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Brandenburg/Havel Schwangere gewürgt: Mann muss drei Jahre in den Knast
Lokales Brandenburg/Havel Schwangere gewürgt: Mann muss drei Jahre in den Knast
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02:15 12.02.2018
Immer wieder wurde der Brandenburger Polizistensohn gewalttätig gegen seine Partnerin und doch kehrte sie zu ihm zurück. In dieser Woche verurteilte ihn das Schöffengericht Brandenburg zu drei Jahren Gefängnis. Quelle: Philipp Strobel
Brandenburg/H

Drei Jahre soll der Brandenburger, der seine schwangere Partnerin beinahe zu Tode gewürgt hätte, ins Gefängnis. Das Urteil des Schöffengerichts Brandenbug/Havel ist noch nicht rechtskräftig. Großen Eindruck machte im Gerichtssaal das Opfer, das als Zeugin aussagte. Die junge Frau erklärte, warum sie immer wieder zu dem gefährlichen Grobian zurückkehrte.

Wegen drei Angriffen gegen seine frühere Partnerin steht der 31 Jahre alte Sandro L. (Name geändert) vor Gericht. Am schlimmsten empfand das Opfer die Attacke am 4. Juli 2016, als der Angeklagte gar nicht aufhörte damit, den Hals zu würgen. „Es kam mir vor wie eine Ewigkeit“, erzählt die Zeugin dem Brandenburger Schöffengericht, die damals im zweiten Monat schwanger war.

„Er hat geguckt wie ein Psychopath – mit weit offenen Augen“, erinnert sich Nadine* an den Moment, ehe sie bewusstlos wurde. Die Horrorszene bekommt sie nicht aus dem Kopf. Dennoch hatte sie damals der Polizei erzählt, sie sei von einem Unbekannten auf der Straße überfallen worden.

Täter spielte vor den Ärzten den verständnisvollen Partner

Das Opfer ertrug den Moment, als ihr Peiniger sie im Krankenhaus besuchte und vor der Ärztin den verständnisvollen Partner spielte mit Worten wie: „Wenn ich den erwische...es laufen aber auch Idioten frei rum.“

Nadine, eine kleine hübsche Frau, verzeiht sich selbst nicht recht, dass sie so lange an dem stets eifersüchtigen Mann festhielt, der ihr immer wieder weh tat, und zu dem sie selbst dann noch zurückkehrte, als er ihr mit der zwei Monate alten, brüllenden und verängstigten Tochter auf dem Arm den Kopf mehrfach gegen die Couchlehne donnerte und sie an den Haaren durch die Wohnung zerrte, ehe sie bei Nachbarn und danach im Frauenhaus Zuflucht fand.

„Ich weiß nicht, was mit mir los war“, erklärt die Zeugin vor Gericht. „Ich bin blöd gewesen, aber ich habe diesen Mann doch auch geliebt.“ Die kleine Familie mit der gemeinsamen Tochter, „das was ich erschaffen habe, wollte ich aufrecht erhalten“, fügt sie hinzu.

„Ich kann kein Vertrauen mehr fassen“

Hinzu kam wohl die Angst vor dem Polizistensohn, der die damalige Partnerin mit seiner Familie und „Leuten, die man besser nicht kennen sollte“, einschüchterte. Wie in der Verhandlung deutlich wird, haben die Eltern Druck auf die junge Frau ausgeübt, sie beleidigt und ihr in offenkundig blinder Zuneigung zum Sohn vorgeworfen, sie habe sich die Verletzungen selbst zugefügt.

Das Gewaltopfer hat die schwere Zeit noch längst nicht hinter sich gelassen. „Ich möchte keine Beziehung mehr, in bin so gestört, dass ich kein Vertrauen mehr fassen kann“, sagt Nadine. Enttäuscht ist sie, weil Sandro L. nie so etwas wie Reue gezeigt habe. Statt dessen griff er sie noch wenige Wochen vor dem Prozess erneut an, würgte sie und drohte sie zu töten.

Ehe das Schöffengericht den vorbestraften Lagerarbeiter zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wegen gefährlicher und mehrfacher vorsätzlicher Körperverletzung, wegen Bedrohung und Widerstands, legt Sandro L. ein Geständnis ab, das sein Strafmaß noch etwas milderte.

Angeklagtem werden Kontakte zu Reichsbürgern nachgesagt

Wegen Fluchtgefahr wurde der bestehende Haftbefehl aufrecht erhalten, aber zugleich außer Vollzug gesetzt. Die Auflage: Er muss sich regelmäßig bei der Polizei melden und jede Art von Kontakt zur Mutter seines Kindes unterlassen.

Im Strafmaß berücksichtig ist auch die Verletzung eines Polizeibeamten berücksichtigt, der ihn nach dem letzten Übergriff am 9. Dezember 2017 festnehmen wollte. Sandro L., dem Kontakte zu den Reichsbürgern nachgesagt werden, quetschte dessen Fuß in der Wohnungstür ein und rühmte sich anschließend, einem Polizisten fast das Bein gebrochen zu haben.

* Name geändert

Von Jürgen Lauterbach

Carl Reichstein war Mitgründer der berühmten Brennabor-Werke, über seine Stiftung gab er eine Million Reichsmark für die Kinder-Wohlfahrtspflege, er wurde zum Ehrenbürger ernannt. Seine Familien-Grabstätte ist seit Jahrzehnten in städtischer Verantwortung – jetzt wurde das Neoklassizismus-Jugendstil-Ensemble gerettet.

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