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Schmierfett war gestern

Brandenburg an der Havel Schmierfett war gestern

Synthetisch hergestellte Kohlenstoffverbindungen sind teilweise Krebserregend, belasten Grundwasser und Boden. Die Stadt hat jetzt das Sanieren des Areals der ehemaligen Schmierfettfabrik direkt neben dem Silokanal ausgeschrieben. Der Boden wird großflächig ausgetauscht, Grundwasser gereinigt sowie Leitungen und Fundamente entsorgt.

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Nur noch ein paar Nebengebäude der alten Schmierfettfabrik rotten am Ufer des Silokanals vor sich hin.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/. Die Stadt trennt sich von ihren schlimmsten Altlasten. Beispielsweise von den Resten der alten Schmierfettfabrik am Ufer des Silokanals zwischen der Brielower Straße und Am Hafen. Nach dem Abbruch aller Gebäude vor sechs Jahren geht es nun daran, die im Boden lauernden Gefahren zu beseitigen. „Es geht in erster Linie um die Tiefenenttrümmerung und um einen Bodenaustausch“, sagt die städtische Umweltexpertin Uta Wernitz. Ihre Behörde hat die Arbeiten gerade ausgeschrieben, sie sollen von Anfang November bis Ende Mai erfolgen.

Die Stadt lässt sich das eine Menge Geld kosten – sie muss alles allein bezahlen. Einschließlich aller Untersuchungen, Überwachungen und Entsorgungsmaßnahmen kommt ein Betrag von etwa 1,5 Millionen Euro zusammen, die aus der Stadtkasse aufzubringen sind. Im Gegensatz dazu wird das Beseitigen der Schäden in der Mötzower Straße und auf dem Packhof bis zu 90 Prozent vom Land übernommen.

Der Boden unter der Schmierfettfabrik ist mit Kohlenwasserstoffen, krebserregenden Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) sowie Alkylphenolen verseucht. Sie reichen bis zu 3,20 Metern Tiefe in den Boden. Deshalb wird dieser auf der am stärksten belasteten Fläche von 700 Quadratmetern des ehemaligen Tanklagergebäudes bis in 3,50 Metern Tiefe komplett ausgetauscht. Das ergibt überschlägig 2450 Kubikmeter. Diese dürfen nicht einfach so entsorgt werden, sondern müssen in 350 Spezialcontainern auf Sonderdeponien oder gar in Verbrennungsanlagen gebracht werden.

Eine Geschichte voller Havarien

1916 wurde die Schmierfettfabrik zum Herstellen von Schmierfetten, -ölen, Halb- und Dunkelfetten errichtet.

1944 entstanden acht Tanks für Öle.

1964 brannte Südteil der Fabrik ab.

1966 Oberirdischer Heizöltank mit 250 Kubikmetern.

1969 Stilllegen der Produktion. Nur noch Lagerung und Umschlag von Ölen, Bitumen und Taumitteln.

1970 Brand Tanklagergebäude.

1971 Havarie eines Dach-Öltanks.

1983 Austritt von Bitumen in Kanalisation, 1985 Ölaustritt am Kanalufer.

Nach 1990 Sitz von Führerscheinstelle, Kreistag, Bas und Bauhof.

2011 Abbruch aller Gebäude.

Es gibt noch eine zweite Sanierungszone mit Kontaminationen in einem 15 Meter breiten Uferstreifen am Silokanal. Bodenaustausch ist hier aber unmöglich, weil alle 2,4 Meter ein Verpress-Anker der Spundwand in der Erde steckt – die Wand könnte dabei in den Kanal fallen. Hier wird nach anderen Möglichkeiten gesucht.

Praktisch laufen die Bauarbeiten am Tanklager so ab: Die Folie für die temporäre Oberflächenabdichtung wird entfernt, danach die oberen Bodenschichten. Fundamente, Leitungen, Tanks und sonstige Einbauten werden entfernt, wenn sie schon sichtbar sind. Dann kommt eine 20 Zentimeter dicke Recyclingschicht darüber – sie verhindert Eindringen von Regenwasser in die verseuchten Bodenschichten und dient als „Arbeitsfläche“ für das Großbohrgerät. Dann erst beginnt der Bodenaustausch. Der Aushub kommt in Container und wird zwölf Stunden lang entwässert, bevor er auf die Deponie oder in die Verbrennungsanlage kommt. Das Wasser wird aufgefangen, vorgereinigt und – nach Einhalten der Grenzwerte – in den Silokanal oder ins Brawag-Kanalnetz geleitet. Nach dem Bodenausbau wird die komplette Fläche mit unbelastetem Boden verfüllt.

Laut Flächennutzungsplan der Stadt sind in diesem Bereich irgendwann gewerbliche Nutzungen möglich. Aktuelle Bewerber gebe es allerdings nicht.

Von André Wirsing

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