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Sieben Monate Gefängnis für Lappalien

Verurteilung Sieben Monate Gefängnis für Lappalien

21 Vorstrafen, eine laufende Bewährung und eine schlechte Prognose – da kann auch eine relative Lappalie genügen, um für einige Zeit ins Gefängnis zu wandern. In Brandenburg an der Havel erhält Serienstraftäter Torsten M. keine erneute Bewährungschance

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Quelle: dpa

Brandenburg an der Havel. Diesmal gibt es keine Schonung mehr für Torsten M. (52), auch wenn der Staatsanwalt den Anklagevorwurf des Raubes und der Körperverletzung währen des Prozesses vor dem Schöffengericht Brandenburg fallen lässt. Die kleineren Delikte reichen diesmal, dass der arbeitslose Fleischer sieben Monate hinter Gitter muss. Denn er hat 21 Vorstrafen, von denen einige einschlägig sind. Zudem stand er dreimal unter Bewährung, als er sich erneut strafbar machte.

Torsten M. ist offenkundig Alkoholiker, Quartalssäufer, wie er selbst einräumt. Sein Tagesschnitt liegt, so das Geld dafür vorhanden ist, bei zwei Flaschen Schnaps, gern Whisky, plus Bier. Arbeit ist seine Sache schon längst nicht mehr, manchmal findet er Gelegenheitsjobs, zumeist sucht er die aber gar nicht.

Dafür ist die Gier nach Alkohol groß. So wie am 12. September des vergangenen Jahres. Mit einem Pegel von etwa 3,3 Promille räumte der fünffache Vater eine Flasche Wodka aus dem Regal des Netto-Marktes in der Karl-Marx-Straße, nahm noch eine Sonnenbrille dazu und wollte den Laden verlassen, ohne die fälligen zwölf Euro zu bezahlen.

Neuankömmling landet im Hospital

Die stellvertretender Marktleiterin hinderte ihn daran. Ohne Widerstand reichte Torsten M. ihr das Diebesgut.

Wenige Tage zuvor soll er Schlimmeres angestellt haben. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 2014 pichelte er mit einem Kumpel am Beetzseeufer. Irgendwann kam ein nicht besonders enger Bekannter hinzu. Was dann genau geschah, ließ sich vor Gericht nur unvollständig ermitteln.

Denn der Neuankömmling landete wenig später im Krankenhaus mit einem Schädelhirntrauma und deutlichen Gesichtsverletzungen. Der Staatsanwalt warf Torsten M. vor, den Zecher so übel zugerichtet zu haben. Das Opfer Sven G. (40) erinnert sich nicht, was passiert ist. Sven G. erklärt die eigene Erinnerungslücke mit „geistiger Umnachtung“ und einem Filmriss.

Angeklagter bestreitet Tat

Der Angeklagte bestreitet, Sven G. geschlagen zu haben und zeigt auf seinen Trinkkumpan Hardy N. (33), der wegen einer früheren Sache wohl in Streit mit dem Prügelopfer geraten sei. Tatsächlich bekennt sich Hardy N. als Zeuge vor Gericht zu den Handgreiflichkeiten und berichtet, dass er anschließend selbst den Rettungswagen gerufen habe. Der Staatsanwalt notiert die Aussage, so dass Hardy N. demnächst mit einem eigenen Strafverfahren rechnen muss.

Immerhin ist sein angeklagter Kumpel Torsten M. damit in Sachen Raub und Körperverletzung aus dem Schneider. Dessen Geschichte gewinnt an Glaubwürdigkeit, nämlich dass er das Smartphone des Prügelopfers am Steg gefunden und eingesteckt habe. Weil er seine Sachen schließlich auch nie zurückerhalte.

Mit diesem Smartphone machte der Angeklagte ein kleines Geschäft, verkaufte es für 15 Euro an einen Man, den er über ein paar Ecken kannte. Das Schöffengericht verurteilte Torsten M. wegen dieser Unterschlagung und wegen des Wodkadiebstahls zu sieben Monaten Gefängnis.

Torsten M bekam keine Bewährung wegen seiner vielen Vorstrafen und weil weder Richterin noch Schöffen Anhaltspunkte dafür fanden, dass der sozial abgeglittene 52-Jährige mit dem jahrelangen Alkoholproblem sich bessern könnte. Eine Therapie scheint für ihn keine ernsthafte Option zu sein.

Der Staatsanwalt hatte neun Monate gefordert, Verteidigerin Bettina Holstein sechs Monate.

Von Jürgen Lauterbach

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