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Schon der dritte Sex-Übergriff im Kindercamp

Dachverband fragt nach Schutzkonzept Schon der dritte Sex-Übergriff im Kindercamp

Bei der Firma Kiju-Reisen, die Kinderferienlager veranstaltet, sollen Eltern ihre Kinder in guten Händen wissen. Doch in den vergangenen Jahren sind drei sexuelle Übergriffe auf Fahrten des Veranstalters aus Brandenburg/Havel bekannt geworden. Nach dem Schutz- und Präventionskonzept fragt nun die Bundesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes.

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Im Jugendwaldheim Loppin bei Jabel finden regelmäßig Ferienlager statt.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Bei der Firma Kiju Reisen, die Kinderferienlager veranstaltet, sollen „Eltern ihre Kinder in guten Händen wissen“. Doch in den vergangenen vier Jahren sind drei sexuelle Übergriffe auf Fahrten des Reiseveranstalters aus Brandenburg/Havel bekannt geworden.

„Hat der Veranstalter ein Schutz- und Präventionskonzept?“, fragen Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes und Dennis Peinze, Geschäftsführer des Bundesforums Kinder- und Jugendreisen. Offensichtliche Fehler erkennt er bei Kiju Reisen trotz des wiederholten sexuellen Missbrauchs durch mehrere Betreuer nicht.

Ermittlungen gegen Feriencamp-Betreuer

Seit einigen Tagen ermitteln Kripo und Staatsanwaltschaft gegen einen 34 Jahre alten Mann aus Bayern, der seit sechs Jahren für das Brandenburger Unternehmen Kiju-Reisen arbeitet und in Ferienlagern Kinder und Jugendliche betreut.

Im Feriencamp in Loppin (Mecklenburgische Seenplatte) soll ein 7-Jähriger von seinem Betreuer sexuell missbraucht worden sein

Im Feriencamp in Loppin (Mecklenburgische Seenplatte) soll ein 7-Jähriger von seinem Betreuer sexuell missbraucht worden sein.

Quelle: Nordkurier/Christina Zaren

Der nicht vorbestrafte Mann wird dringend verdächtigt, einen sieben Jahre alten Jungen aus Potsdam sexuell missbraucht zu haben, der vom 21. bis 27. August am Camp „Zeit für Helden“ im Jugendwaldheim Loppin bei Jabel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) teilgenommen hat.

Weitere Fälle im Brandenburger Unternehmen

Es wäre der dritte Fall einer Sexualstraftat an Kindern, die mit Kiju-Reisen auf Fahrt gegangen sind. Denn im März 2014 wurde ein Betreuer aus Bad Belzig, selbst noch Schüler, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Der damals 19-Jährige Kiju-Reisebetreuer hatte sich im Jahr zuvor drei Kindern des Feriencamps sexuell genähert.

Ein 37 Jahre alter Betreuer aus Berlin, der sich im Sommer 2015 an einem Teilnehmer von Kiju-Reisen und zwei weiteren Kindern vergangen hatte, erhielt nach MAZ-Recherchen eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Kiju-Geschäftsführer spricht von Zufall

Das Unternehmen aus Hohenstücken ist Partner des vom Bundesfamilienministerium geförderten Dachverbandes Bundesforum Kinder- und Jugendreisen und trägt dessen Qualitätsgütesiegel QMJ „Reisebegleitung Sicher Gut“.

Dessen Geschäftsführer Dennis Heinze vermutet einen Zufall, dass Kiju Reisen nun schon zum dritten Mal binnen weniger Jahre damit auffällt, dass ein Betreuer sich sexuell an minderjährigen Reiseteilnehmern vergeht. Auch wenn in Deutschland pro Jahr nur ein bis zwei solcher Fälle bei Kinderreisen bekannt werden, erkennt Penzer keinen systematischen Fehler bei dem Brandenburger Veranstalter.

Das müssen Betreuer vorweisen können

Kiju Reisen halte die Qualitätskriterien ein, die das Bundesforum zum Schutz der Kinder aufgestellt habe. Die Brandenburger haben ein Ausbildungskonzept, schulen ihre Betreuer und verlangen von ihnen ein erweitertes polizeiliches Führungsverzeichnis. Der Schutz der Kinder vor sexuellen Übergriffen sei in den Schulungen Thema. Wegen der gehäuften Fälle bei diesem einen Anbieter, will der Dachverband gleichwohl schauen, ob ein spezielles Schutzkonzept bei Kiju-Reisen vorliegt.

Kiju-Reisen-Inhaber Torsten Ukrow, der sich schockiert über die neuerlichen Vorwürfe äußert, kennt den beschuldigten 34-Jährigen persönlich. Er sei regelmäßig durch professionelle Lehrkräfte im Unternehmen geschult worden. Sein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis sei einwandfrei.

So reagiert das Unternehmen auf Missbrauchsvorwürfe

Kiju Reisen werde nun alle Reisebetreuer noch einmal anweisen, dass sie ihre Aufgaben stets mindestens zu zweit wahrnehmen. Ukrow: „Jedem Ferienlagerbetreuer von Kiju Reisen ist es untersagt, sich während der Ferienfreizeiten allein mit Kindern oder Jugendlichen aufzuhalten.“

Eine Erklärung dafür, dass es immer wieder seine Firma trifft, hat der Inhaber nicht. Ob es eine Tendenz gibt, dass Pädophile sich womöglich gezielt als Kinderferienbetreuer andienen, kann er allenfalls vermuten.

Auch dem Geschäftsführer des Dachverbandes weiß darüber nichts. „Mir ist kein aktueller Forschungsstand dazu bekannt“, sagt Dennis Peinze.

Dagegen ist dem Kinderschutzbund laut Bundesgeschäftsführerin Honkanen-Schoberth nicht verborgen geblieben, dass manche pädophile Menschen sich in Sport- und Freizeitvereinen oder auch bei Kinderreiseveranstaltern engagieren, um sich Minderjährigen zu nähern.

Von Jürgen Lauterbach

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