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Sohn muss 100 Meter Abstand zur Mutter halten

Prozess in Brandenburg an der Havel Sohn muss 100 Meter Abstand zur Mutter halten

Er stand plötzlich wieder bei seiner Mutter vor der Tür und zog bei ihr ein. Was sich danach entwickelt, ist für eine 85-Jährige aus Brandenburg/Havel ein wahrer Albtraum. Schließlich weiß sie nur noch einen Weg, sich gegen ihren Sohn (51) zu wehren. Jetzt trafen beide sich vor Gericht, weil der Sohn eine wichtige Regel gebrochen hat.

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In Brandenburg/Havel standen sich jetzt Sohn und Mutter vor Gericht gegenüber.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Ein ungewöhnlicher Fall ist vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel anhängig. Einem 51 Jahre alten Mann ist es gerichtlich verboten, in die Nähe seiner Mutter (85) zu kommen. Weil er sich über den Gerichtsbeschluss mutmaßlich hinweggesetzt hat, muss er sich wegen des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz vor Amtsrichterin Karin Eichmann-Hoormann verantworten. Der Angeklagte betrachtet sich als ein Opfer von „Rufmord“.

Elfriede K. (Name geändert) bewohnt seit vielen Jahrzehnten schon ein kleines Gartenhäuschen im Amt Brück auf einem relativ großen Grundstück, um das sie sich auch noch im fortgeschrittenen Alter kümmert. Die 85 Jahre alte Witwe hat nur ein Kind, ihren Sohn Andreas K. (51). Der zog plötzlich im September 2014 einfach wieder bei seiner Mutter ein und machte sich dort breit, nachdem er seine Wohnung in Dessau verloren hatte.

Doch das Häuschen mit seinen winzigen Zimmern reicht eigentlich nur für eine Bewohnerin. Der Besuch des erwachsenen Sohnes war nicht auf kurze Zeit angelegt, sondern entwickelte sich zu einer Dauerlösung. Für ihn. Er richtete sich bei der alten Mutter ein. Nachbarn und Bekannte berichten, dass er plötzlich bestimmte, was im Haus geschieht. Seiner Mutter machte er das Leben schwer und schwerer.

Elfriede K. berichtet, dass er nicht einen Handschlag im Haus oder auf dem Grundstück machte. „Dabei wusste er, dass es dort viel zu tun gibt.“ Doch wenn seine Mutter morgens aufstand, blieb er „fröhlich im Bett liegen“, verbrachte die Tage an seinem Laptop oder starrte im Garten Löcher in die Luft.

„Er hat sich schlecht benommen“, erzählt die geplagte Mutter. Sie hätte sich mit dem beengten Wohnen auf wenigen Quadratmetern notfalls abgefunden, wenn er wenigstens ein bisschen mitgeholfen hätte. Hat er aber offenbar nicht.

So bittelte und bettelte die Mutter, dass sich ihr erwachsener Sohn doch Arbeit und eine eigene Wohnung suchen möge. Solche Wünsche ignorierte der arbeitslose Mann, der die Fachhochschulreife besitzt und seit geraumer Zeit Hartz-IV-Leistungen bezieht. Ob er noch Kontakt zu seinem 15-jährigen Sohn hat, wurde im Gerichtssaal nicht erörtert. Der 51-Jährige räumte nur ein, dass er keinen Unterhalt für sein Kind bezahle.

Nachbarn und Bekannte der alten Frau bemerkten, wie fertig sie das Leben auf engstem Raum mit ihrem anstrengenden, arbeitsunwilligen Sohn machte. Ein Häuflein Elend sei sie nach langen Monaten des Zusammenlebens gewesen, berichtet einer von ihnen. Dieser Bekannte bat daher eine befreunde Kripobeamtin um Rat.

So kam der Stein ins Rollen. Mit Hilfe von Bekannten, Polizisten und Juristen bekam die 85-Jährige den Tunichtgut aus ihrem Haus. Bis zum letzten Moment soll er dort geblieben sein. Erst als ein Nachbar ankündigte, in fünf Minuten sei die Polizei an Ort und Stelle, packte er geschwind seine Sache und verschwand.

Das Familiengericht Brandenburg hat im vergangenen Juli ein Annäherungsverbot nach dem Gewaltschutzgesetz verhängt. Mindestens ein Jahr muss Andreas K. mindestens hundert Meter Distanz zu seiner Mutter und ihrem Grundstück halten. Dennoch soll er dieses Gebot im vergangenen Sommer missachtet haben.

Nachbarn wollen ihn in der Garage gesehen haben, daraufhin verständigten sie die Polizei. So bekam er eine Anzeige und muss sich nun vor dem Amtsgericht Brandenburg verantworten. Die Verhandlung ist noch nicht beendet, weil der Angeklagte, der ohne Verteidiger vor Gericht erschien, Akteneinsicht beantragte. Die Richterin genehmigte seinen Antrag.

„Mir tut es leid, dass alles so gekommen ist“, versichert Elfriede K. Lieber hätte sie eine andere Lösung gefunden. Aber ihr Sohn, der immer schon Probleme bereitet habe, sei völlig uneinsichtig, gebe nur immer ihr die Schuld.

Genau diesen Eindruck, dass andere ihm Unrecht zufügen und er als Opfer dasteht, vermittelte Andreas K., der zurzeit in Halle lebt, auch im Gerichtssaal. Dort versuchte er, Staatsanwalt und Richterin mit Paragrafen zu belehren. So unterbrach er den jungen Staatsanwalt barsch mit den Worten: „Jetzt rede ich“, ehe Richterin Eichmann-Hoormann ihn in die Schranken verwies.

Elfriede K. versichert, dass ihr Sohn ihr gegenüber nie gewalttätig geworden sei. Ein Gericht kann aber nach dem Gewaltschutzgesetz befristete Kontaktverbote auch dann verhängen, wenn ein Sohn die Freiheit seiner eigenen Mutter widerrechtlich verletzt.

Von Jürgen Lauterbach

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