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Brandenburg/Havel Schlacht der Worte am Straßenrand
Lokales Brandenburg/Havel Schlacht der Worte am Straßenrand
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00:31 26.11.2015
Dieses Plakat wurde am Montag an der L 273 bei Uetz entrollt. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Mittelmark

Die Landwirte zwischen Havelland und Fläming plakatieren zurück. Was die Initiatoren des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung mit Transparenten entlang von Ortsdurchfahrten vorgemacht haben, holt der Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark nach. In Sichtweite der Einfallstraßen nach Potsdam lächeln seit Montag Bauer (im weißen T-Shirt) und Bäuerin (mit Laptop) von meterhohen Werbebannern. Im Hintergrund glücklich fressende Milchrinder, über denen die Botschaft steht: „Wir machen Tierwohl“. Schlacht der Worte am Straßenrand.

Mit Verzögerung zeigt der Berufsstand landesweit Kante gegen die Kritiker moderner Haltungsmethoden, deren schiere Größe Menschen zu Protesten herausfordert. Die Tierhalter selbst sehen das freilich anders. Eine ganze Branche fühlt sich wegen einiger weniger Skandalbetriebe an den Pranger gestellt. „Wer marktgerechte Preise erzielen und hohe Standards für das Tierwohl erreichen will, kommt an großen Anlagen nicht vorbei. Wobei nicht die Größe eines Betriebes darüber entscheidet, ob sich die Tiere wohl fühlen, sondern das Management“, sagt Stephan Otten.

Seit 1950 geht der Tierbestand in Deutschland kontinuierlich zurück. Gab es damals noch 15,2 Millionen Großvieheinheiten, waren es 2012 rund 13,2 Millionen. Vor 100 Jahren waren es sogar noch 20 Millionen Großvieheinheiten.

Der Tierbesatz liegt im Land Brandenburg bei 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar und ist damit nur halb so hoch wie in Bayern. Die Zahl der tierhaltenden Betriebe sinkt in Deutschland, wie auch in Potsdam-Mittelmark. Allerdings werden dafür die Tierhaltungsanlagen größer.

Während in Süddeutschland die Anbindehaltung bei Rindern weit verbreitet ist, wird diese in Brandenburg in großen Betrieben nicht mehr praktiziert. Deutlich zugenommen hat die Zahl der Legehennen, die im Kreis bei über drei Millionen liegt.

Der Betriebsleiter der Agrargesellschaft Uetz-Bornim, die eine Freiland-Mutterkuhherde hält, steht zwar nicht unbedingt im Focus von Tierschützern, doch hat Otten Verständnis für seine Frust schiebenden Berufskollegen, die Milchkühe, Ferkel, Puten und Hühner in industriellen Ausmaßen halten. Die Chefs von Großbetrieben müssen einiges aushalten. Nicht nur unangenehme Fragen und Unterschriften, sondern Schlagzeilen über scheinbar grenzenlosen Antibiotika-Einsatz, Tierquälerei im Schweinestall und überdüngte Äcker. Für Otten dagegen steht fest:„Nur gesunde Tiere bringen Leistung und lassen den Bauern ruhig schlafen.“

Rund um Potsdam

Gemeinsam mit seinem Uetzer Kollegen Jens König von der Wild- und Rinderfarm Uetz GmbH und Kreisbauernverbandsgeschäftsführerin Silvia Wernitz knöperte Otten am Montag ein bunt gedrucktes Tierwohlbekenntnis an die Wand eines Hängers, der von der nahen L 273 unweit der A 10 gut zu sehen ist. Weitere Plakate postierten Bauern an der B 1 bei Michendorf und entlang der B 2 bei Fahrland. In städtischen Gebieten haben die Gegner der Massentierhaltung den meisten Zuspruch. „Deshalb konzentrieren wir uns mit der Plakat-Aktion auf den Raum Potsdam“, erklärte KBV-Geschäftsführerin Wernitz.

Auf dem flachen Land sind die Unterschriften für ein Volksbegehren gegen Massentierhaltung eher überschaubar. Das Volksbegehren müssen bis zum 14. Januar 80 000 Brandenburger unterstützen, wenn es im Herbst 2016 zu einem Volksentscheid über die Massentierhaltung kommen soll. Im Moment ist ein Erfolg fraglich. Mit Stand Montag wurden knapp 40 500 Unterschriften eingesammelt. Und es sind nur noch 50 Tage Zeit.

Abgeordnete in der Schweinemast

Um den Kritikern der Großanlagen nicht allein die Deutungshoheit über das Tierwohl zu überlassen, belassen es die Bauern nicht bei Plakaten. Anfang Januar sollen sich die Landtagsabgeordneten des Landwirtschaftsausschusses in einer normalerweise abgeschirmten Schweineanlage in Zixdorf bei Raben ein Bild von den Haltungsbedingungen machen. Auf der Grünen Woche 2016 wollen Brandenburgs Tierhalter ihre Charmeoffensive fortsetzen. Statt sich den Spruch der Agrarindustrie-Gegner„Wir haben es satt!“ um die Ohren hauen zu lassen, kontern bäuerliche Sympathieträger: „Wir machen euch satt!“

Von Frank Bürstenbinder

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