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Seniorenpaar hat in Gortz ein Zuhause gefunden

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Seniorenpaar hat in Gortz ein Zuhause gefunden

Erika und Erich Winkler gehören zu den Gortzern, die erst seit einigen Jahren im Dorf leben. Ganz unbekannt ist dem früher in Henningsdorf wohnenden Ehepaar der Ort aber nicht. Denn das neue Zuhause ist das Anwesen von Erich Winklers Großvater, dem Fleischermeister und Gastwirt Willy Tuch.

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Erika und Erich Winkler leben seit 2000 in Gortz.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Gortz. In das Haus mit der Nummer 14 gingen Generationen von Gortzern ein und aus. Zum Einkaufen, Bier trinken und Schwofen. Unter einem Dach gab es praktisch alles, was früher zum Überleben auf dem Lande gebraucht wurde. Das ist lange her. Heute hält einmal am Tag der Schulbus vor dem grau verputzten Anwesen. Ansonsten ist der betonierte Vorplatz verwaist.

Das im Ursprung rund 300 Jahre alte Vorderhaus ist derzeit nicht bewohnt. Dafür haben es sich Erich (76) und Erika (76) Winkler in einem 1929 errichteten Anbau mit einigem Sanierungsaufwand gemütlich gemacht. Vom Wohnzimmer blickt man in den Garten mit seinen alten Obstbäumen. Unter einem großen Walnussbaum kommt Erich Winkler ins Erzählen. Er kennt den Hof seit Kindertagen. Es war nämlich sein ursprünglich in Brielow lebender Großvater Willy Tuch, der sich 1924 in Gortz niederließ.

Willy und Elsbeth Tuch mit den Kindern vor ihrer Gortzer Zeit

Willy und Elsbeth Tuch mit den Kindern vor ihrer Gortzer Zeit. Die Tochter ist Erich Winklers Mutter.

Quelle: Privat

Der Fleischermeister machte aus der Dorfkneipe samt Kolonialwarenladen von Vorgänger Richard Tornow ein florierendes Familienunternehmen mit Schlachtung und Fleischerei. „Die Wurst fand bis nach Brandenburg und Spandau Absatz“, berichtet Erich Winkler. Fleißig wurde an- und umgebaut. Ein Saal musste her. Er war Treffpunkt für die Tanzpaare aus der ganzen Umgebung. Ausgeschenkt wurde Gerstensaft der Brandenburger Brauerei Schmidt.

Bei Kriegsende war es mit der Herrlichkeit vorbei. Die Russen besetzten das Anwesen, später wurden Flüchtlinge einquartiert. Die Fleischerei musste 1948 dicht machen, fünf Jahre später war der Laden zu, 1957 schloss Großvater Willy die Kneipentür ab. Von Anfang der 1960er-Jahre bis zur Wende gab es ein Comeback als Konsum-Verkaufsstelle.

Der gebürtige Brandenburger Erich Winkler dachte nie im Traum daran, eines Tages nach Gortz zu ziehen. Als Elektroanlagenbauer verschlug es ihn ins Stahlwerk nach Hennigsdorf. „Dort hatten wir eine schöne AWG-Wohnung“, berichtet Ehefrau Erika, die ihr Berufsleben lang Verkäuferin war. 2000 kam alles anders. Die Winklers verlegten ihren Lebensmittelpunkt aus familiären Gründen dann doch ins Amt Beetzsee. Elfriede Findeisen, eine inzwischen verstorbene Schwester von Erich Winklers Mutter, wohnte im Vorderhaus und wurde pflegebedürftig.

„So kam es, dass ich Großvaters Grundstück übernahm“, berichtet Erich Winkler. Der handwerklich versierte Rentner spuckte in die Hände und begann im umfangreichen Gebäudebestand mit Reparatur- und Modernisierungsarbeiten. Doch die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Eine neue Küche ist noch das Ziel. Dann hoffen die Winklers auf ihre Enkel, die vielleicht einmal das Erbe von Ururgroßvater Willy Tuch in Gortz antreten wollen.

Von Frank Bürstenbinder

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