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Brandenburg/Havel Verbrecherkarriere endet in Psychiatrie
Lokales Brandenburg/Havel Verbrecherkarriere endet in Psychiatrie
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20:47 31.01.2016
Jaqueline F. vor der Urteilsverkündung mit ihrem Verteidiger Thomas Arndt. Quelle: Lauterbach
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Brandenburg/H

Dass Jaqueline F. (30) mit einem Messer auf ein Mädchen losgegangen ist, stimmt nicht. Ansonsten gesteht die Einbrecherin aus Brandenburg-Nord vor Gericht die meisten der 18 vorgeworfenen Straftaten zwischen dem 3. Dezember 2014 und 11. Januar 2015. Zu drei Jahren Gefängnis wird die unberechenbare und daher gefährliche Frau verurteilt. Die Potsdamer Richter weisen sie in die Gerichtspsychiatrie ein.

Die Liste der Anklage ist zu Beginn des mehrtägigen Prozesses vor der 2. Strafkammer lang und wird bis zum Urteil kaum kürzer. Nur den Messerangriff auf die achtjährige Tochter einer Freundin in der Straßenbahn hat es nie gegeben. Das Kind räumte im Gericht ein, dass sie sich die Geschichte nur ausgedacht habe.

Die Verbrechen der Jaqueline F.

Es bleiben aber übrig etliche Einbruchsdiebstähle und Einbruchsversuche in der Stadt Brandenburg, wiederholte Körperverletzungen, Beleidigungen und Bedrohungen, die auch vor den nächsten Verwandten nicht Halt machen. Die vierfache Mutter Jaqueline F. (30) wirkt im Gerichtssaal freundlich, fast schüchtern, in keiner Weise auffällig oder gar abstoßend. Die glatten langen Haare hinten zusammengebunden folgt sie dem Urteil ruhig, ohne erkennbare Regung. Die Gutachterin stuft sie als gemindert intelligent sein und berichtet, dass sie seit ihrer schwierigen Kindheit extrem aggressiv.

Die Frau, die bereits eine zweijährige Gefängnisstrafe hinter sich hat, stand im fraglichen Tatzeitraum ständig unter Drogen, war also in ihrer Steuerungsfähigkeit erheblich gemindert, wie es im Gerichtsdeutsch heißt. Dennoch wusste sie sehr wohl, dass ihre Aktionen verboten waren.

Hass richtet sich gegen die eigene Familie

Tageslang verfolgte sie die Großeltern ihres jüngsten Kindes mit ekelhaften elektronischen Nachrichten, beschimpfte sie massiv mit unflätigen Ausdrücken. So stark, dass ihr Opfer mehrere Wochen krankgeschrieben wurde. Auch ihre eigene Mutter schonte Jaqueline F. nicht.

„Ich bringe dich heute noch um“, drohte sie der ungeliebten Mutter am 18. Dezember 2014 auf dem Brandenburger Weihnachtsmarkt. Zwei Tage später pöbelte sie dort an einem Stand des Marktes herum. Als ein sehr kräftiger Freund des Besitzer sie bremsen wollte, knallte sie ihm eine mit der flachen Hand ins Gesicht.

Gewalttätig wurde die Frau auch gegenüber Polizisten und Zeugen, die sie bei einem ihrer Einbrüche erwischten. Auf der Polizeiwache versuchte sie, eine Beamtin zu schlagen und zu treten, streifte sie aber nur. Dafür bekam ein Kriminaloberkommissar ihr Gebiss in seiner Hand zu spüren.

Der schlimmste Ausraster

Die schlimmste Straftat von Jaqueline F. im fraglichen Zeitraum war der Angriff gegen eine Hausbewohnerin, die sie nach ihrem Einbruch dabei störte, Leergutkisten aus dem Keller zu stehlen.

Diese Zeugin bekam die geballte Kraft der relativ zierlichen Frau zu spüren. Die legte nämlich wieder ihren Schalter im Kopf um schlug ihr mit der Faust ins Gesicht, zog sie an den Haaren, schlug deren Kopf gegen die Flurwand und zerrte sie schließlich rücklings die Treppe hinab, um anschließend auf sie einzutreten und zu schlagen.

Das Opfer trug außer Prellungen und Schwellungen eine Wirbelsäulenverstauchung und eine Gehirnerschütterung davon und war eine Zeit lang arbeitsunfähig.

Gegen den Freund schleuderte die Brandenburgerin eine Flasche, die ihn zum Glück nicht traf, sondern an der Tür zerschellte. Denn der Mann hatte jene Tür geistesgegenwärtig zugeworfen. Eine weitere Zeugin bekam allerdings noch zweimal die mit einem Schlüsselbund gefüllte Hand der Jaqueline F. im Gesicht zu spüren.

Zu den gewalttätigen Übergriffen kamen weitere Einbrüche, die ohne Blutvergießen endeten. Richter Jörg Tiemann hielt der Angeklagten zugute, dass sie ihre Missetaten gestand und durchaus Reue zeigte.

Ärzte wollen die Frau therapieren

Er berücksichtigte auch dass sie unter dem Einfluss der Mutter „keine leichte Kindheit“ hatte. Doch ihre einschlägigen Vorstrafen, die Masse der Straftaten und das Anstacheln von Mittätern mündeten in der dreijährigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Ihr Verteidiger Thomas Arndt hatte zweieinhalb Jahre beantragt, die Staatsanwältin freieinhalb Jahre Haft gefordert.

Jaqueline F. wird die nächste Zeit hinter Gittern in dem Krankenhaus verbringen, in dem Ärzte versuchen, psychisch kranke Straftäter zu therapieren.

Von Jürgen Lauterbach

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