel. Die Vorstellung ist ausgebucht. Die Hauptdarstellerin Natalia Wörner und Frank-Walter Steinmeier als Vorsitzender des Brandenburger Kulturvereins nehmen an der Vorstellung teil. Die vorbestellten Karten müssen bis spätestens 19.15 Uhr abgeholt sein und werden sonst an Wartende vergeben.

Von Benno Rougk

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