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Schrottreif und von morbider Schönheit

Keine Rettung für Plauer Brücke Schrottreif und von morbider Schönheit

Den Plauern blutet das Herz, doch Stadt und Land winken ab: Für die Alte Plauer Havelbrücke gibt es kein Geld, um sie vor dem drohenden Verfall zu retten. Wie lange sie sich noch auf ihren Pfeilern halten kann, ist ungewiss. „Das ist eine gute Frage“, sagt dazu Tiefbauamtschef Peter Reck.

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Rost und Leere, wo einst der Bürgersteig der Alten Plauer Havelbrücke verlief.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg an der Havel. Sie gilt als eine der schönsten historischen Brücken im Land Brandenburg. Doch in ihren Erhalt wird nur noch der nötigste Euro investiert: die 1904 erbaute Alte Plauer Havelbrücke. Was rostend herabhängt, wird abgeschlagen. Wie der Gehweg, den es nicht mehr gibt. Noch vor 13 Jahren donnerte über ihre Pfeiler der Autoverkehr der Bundesstraße 1. Auch die Tramlinie führte darüber. Doch mit der Verlegung der Bundesstraße 1 zur Verkehrsberuhigung Plaues ist die Brücke von der Verkehrsader abgeschnitten. Ihr Schicksal scheint besiegelt. Stünde sie nicht unter Denkmalschutz, sie wäre längst abgerissen worden. Das sagt Peter Reck, Brückenfachmann und Leiter des Tiefbauamtes in der Brandenburger Stadtverwaltung. Diese würde die Brücke gerne retten, doch dafür ist die kreisfreie Stadt zu klamm.

Bürgermeister und Kämmerer Steffen Scheller (CDU) sagt offen: „Wenn wir Fördergeld kriegen, gebe ich es lieber für die Sanierung von Kitas aus und die Computer-Ausstattung von Schulen.“ Schwierig sei es zudem einfach auch, den Eigenanteil aufzubringen. Das wären für die Plauer Brücke mehr als 700 000 Euro.

Von mittlerweile morbider Schönheit

Von mittlerweile morbider Schönheit: die Alte Plauer Havelbrücke, erbaut 1904, gilt als Wahrzeichen des Ortes. Seit 2002 ist sie vom Verkehr abgeschnitten. Auch wenn ihre Sanierung gelingen sollte, bleibt sie für den Verkehr gesperrt.

Quelle: Marion von Imhoff

Das Berliner Büro für Baukultur Best spricht von einem „sukzessiven baulichen Verfall“ der Alten Plauer Havelbrücke. Britta Kornmesser, Vize-Chefin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brandenburg, nennt den Zustand der Brücke „erbärmlich“. Udo Geiseler vom Historischen Verein und Unabhängigen Bürgerverein Plaue sorgt sich um die Verkehrssicherheit der Schifffahrt unter der Brücke. Doch das Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg ist derzeit gelassen: „Wir haben noch keine Bedenken“, sagt Behördenleiterin Gerrit Riemer.

Plauer appellieren mit Brückenpicknicks an die Politik

Der seit nunmehr 25 Jahren bestehende Bürgerverein macht sich gemeinsam mit dem Förderverein Schlosspark Plaue und dem SPD-Ortsverein Kirchmöser-Plaue seit Jahren stark für die Sanierung der Stahlfachwerkbrücke, deren mit Jugendstilelementen verzierten Geländer scheibchenweise wegrosten. Regelmäßig veranstaltet die Akteure Brückenpicknicks mit reger Beteiligung der Bevölkerung, um dem Ziel Nachdruck zu verleihen. „Wir machen weiter. Wir sorgen dafür, dass die Brücke nicht vergessen wird“, sagt Udo Geiseler.

1,5 Millionen Euro wären nach Angaben von Andrea Kutzop, der für die Stadtplanung zuständigen Fachbereichsleiterin, nötig für die Brückensanierung. Diese habe oberste Priorität. Tiefbauamtsleiter Reck sieht derzeit dennoch keine Chance für die finanzielle Rettung der Brücke. Das Land Brandenburg winkt ab: Die Brücke sei wegen der „unweit nördlich gelegenen neuen B 1-Trasse nicht mehr als verkehrswichtige Straße eingestuft“, sagt Petra Dribbisch, Sprecherin des Infrastrukturministeriums in Potsdam. „Aus diesem Grund ist sie im Rahmen der Straßenbauförderung nicht förderfähig.“ Die denkmalgeschützte Flussquerung ist nur noch Bestandteil des Havelradwegs. Wie lange die Brücke noch stehen wird? „Das ist eine gute Frage. Ich weiß es nicht“, sagt Reck.

Note 3,8 von 4 bei der vorigen Brückenprüfung

Alle zwei Jahre wird die Brücke genauestens untersucht. Regelmäßig schneidet sie mit der schlechtesten Note ab. Die letzte Prüfung war im Februar. Sie schloss ab mit der Note 3,8 von 4. Es ist das miserabelste Ergebnis einer Brücke in Brandenburg.

„Es ist ein Jammer, dem Verfall zuzuschauen“, sagt eine 71-jährige Plauerin, die an diesem Mittwochmorgen mit ihrem Hund über die Brücke geht. Nur noch Fußgänger und Radler dürfen die 1904 erbaute Flussquerung nutzen. Sie müssen die teils noch gepflasterte Fahrbahn dafür wählen, der Bürgersteig ist längst abgeschlagen. Gähnende Leere dort, wo fast 100 Jahre lang Fußgänger flanierten, um einen der schönsten Blicke in Brandenburg zu genießen. Damit kein Schiffer von einem durchgerosteten Metallteil am Kopf getroffen wird, ließ die Stadtverwaltung diesen Brückenbereich kurzerhand entfernen.

Eine Stadt reich an Brücken

Die Stadt Brandenburg besitzt 58 Brücken. Ihre Instandhaltung kostet jährlich rund 200 000 Euro.

Hauptprüfungen der Brücke durch unabhängige Sachverständige sind alle sechs Jahre fällig. Das teilt Tiefbauamtschef Peter Reck mit. Sogenannte einfache Prüfungen werden alle drei Jahre nötig. Die Plauer Brücke wird wegen ihres schlechten Zustandes alle zwei Jahre genau unter die Lupe genommen. Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt, zuständig für die Wasserstraße, die unterhalb der Brücke verläuft, achtet auf die Verkehrssicherheit des Bauwerks und fordert von der Stadt Brandenburg Sofortmaßnahmen, sollte von der Brücke eine Gefahr ausgehen.

Die Noten der Brückenprüfungen reichen von 1 für „sehr guter Zustand“ bis 4 für einen ungenügenden.

 

Von Marion von Imhoff

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