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Sohn erfüllt letztes Vermächtnis seiner Mutter

Spende für Rogäsener Kirchendach Sohn erfüllt letztes Vermächtnis seiner Mutter

Die Familie der verstorbenen Eva Krebs, geborene Gobell, hat jetzt deren letztes Vermächtnis erfüllt. Statt Blumen und Grabschmuck wollte sie, dass für die Instandsetzung der Kirche in ihrem Heimatdorf Rogäsen gespendet wird, in dem sie bis 1953 lebte. 2530 Euro kamen im Rheinland zusammen.

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Jürgen Gobell (v. l.), Walter und Martin Krebs vor der Rogäsener Kirche.

Quelle: Claudia Nack

Rogäsen. Die Familie von Eva Krebs, die als Eva Gobell in Rogäsen geboren, getauft und konfirmiert wurde und diesen Februar mit 76 Jahren in Koblenz starb, hat jetzt deren letztes Vermächtnis erfüllt. Statt Blumen und Grabschmuck wollte sie, dass für die Instandsetzung der Rogäsener Kirche gespendet werde, die seit 1978 kein Dach mehr hatte und wieder eins erhalten hat. 2530 Euro kamen zusammen. Und das von Leuten, die das 280-Seelen-Dorf im Fiener Bruch nicht kennen. Diese Spende hat Martin Krebs, der jüngste von zwei Söhnen, jetzt der Kirchengemeinde übergeben. In den Händen hielt er ein Foto seiner Mutter.

Der 49-jährige Gymnasiallehrer reiste nicht alleine aus dem Rheinland an, sondern in Familie gemeinsam mit Vater Walter Krebs (83) und Jürgen Gobell (73), dem jüngsten Bruder der Verstorbenen. Die Vorfahren waren seit dem 18. Jahrhundert im Fiener ansässig und hatten über Generationen das Amt des Dorfschulzen inne.

Das Heimatdorf 1953 verlassen

Die Gobells verließen ihr Heimatdorf 1953 wegen zu hoher staatlich verordneter Soll-Zahlen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wie andere größere Bauern auch. Der Familienrat hatte entschieden „wir gehen“. Schweren Herzens wurden Haus, Hof, Tiere und 42 Hektar Land zurückgelassen. „Wir dachten damals, dass die DDR zusammenbrechen würde und es nur für eine gewisse Zeit sei“, erinnert sich Jürgen Gobell. Nur mit Handgepäck gelangte die fünfköpfige Familie über Potsdam mit der S-Bahn nach Berlin in ein Flüchtlingslager, wurde von dort aus nach Westdeutschland ausgeflogen und verteilt. Bauer Walter Gobell versuchte es im Rheinland zunächst mit einem kleinen Hof, musste ihn aus gesundheitlichen Gründen aber aufgeben. „Meine Mutter hatte ein Leben lang Heimweh“, erzählt Martin Krebs. In Koblenz habe sie mit ihrem Gatten Walter, einem Regierungsamtsrat bei der Bundeswehr, eine glückliche Ehe geführt und ging offen auf Menschen zu. Da Verwandte in Kabelitz an der Elbe leben, riss die Beziehung zur alten Heimat nie ganz ab.

Martin Krebs übergibt die Spende an  Kirchenspiel-Vorsitzende Ulrike Schlieper

Martin Krebs übergibt die Spende an Kirchenspiel-Vorsitzende Ulrike Schlieper.

Quelle: C. Nack

Christia Frase aus Rogäsen hatte seit der Wende regelmäßigen Kontakt zur Familie. Da die heute 81-Jährige seinerzeit das Kirchenbuch verwahrte, wollte Eva Krebs wissen, warum sich ihr Mädchenname mit Doppel-L schreibe, obwohl Gobel weit verbreitet sei. Die Recherche ergab, dass so auch noch ihr Vorfahre Andreas Ferdinand geheißen und sich bei dessen Sohn der Schreibfehler eingeschlichen habe. Überliefert sind Jahresbeschreibungen von Andreas Gobell über Wetter und Ernte aus der Zeit um 1850 in Sütterlinschrift. Seine Nachfahrin übersetzte sie und schickte Kopien an Christa Frase, die diese in die Ortschronik einfließen ließ. Martin Krebs bot eine Lesung aus diesen Tagebüchern in der Kirche an.

Kulturhistorisches Denkmal erhalten

„Der Name Eva Krebs geht in die Geschichte Rogäsens ein“, sagte die Wusterwitzer Amtsdirektorin Gudrun Liebener, die wie Architektin Heidrun Fleege aus diesem Dorf stammt. Denn diese Geldspende sei ein nicht unwesentlicher Beitrag für das Kirchendach, das aus Kirchen- und Denkmalschutzmitteln, vielen kleineren Spenden und einer 96 000-Euro-Förderung aus dem Kulturstaatsminister-Topf möglich wurde. „Eine schöne Geste“, sagte Pfarrer Holger Zschömitzsch bei der Übergabe, der sich eine sakrale und weltliche Nutzung des Bauwerks vorstellen kann, das seinen maroden Charme behält. Wichtig sei in erster Linie der Erhalt als kulturhistorisches Denkmal in Nachbarschaft des denkmalgeschützten Gutshauses.

„Alles andere können spätere Generationen machen“, erklärte die engagierte Architektin Heidrun Fleege bei einer kurzen Führung. Die Gesamtkosten lagen bei 175 000 Euro. Da Bauleistungen günstiger ausfielen, sei statt ursprünglich geplanter Notverschlüsse bis Jahresende der Einbau einfacher Holzfenster mit simplem Glas möglich. Auch beide Türen sollen noch aufgearbeitet werden.

Von Claudia Nack

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