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Brandenburg/Havel “Skandal-Urteil“ wird bundesweit diskutiert
Lokales Brandenburg/Havel “Skandal-Urteil“ wird bundesweit diskutiert
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13:09 26.04.2017
Das Gericht entschied: Es war keine Vergewaltigung. Quelle: Pixabay
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Brandenburg

Eine Gerichtsverhandlung in Brandenburg/Havel hat ein großes Echo gefunden, das weit über die Grenzen des Bundeslandes Brandenburg hinausgeht. In Blogs, den Sozialen Netzwerken und weit verbreiteten Lifestyle-Magazinen wie „Vice“ diskutieren Menschen über den Freispruch für einen jungen Türken, der in der vergangenen Woche wegen Vergewaltigung angeklagt war. Sogar Stern TV meldete sich bei der MAZ und fragte nach, ob es sich um ein „Skandalurteil“ handele.

Seit etlichen Tagen wird kein Beitrag auf der MAZ-online-Internetseite so oft geklickt wie der Beitrag: „Freispruch im Amtsgericht: Sex mit Gewalt, aber keine Vergewaltigung“. Das Amtsgericht in Brandenburg/Havel erhielt dazu mehrere Anfragen. Auch in der MAZ-Redaktion gingen Anrufe ein von Journalistinnen und Opferberaterinnen.

Auch Islam-Szene diskutiert den Fall

Der MAZ-Beitrag ist inzwischen auf einer ganzen Reihe von fremden Internetseiten verlinkt. Eine Stern-TV-Journalistin berichtet, dass sich auch die Islam-Szene in Deutschland für diesen Fall interessiere und ihn lebhaft diskutiere.

Die Empörung ist so groß, weil Gewalt im sexuellen Verkehr am 18. August 2016 in Brandenburg/Havel unstrittig eine große Rolle gespielt hat und dennoch ein Freispruch rausgekommen ist, der schwer zu verstehen ist.

Ein 23 Jahre alter türkischstämmiger Mann hatte eine Bekannte in jener Nacht in seiner Wohnung in der Innenstadt empfangen. Sie wollte Drogen von ihm kaufen. Gemeinsam nahmen sie Speed ein. Anschließend folgte über mehrere Stunden Geschlechtsverkehr, der von Gewalt geprägt war.

Sie schreit, er soll aufhören, und kratzt ihn

Der 1,82 Meter große, und 86 Kilo schwere Mann warf die 26 Kilo leichtere Frau aufs Bett, zog ihr die Kleider aus und fiel über sie her. Dabei drückte er ihre Schenkel auseinander, presste ihr Schulter gegen das Bettgestell und ihren Kopf zwischen zwei Stäbe des Gestells.

Sie rief den Angaben zufolge „Aufhören“, er machte weiter, auch wenn er zunehmend weniger sexuelle Energie hatte und sich mit seiner Lust reichlich abquälte. Irgendwann hörte sie auf zu protestieren und ließ alles über sich ergehen, auch die schmerzenden Schultern und Oberschenkel.

Als Angeklagter verteidigte sich der junge Mann damit, dass der Sex zwar hart, aber doch einvernehmlich gewesen sei. Die von ihr zugefügten Kratzer auf seinem Rücken will er als Ausdruck von wildem Sex verstanden haben.

Unterlag der Mann einem Irrtum?

Entscheidend für den Ausgang des Prozesses und damit für denn Freispruch war die Aussage des mutmaßlichen Opfers, dass nach dem Verkehr vor Schmerzen offenbar wochenlang nur noch gekrümmt laufen konnte.

Für Schöffenrichterin Susanne Götsche und den Staatsanwalt im Prozess entlastete ein wiederholt geäußerter Satz der Zeugin den jungen Mann. Denn sie habe es auf Nachfrage für möglich gehalten, dass er den Sex als einvernehmlich wahrgenommen habe. Er könnte also dem Irrtum unterlegen gewesen sein, dass auch sie den Geschlechtsverkehr in dieser Form wollte.

Für Staatsanwalt und Gericht war kein Vergewaltigungsvorsatz und somit keine Straftat mehr nachweisbar. Eine gewisse Rolle spielte bei der rechtlichen Würdigung auch, dass der junge Mann zwar Oralverkehr wünschte, aber darauf verzichtete, weil sie das ablehnte.

Eher am Rande spielte für die rechtliche Beurteilung eine Rolle, dass es der Partner und die Cousine des Opfers es waren und nicht sie selbst, die zur Polizei gehen und den Fall anzeigen wollten. Ihr Umfeld habe sie also dazu überredet, so wurde es im Prozess gesagt.

Von Jürgen Lauterbach

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