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Brandenburg/Havel Schwere Mängel im Renafan-Pflegeheim
Lokales Brandenburg/Havel Schwere Mängel im Renafan-Pflegeheim
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02:15 28.09.2015
Vor vier Jahren öffnete das Brandenburger Pflegeheim der Firma Renafan. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg an der Havel

Schlimme Zustände im Altenpflegeheim der Firma Renafan in der Neuendorfer Straße. Die Mängel seien schon in der Grundpflege „sehr gravierend“, bestätigt die Heimaufsicht, also das Landesamt für Soziales und Versorgung (LASV). Die Behörde hat den Träger daher am Donnerstag zur „Krisensitzung“ zitiert. Er zeige sich einsichtig und offen, heißt es. Der bisherige Heimleiter musste gehen.

Zuverlässige MAZ-Informationen, denen zufolge Bewohner des Heims im eigenen Kot stundenlang um Hilfe bitten und warten müssen, träfen nicht zu, betont die Renafan-Leitung in Berlin. Die Heimaufsicht will zwar über solch konkreten Missstände nichts sagen. Aber: „Die Zustände in dem Heim sind sehr, sehr bedenklich bezogen auf die Qualität der Pflege und Betreuung der Bewohner“, bestätigt die Dezernatsleiterin Katja Augustin, die im Land Brandenburg für die Aufsicht für unterstützende Wohnformen im LASV zuständig ist.

Beschwerden bestätigen sich

Mehrere Prüfungen haben Behördenmitarbeiter in den vergangenen Monaten vorgenommen in dem Heim mit seinen gut hundert Bewohnern, zuletzt am 1. September. Was an Beschwerden an die Aufsicht herangetragen wurde, habe sich leider bestätigt, berichtet die Dezernatsleiterin.

Krankenkassen vergeben die Note 1,3

Die Renafan AG wurde 1995 als ambulante Pflegestation mit fünf Mitarbeitern in Berlin-Tegel gegründet und ist bundesweit tätig.

Das Pflegeheim in der Neuendorfer Straße nimmt seit vier Jahren Bewohner auf. Inzwischen leben dort mehr als hundert (alte) Menschen.

Dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen die Mängel in der Neuendorfer Straße im Gegensatz zur Heimaufsicht nicht aufgefallen. Renafan erhielt im März die Schulnote 1,3 für Pflege und medizinische Versorgung.

Das LASV kontrolliert das Brandenburger Heim weiter. Im Juli hatte die Heimaufsicht der Seniorenzentrum Schloss Schmerwitz GmbH in Wiesenburg die Betriebserlaubnis entzogen, weil dort zu wenige Pfleger beschäftigt und die Ausstattung schlecht war. Der Betreiber dort ist nach der Erfahrung des LASV weniger einsichtig gewesen als Renafan in Brandenburg.

Die Pflegequalität im Land Brandenburg beurteilt das LASV in seinem aktuellen Tätigkeitsbericht als insgesamt gut. Danach stieß die Aufsichtsbehörde immer wieder auf Mängel bei der Pflege und Betreuung in Pflegeeinrichtungen.

In etlichen Fällen wurden das Recht auf Hilfe zur Selbsthilfe und die Wahrung der Privat- und Intimsphäre verletzt. Einen Aufnahmestopp verfügte die Behörde für drei Einrichtungen, zehn mal wurden Anordnungen verfügt.

In dem nun vorliegenden Überwachungsprotokoll sind nach ihren Angaben in großem Umfang sehr gravierende Mängel festgehalten. Sie betreffen die Qualität der Pflege. Schon die Grundversorgung stimmt nicht, Dinge wie Körperpflege sind mangelhaft. Katja Augustin: „Es geht einem sehr nahe, was man da liest.“

Die Missstände hängen offenbar mit dem erheblichen Personalmangel zusammen. Die Besetzung der Dienste gilt der Heimaufsicht als völlig unzureichend, die Pflegeplanung als „sehr mangelhaft“.

Selbst verhängter Aufnahmestopp

Die Aufsichtsbehörde hat bisher den Heimbetrieb nicht untersagt und auch keine ordnungsrechtlichen Schritte eingeleitet. Denn Renafan ist dieser Konsequenz freiwillig zuvorgekommen und hat sich selbst bis Oktober einen Aufnahmestopp in ihrem Brandenburger Heim auferlegt.

Die Aufsicht prüft nun die weitere Entwicklung in der Neuendorfer Straße und die Einhaltung der Ziele, die am Donnerstag im Krisengespräch mit dem zuständigen LASV-Teamkoordinator Torsten Pröhl vereinbart wurden. Das Amt erlebt den Heimbetreiber als einsichtig, konstruktiv und um Änderung bemüht.

Die Renafan-Spitze in Berlin, also Shaodong Fan und Kerstin Nicodemus, übernehmen die Verantwortung für die Mängel. „Die Geschäftsführung hat leider erst seit Kurzem vollumfängliche Kenntnis der Situation“, heißt es. Man ergreife energisch konkrete Maßnahmen“, das sind die Bildung eines neuen Führungsteams, die Neueinstellungen von Fachkräften, massive Unterstützung durch das zentrale Qualitätsmanagement, Fortbildungen durch die Renafan-Akademie und ein erhöhtes Augenmerk des Geschäftsleitung.

Von Jürgen Lauterbach

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