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Brandenburg/Havel Schwester von Opernstar hilft Kirche
Lokales Brandenburg/Havel Schwester von Opernstar hilft Kirche
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12:46 12.05.2016
Marguerite Kollo und Förderkreis-Sprecher Ingo Zeithammer. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Krielow

Vom Turm fällt der Putz ab, am Kirchenschiff steigt Feuchtigkeit auf. Das Krielower Gotteshaus könnte schöner sein. Doch für eine Sanierung des über 300 Jahre alten Kleinodes wird viel Geld benötigt. Deshalb hat sich in dem Ortsteil von Groß Kreutz (Havel) ein Förderkreis gegründet, der die Bemühungen der Christophorus Kirchengemeinde zum Erhalt des Bauwerkes und seiner aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Ausstattung unterstützen will.

Ein prominentes Mitglied des Förderkreises lebt nicht weit entfernt vom Kirchturm. In einer schmucken Wohnanlage in der Lilienthalstraße ist seit wenigen Jahren Marguerite Kollo (80) zu Hause. Kollo? Da war doch mal was. Richtig. Die Musik- und Bühnenverlegerin entstammt als Enkelin von Walter und Tochter von Willi Kollo der bekannten Berliner Operettendynastie. 23 Jahre war die gebürtige Berlinerin Managerin ihres nicht minder berühmten Bruders und Operntenors René Kollo. Heute herrscht zwischen den Geschwistern Eiszeit. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Erinnerung an große Komponisten

Am 11. Juni um 19 Uhr liest Marguerite Kollo in der Krielower Kirche aus den Erinnerungen ihres Vaters Willi Kollo (1904-1988). Er war Autor von Kabarett-Revuen, schrieb Drehbücher und machte Filmmusik. Auch was der Komponist Walter Kollo mit dem Flugpionier Otto Lilienthal zu tun hat, wird seine Tochter verraten.

Großvater Walter Kollo (1878-1940) schrieb überwiegend Operetten und andere Stücke der leichten Muse. Zu seinen Evergreens gehören unter anderem „Immer an der Wand lang“, „Ach Jott, was sind die Männer dumm“ oder „Max, du hast das Schieben raus“.

Marguerite Kollo hat die Hauptstadthektik hinter sich gelassen. Samt dem Familienarchiv ist sie aufs Land gezogen und genießt im Unruhestand den Blick ins Grüne. „Dass es Krielow wurde, war reiner Zufall. Inzwischen fühle ich mich hier sehr wohl“, berichtet Deutschlands engagierteste Kämpferin für die Operette. Unverändert pflegt sie den künstlerischen Nachlass von Walter und Willi Kollo. Schließlich ist das Werk ihrer Familie ein wesentlicher Teil der Berliner Kultur. Nur eben etwas aus der Mode gekommen.

Willi Kollo 1943 mit Girls im Theater des Volkes Berlin. Quelle: Kollo-Archiv

Den allergrößten Erfolg ihres Großvaters Walter „Drei alte Schachteln“ (Solang noch Untern Linden. . .) von 1917 inszenierte Marguerite Kollo für den Potsdamer Nikolaisaal neu, wo die Operette 2015 in szenisch-konzertanter Form für zwei Aufführungen zu sehen war. Der Berliner Admiralspalast zog für eine paar Tage nach. Ein Strohfeuer angesichts der Musicalflut, die den neuzeitlichen Kulturbetrieb seit „Cats“ am Laufen hält. Marguerite Kollo hält dagegen, so gut eben die Fans der leichten Muse mitziehen. Zum Beispiel mit einer „Europäischen Stiftung zur Pflege und Erneuerung der Operette“, die sie 2004 einrichtete. Und mit musikalischen Lesungen, wie am 11. Juni in der Krielower Kirche.

Die Krielower Kirche ist stark sanierungsbedürftig. Quelle: JACQUELINE STEINER

Aus den Erinnerungen ihres Vaters Willi wird Marguerite Kollo vortragen. Ergänzt mit zahlreichen Melodien und Texten sowohl vom Vater als auch vom Großvater. Unter dem Titel „Als ich jung war in Berlin“ hat der Schott Verlag Music eine musikalisch-literarische Biografie herausgegeben, die zugleich ein Stück Kulturgeschichte der Musikmetropole Berlin von der Gründerzeit über die Goldenen Zwanziger bis zum Dritten Reich aufblättert.

Der Eintritt von zehn Euro für diese Benefizveranstaltung kommt ausschließlich der Sanierung der Kirche zugute. „Wir sind den nächsten Generationen gegenüber verpflichtet dieses christliche Wahrzeichen zu erhalten. Wer nicht zum Gottesdienst kommt, soll darin wenigstens Kultur machen oder genießen können“, findet die Neu-Krielowerin. Ihre Lesung wird bei älteren Zuhörern viele Erinnerungen wecken. Und die Jungen könnten Lust bekommen, sich neu mit der Geschichte fröhlicher Walzer, frecher Couplets und Lieder, die zu volkstümlichen Schlagern geworden sind, zu beschäftigen. Marguerite Kollo freut sich auf ihren Einsatz als Botschafterin der Operette: „Denn diese Musik darf nicht sterben.“

Von Frank Bürstenbinder

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