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So lebt ein Berufsoptimist mit Spenderherz

Fremdes Organ seit 2009 So lebt ein Berufsoptimist mit Spenderherz

Seit 2009 lebt Martin Maier (51) aus Brandenburg an der Havel mit einem Spenderherz. Mehr als 30 Operationen liegen hinter ihm. Zuvor schlug lange ein Kunstherz in seiner Brust. Das Erstaunliche: Den Lebensmut hat der 51-Jährige in all den Jahren nie verloren.

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Martin Maier lacht und kocht für sein Leben gern.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Martin Maier (51) könnte bei seinem Optimismus als Werbeträger für Organspenden Karriere machen. Fast 30 Operationen liegen hinter ihm, seit 2009 lebt er mit einem Spenderherz, neue Beschwerden schleichen sich immer wieder in sein Leben. Und dennoch sagt der Brandenburger: „Ich kann gut leben“.

Vor rund zehn Jahren traf die MAZ den gelernten Schuhmacher zum ersten Mal, damals im Berliner Paulinenkrankenhaus. Dort hielt man Martin Maier monatelang mit Medikamenten am Leben, jeden Tag wartete der Berufsoptimist auf die erlösende Botschaft: Wir haben ein Spenderherz für sie.

Der Traum wurde 2009 Wirklichkeit. Die Transplantation im Berliner Herzzentrum verlief erfolgreich, der zwischenzeitlich nach Hause gekehrte Patient konnte sein Kunstherz in die Ecke stellen. Denn das neue Herz in seiner Brust schlug zuverlässig in regelmäßigem Takt.

Ein Virus zerfrass die linke Herzkammer

Hinter Martin Maier lag die Hölle, nachdem sein Herz im Jahr 2005 versagt hatte. Denn der Patient hatte eine Angina verschleppt, ein Virus zerfrass die linke Herzkammer.

Hinter ihm liegt die Hölle, vor ihm zwar alles andere als das Paradies, aber doch ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Eben mit regelmäßigen ärztlichen Kontrollen und leider auch neuen Erkrankungen, Begleiterscheinungen und Folgen der Medikamententherapie, der täglich 21 Tabletten. Martin Maier sieht auch das entspannt oder vermittelt zumindest den Eindruck: „Es waren schon mal mehr als 30“, sagt er.

Biene schlug Martin Maier für Sterntaler vor

Die MAZ-Leser haben einen kleinen Anteil daran, dass es Martin Maier heute besser geht als vor neun, zehn Jahren. Denn sie gaben ihm Hoffnung, als er die Hoffnung schon fast verloren hatte.

„Biene“ lautet der Spitzname der Brandenburgerin, die die MAZ im Herbst 2007 auf das Schicksal des Mannes aufmerksam machte, der damals noch mit einem Kunstherz leben musste. Sie regte an, Martin Maier in der Sterntaler-Aktion zu bedenken.

Kleine Wünsche des schwerkranken fast mittellosen Mitbürgers erfüllten die MAZ-Leser mit ihren Sterntaler-Spenden. Die Erfüllung des größten Wunsches, eines Spenderherzen, ließ noch anderthalb Jahre auf sich warten.

„Das Herz an sich läuft top“, versichert der gebürtige Brandenburger, der in der Klingenbergsiedlung wohnte und inzwischen die Ruhe seines relativ neuen Wohnortes am Waldrand auf dem Görden genießt. So prima das Herz, so schlapp die Gefäße rundherum. „Die Tabletten haben mir die Hüfte kaputt gemacht“, erzählt Maier. Wegen Hautproblemen im Gesicht trägt er seit einiger Zeit einen Bart. Diabetes ist inzwischen auch dazu gekommen, Martin Maier hat gelernt, sich dreimal am Tag Insulin zu spritzen.

Maier bekommt viel Unterstützung und Hilfe seiner Nachbarn

Der Spenderherzträger berichtet von solch heftigen Beeinträchtigungen seiner Gesundheit nie wehleidig oder mit klagender Stimme. Meist klingt er fröhlich, weil er aus seiner zweiten Geburt im Jahr 2009 so viel Positives zieht.

Zum Beispiel, dass er immer noch leidenschaftlich und gut kocht und die Leinwand dem Pinselstrich des Hobbymalers gewogen ist. Oder dass seine Nachbarn auf dem Görden mit ein Auge auf ihn werfen, sich Sorgen machen und anrufen, wenn das Auto zu bestimmten Zeiten nicht an seinem Platz steht.

An machen Tagen will der Mann mit dem Spenderherz morgens nicht aus dem Bett hochkommen. Doch dann gibt es wieder Tage, an denen er seine Ärzte in Berlin mit einer Perücke auf dem Kopf zum Narren hält und das tut, was er gut kann: lachen.

Mit ehemaligen Patienten hat Maier inzwischen Freundschaft geschlossen

Im Haushalt macht Martin Maier alles selbst, sogar seine Einkäufe schleppt er, und beweist sich auch die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Eins weiß er sicher: ins Paulinenkrankenhaus möchte er nicht zurück. Aber um das Deutsche Herzzentrum und eine erneute Justierung seines Körpers kommt er nicht herum. Anfang des nächsten Jahres muss er nach Berlin. Denn die entscheidenden Körperwerte stimmen. Ein Mann, der knapp 30 Operationen und rund zehntausend Tabletten im Jahr übersteht, verliert auch darüber nicht seinen Mut.

Das liegt auch daran, dass er einige zuverlässige Freunde hat, die ihm immer Mut machen und helfen, wie sie können. Sein früherer Mitpatient Edgar Pitz und seine Frau Elfi aus Wustermark gehören ebenso zu diesen verlässlichen Ankern wie der Brandenburger Elektriker Torsten Börnicke, auf den sich Martin Maier seit der gemeinsamen Kindheit verlassen kann.

Von Jürgen Lauterbach

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