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Seelensdorf: Ruhig, grün und ganz weit draußen

Zuhause in... Seelensdorf: Ruhig, grün und ganz weit draußen

Nach Seelensdorf (Havelsee) kommt kein Bus, es gibt keinen Laden, die nächste Rettungswache ist weit weg. Trotzdem wohnen Wolfgang und Heike Wagner seit einigen Jahren in dem abgelegenen Ort zur Miete. Das 200 Jahre alte Haus haben sie mit viel Eigeninitiative selbst saniert.

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Heike und Wolfgang Wagner vor ihrem sanierten Wohnhaus.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Seelensdorf. Ein Häuschen im Grünen, drei Zimmer, überdachte Terrasse, viel Platz zum Austoben für die Enkel und keine Parkplatzsorgen. Wolfgang (55) und Heike Wagner (54) haben ihr kleines Paradies gefunden. Das steht mitten in Seelensdorf und hat gleich zwei Hausnummern: 9 und 10. Diese stammen noch aus der Zeit, als das Anwesen als Doppelhaus diente. Noch früher wohnte und unterrichtete der Lehrer hinter den Ziegelwänden.

Rund 200 Jahre Seelensdorfer Geschichte hat das auf einem Feldsteinfundament stehende Gemäuer erlebt. Eigentlich sollte es das Haus nicht mehr geben. Das Domstift als Eigentümer und Vermieter war drauf und dran das einst ruinöse Gebäude abtragen zu lassen. Doch dann kamen die Wagners. Das Ehepaar brauchte kurzfristig ein neues Zuhause. „Wir krempeln die Arme hoch. Aus dem Haus kann man was Schönes machen“, gab sich Wolfgang Wagner optimistisch. Gattin Heike reagierte weniger euphorisch. Freunde und Bekannte wurden deutlicher: „Ihr habt einen Knall!“.

Kein Wunder, die Bausubstanz erwies sich als marode. Vom Dach bis zum Fußboden war so ziemlich alles im Eimer. Doch die Wagners meinten es ernst. Sie zogen samt Tochter Jenny ein. Je nach Sanierungsfortschritt wechselten sie von einem Zimmer ins nächste. Während der Vermieter das Dach neu decken ließ, spuckte die Familie in die Hände. Mit viel Eigeninitiative wurde das Abrissobjekt in ein gemütliches Heim verwandelt. Wo einst zwei Flure waren, entstand eine große Küche. Auch die beiden handtuchschmalen Bäder wurden vereinigt. Nur der Heißluftofen aus DDR-Zeiten blieb stehen. Geheizt wird immer noch mit Holz.

„Über ein Jahr haben wir auf einer Baustelle gelebt. Aber es hat sich gelohnt. Aus Seelensdorf möchten wir nicht mehr weg“, sagt Wolfgang Wagner. Das liegt nicht nur an der Ruhe und dem idyllischen Anwesen mit Stall und Scheune. Von der aus nur 35 Personen bestehenden Einwohnerschaft wurden die Neuen von Anfang an herzlich aufgenommen. Die Seelensdorfer sind aufeinander angewiesen. Nicht nur weil die Winter in der Heide lang sein können. Auf der einzigen Zufahrtsstraße kommt kein Bus, es gibt keinen Laden, die nächste Rettungswache ist weit weg. Dafür gibt es einen frei stehenden Glockenstuhl, einen Steinbackofen und einen eigenen Friedhof.

In diesem scheinbar von der Außenwelt abgeschnittenen Wohnplatz helfen sich die Seelensdorfer selbst. Zu Beratungen und Festen treffen sie sich im Gemeinderaum, der einmal ein Gaststättensaal war. Vertrauensperson und so etwas wie ein heimlicher Bürgermeister ist Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz, der nicht weit weg von den Wagners im 1775 errichteten Forsthaus seinen Wohn- und Dienstsitz hat.

Von Frank Bürstenbinder

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