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„Schwedenlinde“ vor dem Abriss

Brielow: Seniorensitz statt Gaststätte „Schwedenlinde“ vor dem Abriss

Die Brielower Traditionsgaststätte „Schwedenlinde“ wird zum Jahresende geschlossen. Inhaber Horst Berger will nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben endlich ruhiger treten. Ein Nachfolger hat sich nicht gefunden. Dafür will die Gemeinde die Immobilie kaufen. Kommt es dazu, stehen die Zeichen auf Abriss.

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Gastwirt Horst Berger macht die „Schwedenlinde“ zum Jahresende dicht.

Quelle: Jacqueline Steiner

Beetzsee. Hier haben sich Generationen amüsiert, beim Bier getroffen und beim Tanz kennengelernt. Doch nun macht Horst Berger (73), ein Urgestein Brandenburger Gastronomie, ernst: Ab dem Jahreswechsel bleibt die Küche im Brielower Traditionswirtshaus „Schwedenlinde“ kalt. „Das Weihnachtsgeschäft läuft wie immer, aber Silvester ist schon dicht“, sagt Berger. Nach einem jahrzehntelangen Berufsleben wollen er und seine Frau Birgit endlich ruhiger treten. Die Bergers werden über kurz oder lang die zum Objekt gehörende Wohnung verlassen, wollen aber Brielow treu bleiben. „Wir fangen noch mal neu an, ich muss ja nicht mehr selbst am Mischer stehen“, scherzt der Gastwirt, der bis 1989 Chef des Ratskellers in Brandenburg war.

Nach Naturdenkmal benannt

Die Gaststätte „Schwedenlinde“ wurde nach dem gleichnamigen Naturdenkmal auf dem Friedhof benannt. Das Objekt wurde 1976 auf dem Grundstück eines abgerissenen Vorgängerbaus errichtet. Das war die Gastwirtschaft „Stadt Rathenow“.

Horst Berger stieg 1989 als Leiter der einstigen HO-Gaststätte in Brielow ein. Er konnte die Immobilie nach der Wende von der Treuhand kaufen. 2014 machte der Gastwirt der Gemeinde den Vorschlag ihm die „Schwedenlinde“ abzkaufen, um daraus ein Bürgerhaus zu machen. Das wurde vor der Kommunalwahl unter anderen politischen Vorzeichen abgelehnt.

Die Idee eines Altensitzes kam Ende 2014 durch den neu gewählten Bürgermeister Rainer Britzmann (CDU) auf. Seither wird in der Gemeindevertretung über dieses Thema diskutiert. Bisher war nur vom möglichen Abriss des Saales die Rede. An dessen Stelle sollten sieben Wohnungen errichtet werden – eine offenbar unwirtschaftliche Größenordnung.

Doch was wird aus der 1976 errichteten Gaststätte samt Saal, Keller und Wohnung? Berger hatte vergeblich versucht einen Nachfolger aus der Branche zu finden (MAZ berichtete). Seit Mittwoch stehen die Chancen gut, dass die Gemeinde Beetzsee als Erwerber der Immobilie für 250 000 Euro auftritt. Bürgermeister Rainer Britzmann (CDU) fasste auf der öffentlichen Ratssitzung den Plan zusammen: Kaufen, Abreißen, Neubau und Vermietung. Im Kern geht es um die Errichtung einer barrierefreien Wohnanlage mit 25 Wohneinheiten für zum Teil pflegebedürftige Senioren und Menschen mit Handicaps. Dazu ein Bistro und Gemeinschaftsräume, die auch von den Dorfbewohnern genutzt werden können. Kosten: 1,8 Millionen Euro.

Über Pläne entsetzt

Der von den mehrheitsführenden CDU- und Pro-Fraktionen getragene Vorschlag löste längst nicht bei allen Abgeordneten Jubel aus. Alt-Bürgermeister Manfred Gorecki (Bürgerliste) zeigte sich über die Abrisspläne für die „Schwedenlinde“ entsetzt. Es sei ein Ding aus dem Tollhaus, ein erst 40 Jahre altes Gebäude abreißen zu wollen. Das sei Frevel auf Kosten der Steuerzahler, kritisierte Gorecki in scharfer Form. Dem hielt Nicki Gießmann (CDU) die erfolglosen Bemühungen Bergers entgegen, den Staffelstab an einen anderen Gastronomen zu übergeben. Ein leeres Objekt wie die „Schwedenlinde“ könne der Gemeinde nicht egal sein, so Gießmann.

Ob sich ein Seniorensitz anstelle der Gaststätte überhaupt rechnet, soll nun eine Variantenplanung samt Wirtschaftlichkeitsberechnung ergeben. Dafür gibt die Gemeinde 20 000 Euro aus. Das haben die Gemeindevertreter mehrheitlich und auch mit Stimmen aus der Bürgerliste beschlossen. Zum Beispiel Manfred Spieler, der eine Voruntersuchung vor einer Kaufentscheidung durchaus für richtig hält. Wichtig ist das Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsberechnung insbesondere für die Senioren- und Pflegezentrum GmbH in Brandenburg, die als künftige Betreiberin der Wohnanlage im Gespräch ist. „Es gibt unsererseits ein ernsthaftes Interesse. Aber wir sind noch in einem frühen Stadium der Verhandlungen“, bestätigte Geschäftsführer Norbert Fröhndrich auf Nachfrage.

Entscheidung zum Jahresende

Brielows Ortsvorsteherin Elisabeth Elsner (Pro-Fraktion) geht davon aus, dass die Vorplanung jetzt zügig vorangeht. Möglicherweise steht noch im Dezember der Kauf des Gaststättengrundstücks auf der Tagesordnung. Nicht zum Zuge kommt der in Brandenburg ansässige Pflegedienst „Stadt und Land“, der auf einem brachliegenden Gemeindegrundstück in der Hauptstraße eine altengerechte Einrichtung für Wohngruppen und Tagespflege errichten wollte. In namentlicher Abstimmung votierten sieben Abgeordnete gegen einen Verkauf, fünf waren dafür. Die Befürworter sind die Mitglieder der Bürgerliste und Ingrid Feuerherd (Die Linke). Der Kauf der „Schwedenlinde“ sei für die Gemeinde mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden, zumal auch eine neue Kita gebaut werden solle. In der Hauptstraße hätte die Investition allein in der Hand des privaten Pflegedienstes gelegen, wurde vergeblich argumentiert. Gastwirt Horst Berger jedenfalls hat die Gemeindevertretersitzung mit einem guten Gefühl verlassen. Er ist einem Verkauf ein wichtiges Stück nähergekommen.

Von Frank Bürstenbinder

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