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Anregung: Führerschein gegen Freifahrschein

Senioren im Straßenverkehr Anregung: Führerschein gegen Freifahrschein

Den Führerschein abgeben und als Ausgleich für eine bestimmte Zeit einen Freifahrschein für Busse und Bahnen bekommen. Diesen Vorschlag von Manfred Linke (84) im Seminar „Senioren im Straßenverkehr“ in Brandenburg an der Havel fanden alle Teilnehmer gut. Doch deutlich wurde auch, wie schwer es fällt, auf die eigene Fahrerlaubnis zu verzichten.

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Peter Liskowsky (rechts) diskutiert mit Senioren über die Anforderungen im Verkehr

Quelle: Lauterbach

Brandenburg/H. Die Augen werden schlechter, die Ohren hören nicht mehr wie früher und auch die Reaktionsfähigkeit lässt im Alter nach. Trotzdem möchten viele Senioren nicht auf das eigene Auto und verzichten.

„Wie wäre es, den Führerschein abzugeben und als Ausgleich dafür für eine begrenzte Zeit einen Freifahrschein für die Busse und Bahnen in der Stadt zu bekommen?“, fragt Manfred Linke (84). Beim Seminar „Senioren im Straßenverkehr“ am Dienstag fanden alle Teilnehmer seine Idee grundsätzlich gut.

„Wer den Mut aufbringt, auf seinen Führerschein zu verzichten, sollte dafür belohnt werden“, sagte einer der zwölf Seminarteilnehmer. „Das wäre nützlich, vor allem für Bürger die in der Stadt leben“, stimmt Gudrun Augennadel (75) zu. Sie fährt fast täglich Auto und ist darauf angewiesen. Da sie außerhalb wohne und eine halbe Stunde zur nächsten Haltestelle laufen müsste, würde ihr ein Freifahrschein wenig bringen.

Als Ausgleich Freifahrscheine für Bus und Bahn

Die Rentner, die das Angebot der Akademie 2. Lebenshälfte wahrnehmen und allmonatlich das Verkehrsseminar für Senioren besuchen denken regelmäßig über die Anforderungen im Straßenverkehr nach, diskutieren mit Moderator Peter Liskowsky (71) Probleme, die sich gerade älteren Leuten im Verkehr stellen.

Alle Seminarteilnehmer benutzen das Auto und haben auch im vorgerückten Alter Gefallen daran. „Ein Leben ohne Auto kann ich mir so lange nicht vorstellen, wie die Gesundheit noch mitspielt“, sagt Rainer Sievers (75). „Als gelernter Automechaniker kann ich nicht darauf verzichten“, sagt auch Lutz Stiebing (74), der von Golzow zurück nach Brandenburg zieht. Doch müsse man seinen Gesundheitszustand stets im Blick behalten.

Testfahrten für Senioren gefordert

85 Prozent der Menschen, die älter sind als 65 Jahre, fahren in Deutschland Auto, berichtet Seminarleiter Peter Liskowsky. 36 Prozent führen Fahrrad, 4 Prozent nutzen das Taxi, 24 Prozent öffentliche Verkehrsmittel und 42 Prozent gingen zu Fuß.

95 Prozent der Hausärzte lehnen nach Liskowsky Angaben Fahrtauglichkeitsuntersuchungen ab, unter anderem weil sie aufwendig sind und nicht bezahlt werden.

Ältere Autofahrer sollten mittelfristig gesetzlich dazu verpflichtet werden, Testfahrten mit geschulten Beobachtern vorzunehmen, forderte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zum Verkehrsgerichtstag, der im vergangenen Monat in Goslar stattfand. Ziel dabei sei es aber nicht unbedingt, dass Senioren den Führerschein abgeben.

Senioren ab 75 Jahren sollten zu einer Testfahrt verpflichtet werden, um ihre Fahrtüchtigkeit zu kontrollieren, forderten jüngst auch die Grünen. Mit Tipps von Fachleuten könnten Menschen länger mobil bleiben. Die Testfahrten sollten nicht dazu dienen, den Senioren den Führerschein wegzunehmen, sagte Stephan Kühn, der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Vor diesem Hintergrund befürwortet auch Seminarmoderator Peter Liskowsky das Modell Führerschein gegen Freifahrschein. Seit 1991 bietet der frühere Berufschullehrer für den Autoclub Europa ,Verkehrsschulungen an. Er plädiert für Selbstkontrolle. Wer sich zu schwach fühlt, könne mit sich ins Reine kommen, wenn er seinen Führerschein in den Panzerschrank legt. Liskowsky berichtet von einem Verwandten, der nun mit 87 Jahren sein Auto ein für allemal verkauft habe.

Den Seminarteilnehmern empfiehlt der Moderator ein offenes Gespräch mit dem Arzt des Vertrauens über die eigene Fahrtauglichkeit. Einen Anreiz wie eine ÖPNV-Fahrkarte würde nach seiner Einschätzung vermutlich gern angenommen.

Plädoyer für Selbstkontrolle

Manfred Linke, der von ähnlichen Projekten in anderen Städten hörte, hatte sich mit seiner Idee bereits hoffnungsvoll an die Brandenburger CDU gewandt, weil er ihr zutraute, einen solchen Vorschlag auch umzusetzen. Doch Linke wurde enttäuscht. „Vor einem halben Jahr habe ich den Vorschlag schriftlich in der Geschäftsstelle abgegeben, aber nie eine Antwort bekommen“, berichtete der rüstige Rentner den kopfschüttelnden Seminarteilnehmern.

Die MAZ hatte CDU-Mann Walter Paaschen bereits vor etlichen Wochen nach Linkes Initiative gefragt. Damals gab er ihr zwar nicht allzu viele Chancen, wollte das Thema aber in seiner Partei ansprechen.

Von Jürgen Lauterbach

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