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So kämpft eine Stadt gegen Müllsünder

Brandenburg an der Havel So kämpft eine Stadt gegen Müllsünder

Spraydosen, Matratzen, aber vor allem Plastikverpackungen – in Brandenburg an der Havel landet vieles in der Bio-Tonne, was dort nichts zu suchen hat. Das hat Folgen: Die Kosten für die Entsorgung steigen. Nun greifen die Stadt und der Müllentsorger zu Gegenmaßnahmen.

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Das alles landet in der Bio-Tonne.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. Waschpulver, Spraydosen, Bauschutt, Asbestplatten, Matratzen und sogar ganze Autobatterien landen in den Brandenburger Bio-Abfalltonnen. Den größten Anteil unter den „Störstoffen“ machen aber Folien, Plastiktüten und andere Kunststoffverpackungen aus. Bis zu 40 Prozent Fehlbefüllungen diagnostiziert der Entsorger Mebra. Bis zu fünf Prozent wären noch hinnehmbar.

Das Problem ist lange bekannt. „Wir haben den Beanstandungsaufkleber eingeführt und auch durchgesetzt, dass Bio-Tonnen mit Störstoffen den Aufkleber ,falsch befüllt’ bekamen und stehengelassen wurden. Das betraf bis zu 100 Tonnen am Tag“, sagt Mebra-Prokurist Stephan Köpping. Natürlich sei der Aufstand bei Bürgern und Wohnungsgesellschaften groß gewesen, irgendwann ist die Mebra eingeknickt und hat die Tonnen weggefahren, blieb aber auf den Mehrkosten fürs Mülltrennen beziehungsweise fürs Entsorgen als Hausmüll sitzen. Gleichzeitig startete sie eine große Informationskampagne, die kurzfristig für Besserung sorgte. Das hielt wenige Wochen.

Bis zu 6000 Tonnen Kompost im Jahr

Der Bio-Müll wird mit einem handelsüblichen Fahrzeug abgefahren, wie es auch für den Hausmüll verwendet wird.

Der Inhalt von 500 Behältern passt in ein Fahrzeug.

Auf der Kompostieranlage Fohrde wird die Ladung abgesetzt, durch Belüften und Wasserzugabe kommt der Kompostierungsprozess selbsttätig in Gang.

Durchschnittlich sechs Wochen brauchen die Abfälle, bis sie Kompost sind. In dieser Zeit werden sie zweimal umgesetzt.

Gemessen werden die Temperaturen im Inneren der Miete, auch wegen des Nachweises der Hygienisierung.

Am Ende wird der Kompost gesiebt und verkauft – bis zu 6000 Tonnen im Jahr, davon 600 bis 800 Tonnen an private Kunden über den Wertstoffhof.

Nun gibt es einen neuerlichen Anlauf: Vertreter des Entsorgers und der Stadtverwaltung fahren vor dem Sammelfahrzeug her und kontrollieren die Tonnen, für die Stadt macht das Katharina Bier: „Ich greife natürlich nicht hinein, aber ich öffne die Tonne und dokumentiere es, wenn das Falsche drin ist.“ Dann bekommen die Behälter wieder einen Aufkleber und werden bis zu drei Monate stehengelassen. Wird in dieser Zeit nicht der falsche Müll heraussortiert, entsorgt die Mebra die Tonne als Hausmüll und stellt dies den Wohnungsgesellschaften beziehungsweise Hauseigentümern in Rechnung, mit Genehmigung der Stadt. Vor allem die Großsiedlungen wie Hohenstücken machen bekanntlich die größten Sorgen.

Mebra-Geschäftsführer Holger Ulbricht sagt, die Unternehmen wie Wobra, WBG und TAG Wohnen hätten das Problem erkannt, „sie alle suchen jetzt händeringend nach einem intelligenten Müllmanagement. Die Remondis-Gruppe mit Innotec bietet beispielsweise solche Lösungen an.“

Die städtische Fachgruppenleiterin Kirstin Ohme verteidigt das neu abgestimmte Vorgehen: „Bleiben die Zustände mit den falsch befüllten Bio-Tonnen müssten wir massiv die Gebühren anheben, weil uns der Versorger den Mehraufwand in Rechnung stellen. Das wäre aber ungerecht gegenüber den Menschen, die ordnungsgemäß ihre Abfälle entsorgen.“ Sehr häufig trete das Phänomen auf, dass die Brandenburger zwar ordentlich ihren Bio-Abfall sammeln, diesen aber mit Tüte wegschmeißen. „Dabei steht die Restmülltonne in den meisten Fällen gleich daneben. Die Verbraucher sollten auch nicht darauf vertrauen, dass die Tüten aus dem Handel wie versprochen recyclingfähig sind. Dem ist nicht so.“

Die Mebra laufe zudem Gefahr, die Zertifizierung für ihren Kompost zu verlieren und dann gebe es ein richtiges Problem – für alle Beteiligten.

Von André Wirsing

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