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Soldatengräber in Stahl

Sowjetischen Ehrenfriedhof wird verändert Soldatengräber in Stahl

Metallbauer sind am Brielower Ortseingang dabei, den sowjetischen Ehrenfriedhof neu zu gestalten. 138 stählerne Rahmen wurden dazu angefertigt. Jetzt werden an die Stellen montiert, an denen zuvor alte, verwitterte Betonumrandungen zu sehen waren.

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Die Metallbauer um Jörg Mählis (m.) bei der Arbeit auf dem sowjetischen Friedhof in Brielow.

Quelle: Steiner

Brielow. Auf den Zentimeter genau lässt Jörg Mählis die kiloschweren Metallrahmen auf den Boden absetzen. Mit der Wasserwaage wird kontrolliert, ob die Konstruktion im Lot liegt. Über den Friedhof gespannte Schnüre geben die Flucht vor. Jede Umrandung aus edelrostigem Corten-Stahl steht für ein Grab, in dem sich seit über 60 Jahren die Gebeine sowjetischer Soldaten und einiger Zivilisten befinden. Und zwar exakt an der selben Stelle, wie vor der laufenden Rekonstruktion des Ehrenfriedhofs. „Wir halten uns genau an den Liegeplan, damit jeder Grablage die richtigen Namen zugeordnet werden können“, erklärt Metallbauer Mählis aus dem Bad Belziger Ortsteil Berkholz.

In seiner Kunstschmiede- und Metallbauwerkstatt hat Mählis genau 138 der stählernen Rahmen angefertigt, fast die Hälfte davon für Doppelgräber. Gemeinsam mit seinem Gesellen Marcel Hübner und seinem Sohn und Azubi Dominic werden fast alle neuen Grabumrandungen bis zum Ende der Woche montiert sein. Hart gewalzter Corten-Stahl überzieht sich in kurzer Zeit mit einer wetterfesten Rostschicht und hält deshalb ewig. Die Wahl des Materials als Ersatz für die maroden Terrazzo-Umrandungen traf der Belziger Landschaftsarchitekt Gunnar Lange gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde und nicht zuletzt mit der russischen Botschaft, die bei der Neugestaltung der Brielower Anlage ein Wörtchen mitzureden hat.

Von der stählernen Umrandung ist nach Beendigung der Friedhofssanierung zum Ende des Jahres nur noch eine sechs Zentimeter hohe Kante zu sehen. Im oberen Teil des Rahmens werden neue Grabsteine aus Naturstein eingelassen. Die verwitterten Vorgänger aus Beton sind bereits entsorgt.

Zahlen und Fakten

  • Der sowjetische Friedhof in Brielow wurde 1947 von der Brandenburger Baufirma Paul Werner angelegt. Nach neuesten Erkenntnissen fanden dort 368 Rotarmisten und 23 Zivilisten ihre letze Ruhe.
  •  Für die Neugestaltung unter Federführung des Bad Belziger Landschaftsarchitekten Gunnar Lange stellt der Bund rund 430 000 Euro zur Verfügung. Mit der Öffnung russischer Archive bekommen einige als „unbekannt“ bestattete Tote ihren Namen zurück.
  •  Für Schlagzeilen sorgte die Friedhofsbaustelle im Juli, weil in geringer Tiefe menschliche Skelettteile, darunter ein Schädel, entdeckt wurden (MAZ berichtete). Wie die Potsdamer Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, gibt es nach ersten Untersuchungen keinen Hinweis auf ein Verbrechen. Ein endgültiges Gutachten steht aber noch aus.

„Die Namen der in den letzten Kriegswochen bei den Kämpfen um Brandenburg umgekommenen Rotarmisten sind nicht mehr in den Stein gehauen, sondern werden auf Alu-Gusstafeln geätzt“, beschreibt Landschaftsarchitekt Lange das künftige Aussehen der Grabanlagen. Unangetastet bleibt der Obelisk, dagegen wird die Zaunanlage ausgewechselt. Diese sollte ursprünglich erhalten bleiben. Doch an der Einfriedung nagt zu sehr der Zahn der Zeit. Einen neuen Zaun gibt es jedoch erst 2014.

Von Frank Bürstenbinder

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