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Schlechte Preise gefährden Betriebe

Bauern brauchen Optimismus Schlechte Preise gefährden Betriebe

Wer als Bauer seinen Lebensunterhalt verdient, braucht viel Optimismus. Doch wegen schlechter Preise ist die Stimmung im Berufsstand so schlecht wie lange nicht. Dafür sorgen auch Anfeindungen und immer mehr Bürokratie. Mit vielen Ungewissheiten startet die mittelmärkische Landwirtschaft ins neue Jahr.

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Der Sommer 2015 auf den Feldern war heiß, doch am Ende fiel die Getreideernte besser als erwartet aus.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Mittelmark. Ruinöse Preise, immer neue Anfeindungen und eine ausufernde Bürokratie – die Bauern zwischen Havelland und Fläming starten mit essigsauren Mienen in das neue Jahr. „Im Augenblick kommt es richtig dicke“, beschreibt Jens Schreinicke die Stimmung in seinen Mitgliedsbetrieben. Der Halter einer Mutterkuhherde in Stücken bei Michendorf führt seit knapp einem Jahr den Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark durch eine Zeit, in der selbst die Berufsoptimisten sehr nachdenklich durch ihre Ställe stapfen.

Seit Monaten sind die Erzeugerpreise unter Druck. Besonders schlimm trifft es die Milchviehhalter, die von den Molkereien keinen kostendeckenden Preis bekommen. „Den Betrieben geht langsam aber sicher die Liquidität aus. Das bedeutet weniger Investitionen. Entspannt sich die Lage im neuen Jahr nicht deutlich, werden bald die ersten Milchbauern im Landkreis aufgeben“, prophezeit Schreinicke. Ruinös sind auch die Schweinepreise. André Gräfe von der Fläming Farm Grubo bei Wiesenburg spricht von einem „schleichenden Tod“, an dem auch das Russland-Embargo Schuld sei. Noch verschärfen könnte sich der Schweinemarkt im Januar, einem Monat mit traditionell niedrigem Absatz. Einzige Hoffnung sind die Exporte nach China. Momentan aber bleibt die Tierhaltung ein Sorgenkind der Landwirtschaft.

KBV-Vorsitzender Jens Schreincke

KBV-Vorsitzender Jens Schreincke.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Dann kämpfen die Bauern noch an einer anderen Front: Um das sogenannte Tierwohl ist eine regelrechte Schlacht der Argumente entbrannt. Gegner der Massentierhaltung sammeln landesweit Unterschriften. Noch bis zum 14. Januar können die Brandenburger das Volksbegehren unterstützen. Der Berufsstand dagegen kontert mit der Aktion „Wir machen euch satt.“ Auch Mittelmarks Bauern sind zur Teilnahme an der nächsten Traktorendemo am 16. Januar in Berlin aufgerufen. „Tierwohl ist nicht von der Betriebsgröße abhängig, sondern vom Managment. Wo es schwarze Schafe in der Branche gibt, müssen die Behörden eingreifen. Aber wir nehmen die Anfeindungen gegen einen ganzen Berufsstand nicht länger hin“, gibt sich Silvia Wernitz, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, kämpferisch.

25 Jahre Kreisbauernverband

Am 18. Februar begeht der Kreisbauernverband Potsdam-Mittelmark (KBV) auf seiner Mitgliederversammlung in der Heimvolkshochschule Seddiner See sein 25-jähriges Bestehen. Dem KBV gehören Einzelpersonen und Unternehmen aus den Altkreisen Potsdam, Brandenburg, Bad Belzig sowie aus der Stadt Brandenburg an.

Vorsitzender ist der Landwirt Jens Schreinicke aus Stücken bei Michendorf, der 2015 den langjährigen Vorgänger Wolfgar Preuß aus Ziesar ablöste. Der Berufsstand wird sich auch im neuen Jahr auf der Grünen Woche, bei der Landpartie und beim Kreiserntefest in Alt Bork präsentieren.

Über den sinkenden Ölpreis können sich die Bauern nicht wirklich freuen. Zwar macht der Diesel einen schönen Batzen an den Betriebskosten aus, doch Fred Schulze, Vorsitzender der Hoher Fläming eG Rädigke-Niemegk schwant nichts gutes: „Öl runter, Gold runter – Getreide runter. So war es in der Vergangenheit immer mit den Preiszyklen“, sorgt sich der Landwirt. Was die nächste Ernte wirklich einbringt, kann im Januar noch niemand sagen.

Winterkulturen stehen gut

Immerhin: Die Winterkulturen stehen gut, was selbst der Laie auf den Äckern zwischen Brandenburg und Bad Belzig sehen kann. Auch Spätsaaten bieten wegen der lange milden Temperaturen keinen Anlass zur Sorge. Daran ändert der jetzige Frost nichts. Raps, Gerste und Roggen brauchen frostige Signale zur Abhärtung und für eine erholsame Winterruhe. „Ohne schützende Schneedecke wird es für die jungen Pflanzen erst ab etwa minus 15 Grad heikel. Dann drohen Kahlfröste“, weiß Gerald Herzog von der Agrargenossenschaft „Hoher Fläming“ in Rädigke.

Tierwirte sind gefragt

Ein Dauerthema bleibt im neuen Jahr die Nachwuchsgewinnung. Zwar sind im Ausbildungsjahr 2015/16 wieder mehr Stellen in Potsdam-Mittelmark besetzt worden, dennoch haben einige Betriebe keine Lehrlinge gefunden. Heikel ist die Lage insbesondere bei Tierwirten. „Kaum jemand will noch im Stall arbeiten. Da muss man jungen Leuten ganz viel Mut machen können“, sagt KBV-Vorsitzender Schreinicke.

 

Von Frank Bürstenbinder

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