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Schlimmer Ausraster im Amtsgericht

Gestörter Mann schubst Frau die Treppe hinab Schlimmer Ausraster im Amtsgericht

Der psychisch gestörte Christopher R. (27) hat seine Betreuerin im vergangenen Mai im Gebäude des Amtsgerichts Brandenburg an der Havel die Treppe hinunter geschubst, so dass sie sich erheblich verletzte. Bestraft wird er dafür nicht. Das Landgericht Potsdam wird aber entscheiden, ob der junge Brandenburger zwangsweise in der Psychiatrie untergebracht wird.

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Teure Briefbeschwerer leistete sich der psychisch kranke Mann, der eigentlich nicht viel Geld hat.
 

Quelle: dpa

Brandenburg/H.  Der psychisch gestörte Christopher R. (27) hat seine Betreuerin im vergangenen Mai im Gebäude des Amtsgerichts Brandenburg an der Havel die Treppe hinunter geschubst, so dass sie sich erheblich verletzte. Bestraft wird er dafür nicht. Das Landgericht Potsdam wird aber entscheiden, ob der junge Brandenburger zwangsweise in der Psychiatrie untergebracht wird.

Betreuer für den 27-Jährigen

Christopher W. kann zwar reden wie ein Wasserfall, doch ein unbetreutes Leben kann nach Auffassung von Medizinern und Juristen nicht führen. Denn er ist geistig und psychisch behindert, in seiner Persönlichkeit gestört, und er weist autistische Züge auf.

Deshalb haben die Behörden dem 1,96 Meter großen Mann einen gesetzlichen Betreuer an die Seite gestellt, der die wichtigsten Dinge für ihn regelt, sich um seine gesundheitlichen und rechtlichen Belange kümmert, aber auch darüber entscheidet, wie und wo er wohnt und wie viel Geld er zu bestimmten Zeiten in die Hand bekommt.

Briefbeschwerer von Maserati

Christopher R. gefällt diese Fremdbestimmung nicht, er will keinen gesetzlichen Betreuer, vor allem weil er selbst über sein Geld verfügen will. Das ist nicht immer eine gute Idee. Denn seine Investitionen erscheinen angesichts des begrenzten Budgets nicht rundweg sinnvoll. Zum Beispiel, wenn er sich für mehrere hundert Euro gleich fünf Briefbeschwerer der Marke Maserati bestellt.

Auch sonst ist der junge Mann, der fünf Schulklassen in Bildungseinrichtungen für lern- und geistig behinderte Kinder absolviert hat, in seinem Verhalten mitunter eigenwillig. Etwa wenn er zur Bank geht, um Fünf-Euro-Scheine aus bestimmten Ländern – erkennbar an bestimmten Buchstaben – einzutauschen. Leider verhält sich der psychisch eingeschränkte Mann manchmal auch aggressiv und keineswegs immer gesetzeskonform.

Er fährt schwarz, klaut Schrott, haut gutgläubige Ebay-Verkäufer übers Ohr, macht Waschmaschine n oder Kühlschränke zu Geld, die ihm zur Verfügung gestellt wurden, greift Menschen in seiner Umgebung aus nichtigen Anlässen an, beschimpft und beleidigt sie.

Schlimmer Aussetzer im Gericht

Am schlimmsten rastete er am 2. Mai 2016 im Amtsgericht Brandenburg aus. Dort hatte er mit seiner Berufsbetreuerin, seinem ambulanten Betreuer und seiner Mutter in den Mittagsstunden einen Anhörungstermin. Die zuständige Richterin sollte entscheiden, ob er auch künftig unter Betreuung gestellt wird, ein Zustand, gegen den er sich seit langer Zeit wehrte.

Die Anhörung endete aus seiner Sicht negativ. Für weitere sieben Jahre sollte seine Betreuerin über ihn wachen, die er doch loswerden wollte. Direkt nach der Anhörung auf dem Gerichtsflur entlud sich sein Ärger. Von hinten gab der große Kerl seiner 1,62 Meter großen Betreuerin einen heftigen Schubs, so dass sie einen ganzen Treppenabsatz hinunter stürzte. Die Frau zog sich Prellungen an beiden Beinen zu, an Brust und Schulter und einem Oberarm. Zusätzlich wurden am Hals Muskeln und Sehnen verletzt.

Besonders die Prellung am rechten Oberschenkel war so heftig, dass das Opfer noch drei Monate später Schmerzen dort hatte. „Ich bin jetzt vorsichtiger, vor allem wenn einer meiner Betreuten hinter mir steht“, berichtete die Berufsbetreuerin vor Gericht. Offenbar ist Christopher R. unberechenbar. „Er wird so wütend und manchmal wird es dann ein bisschen brenzlig, auch seine Mutter hat er manchmal bedroht“, erzählt Nancy R.

Weil Christopher R. schuldunfähig ist, kann der Staatsanwalt ihn wegen des Angriffs nicht anklagen. Doch er beantragt die Unterbringung des 27-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus. Im laufenden Sicherungsverfahren müssen die Richter am Ende darüber entscheiden, ob Christopher R. so gefährlich für die Allgemeinheit ist, dass er nicht mehr in Freiheit leben darf, sondern unter ärztliche Daueraufsicht gestellt werden muss.

Von Jürgen Lauterbach

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