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Silberstreif am Theaterhimmel

Brandenburg an der Havel Silberstreif am Theaterhimmel

Brandenburgs Bürgermeister und Oberbürgermeisterkandidat Steffen Scheller (CDU) hat sich unerwartet deutlich für positive Veränderungen am Brandenburger Theater ausgesprochen. Das ist ein 180-Grad-Schwenk zur aktuellen Politik und eine Rückkehr auf die Linie von Katja Lebelt, die bis Jahresbeginn als künstlerische Leiterin am Theater tätig war.

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Szene aus der Premiere des Brandenburger Jugendtheaters „Die Räuber“ am 22. April dieses Jahres.
 

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H.  Im Nachgang an die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD), wonach dieser auch ohne Kreisgebietsreform bei der Entschuldung der kreisfreien Städte helfen will, hat sich Brandenburgs Bürgermeister und Oberbürgermeisterkandidat Steffen Scheller (CDU) unerwartet deutlich für positive Veränderungen am Brandenburger Theater ausgesprochen.

„Die Kulturlandschaft ist im Zuge des Theaterverbunds landesweit massiv beschädigt worden. Ich halte es für wichtig und richtig, wenn wir mit den versprochenen zusätzlichen Landesmitteln die am Brandenburger Theater einstmals abgewickelte Schauspielsparte wieder stärken und Angebote für unsere Bürger machen können.“

Das ist nicht weniger als ein 180-Grad-Schwenk zur aktuellen Politik der ehemaligen Stadtspitze und eine Rückkehr auf die Linie von Katja Lebelt, die bis zum Jahresbeginn als künstlerische Leiterin am Brandenburger Theater tätig war, dann aber entnervt und krank aufgab. Lebelt wollte mit einfachen Mitteln – freien Schauspielern und Sängern – zusammen mit dem Orchester auch wieder Musiktheater und Schauspiel in die Stadt und auf die technisch hervorragend ausgestattete Bühne des BT bringen.

Geschäftsführer Deschner allerdings sorgte sich, dass das ohnehin finanziell angeschlagene Theater überfordern würde. Brandenburg brauche jedoch über das Orchester hinaus wieder „Gesichter von Künstlern, die man kennt und die zur Stadt gehören. Dann identifizieren sich die Menschen wieder mit ihrem Theater“, sagt nun Scheller. Der Gesellschafter – also die Stadt – werde, so der Bürgermeister, darauf dringen, dass zügig ein neuer Geschäftsführer und ein neuer künstlerischer Leiter gefunden würden, die zusammen „einen Neustart machen können.“ Damit stellt sich Scheller an die Seite des Beigeordneten Wolfgang Erlebach (Linke), der seit Jahren nur zögerlich am BT agierte – gleichwohl jetzt aber eine baldige Nachbesetzung an der Spitze des Hauses angekündigt hatte.

Der frühere Wobra-Geschäftsführer Klaus Deschner, der Mitte 2016 aus dem Ruhestand geholt worden war und der das BT finanziell stabilisiert hat, hat noch einen Vertrag bis Mitte 2018. Er erklärte in der Vorwoche, das BT arbeite gegenwärtig an einem „Profilpapier für die künstlerische Ausrichtung“.

Eine solche Aufgabe soll dem neuen künstlerischen Leiter überlassen werden, sagt hingegen Steffen Scheller. Er kündigte an, in den kommenden Wochen mit dem Kulturministerium darüber sprechen zu wollen, wie die Ausrichtung des BT über das Jahr 2018 aussehen könne.

Im Kulturministerium ist man nicht gut auf das BT zu sprechen. Das ist nicht nur Deschners Schuld. Aber eben auch seine: Im Schreiben an die Theaterreferats-Chefin Cerstin Gerecht hatte Deschner erst am 25. Oktober im Zusammenhang mit dem Theaterverbund und dem Auftritt des Frankfurter Staatsorchesters kurz zuvor erklärt: ein „weiteres klassisches Konzert stellt grundlegend keinen Mehrgewinn für interessierte Besucher dar.“

Würde das stimmen, würde der Theaterverbund im Grundsatz infrage stehen, sagen Steffen Scheller und der Theateraufsichtsrat Florian Schmidt (beide CDU) sichtlich erschrocken. In der Folge ruderte Deschner zurück: „Die Feststellung, dass ein zusätzliches Konzert eines anderen Orchesters keinen Mehrwert für die Brandenburger darstellt, soll als Vermutung verstanden werden.“ Im Brief ans Ministerium findet sich diese Einschränkung nicht, dort steht „grundlegend“ und „kein Mehrgewinn.“

Überdies wirft das Ministerium Deschner vor, einen Haustarifvertrag für das Orchester über zehn Jahre zu Lasten Dritter (also des Landes) und ohne ausreichende Rücksprache abgeschlossen zu haben. Auch Scheller sagt: „Einen Zehnjahresvertrag hätte ich nicht unterschrieben!“ Deschner argumentiert: Er habe das Haus so langfristig auf sichere Füße gestellt.

Sieben Millionen Euro zahlen Land und Stadt pro Jahr für das Theater. Wobei Theater nur ein Synonym für eine Stadthalle mit gutem Orchester ist. Deshalb hat das Theater ein Akzeptanzproblem: Wenn die Symphoniker auf die Bühne kommen, ist der Laden fast voll, der Rest ist ein Trauerspiel. Insbesondere bei Angeboten des Theaterverbundes. Beim Konzert des Staatsorchester wurde eine Auslastung von 13 Prozent bilanziert. Erheblich mehr Musiker als Gäste wurden gezählt.

Nun schreibt Deschner: Dem mangelnden Besuch bei Veranstaltungen des Theaterverbundes wollen wir dadurch entgegenwirken, dass wir die Zusammenarbeit mit den Partnern intensivieren.“ Die Zahlen und Wolfgang Erlebach sprechen eine andere Sprache. Demnach werden in den Jahren 2017 und 2018 von den Verbundpartnern weniger Aufführungen und Stücke eingekauft als bisher.

Mit Blick auf erfolgreiche Landesbühnen in anderen Bundesländern, will Scheller nun dafür sorgen, dass das Image der Partner vor Ort verbessert werde. Wenn man stets beklage, dass die Aufführungen nicht angenommen würden, brauche man sich nicht wundern, wenn erfolgreiche Produktionen der Partner nicht ausgelastet sind. Wie es gut läuft, könnte sich das BT von Jörg Heyne erklären lassen. Deschners Vorgänger übernimmt den Job als Verwaltungsdirektors im Nordharzer Städtebundtheater. Zu dem Verbund gehören unter anderem Orchester, Schauspiel und Musiktheater in Halberstadt, Quedlinburg und Thale.

Die Signale aus dem Brandenburger Rathaus sind ein Silberstreif am Theaterhimmel. Das Theaterurgestein Christiane Ziehl war schlicht aus dem Häuschen, als sie Schellers Ankündigung vernahm und jubelte auf Facebook, während der Kultur-Frau der Linken, Heidi Hauffe, „noch der Glaube“ bezüglich Schellers Ankündigung fehlte. Der hingegen legt nach: „Das ist doch nicht missverständlich!“

Von Benno Rougk

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