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Sommerkonzerte mit Stachelbeertorte

Vereinsleben auf dem Land Sommerkonzerte mit Stachelbeertorte

Vereinsleben auf dem Land: Ohne Vereine wäre das Leben in ländlichen Regionen weniger bunt. Das zeigt auch das Engagement von Sonja Niegsch und Birgit Eichholz für ihren Kulturförderverein Bücknitz. Saubermachen für das nächste Bücknitzer Sommerkonzert ist für beide keine Frage. Sie erledigen den Job einfach.

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Sonja Niegsch (l.) und Birgit Eichholz fegen den Altarraum der Bücknitzer Kirche, auch das ist Vereinsarbeit.

Quelle: Marion von Imhoff

Bücknitz. Der Stachelbeerkuchen von Birgit Eichholz ist der Hit des Kulturfördervereins Bücknitz. Und hitverdächtig sind selbstverständlich auch die Sommerkonzerte in der Bücknitzer Kirche. Sechs im Jahr stemmt und organisiert der 1998 gegründete Kulturverein. An besonders guten Tagen lauschen 100 Besucher auf den Stuhlrängen der kleinen Kirche der Musik.

Die 63-jährige Birgit Eichholz ist seit 16 Jahren Vereinsmitglied und backt zu jedem der Bücknitzer Sommerkonzerte zwei bis drei Kuchen. So bekannt wie die Konzerte, das weiß die gebürtige Zitzerin längst, so bekannt ist auch ihr Stachelbeerkuchen. Meist ist er schon vor der Pause ausverkauft. „Die Leute sollen sich anstrengen und ruhig frühzeitig vor dem Konzertbeginn kommen, und sei es nur, um noch ein Stück Stachelbeerkuchen zu ergattern“, sagt Birgit Eichholz und lacht ansteckend. Sie ist die Oberbäckerin, ihre Freundin Sonja Niegsch die Kassenfrau des Bücknichter Kulturfördervereins.

 Sonja Niegsch und Birgit Eichholz vor der Bücknitzer Kirche

Sonja Niegsch und Birgit Eichholz vor der Bücknitzer Kirche. Deren Erhalt ist das Ziel des Kulturfördervereins.

Quelle: Marion von Imhoff

Der ist einer von rund 210 Vereinen rund um Ziesar, Wusterwitz, Kloster Lehnin und im Amt Beetzsee. Es gibt Jagdgenossenschaften, Feuerwehr- und Angelvereine, Gymnastik- und Selbsthilfegruppen, Landfrauen-Treffen und Chöre, Handballer und Heimatfreunde. Ein bunter Strauß an Leben.

„Unser Verein soll die Menschen ein wenig rauslocken aus dem Haus, dass sie auf andere Gedanken kommen“, sagt Birgit Eichholz. „Er soll Kultur auf dem Land fördern und die Bücknitzer Kirche erhalten“, so sieht es Sonja Niegsch. Die Einnahmen aus den vom Land geförderten Konzerten fließen in die Vereinskasse. Und von dort in die Verschönerung der Kirche.

 Ein Symbol für den Vereinzweck ist auch der in der Kirchentür steckende Schlüssel

Ein Symbol für den Vereinzweck ist auch der in der Kirchentür steckende Schlüssel: Die Kirche für Konzerte zu öffnen und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Bauwerk möglichst vielen Menschen zu zeigen, ist den 15 Mitgliedern des Kulturfördervereins Bücknitz wichtig.

Quelle: Marion von Imhoff

Vereinsarbeit bedeutet nicht nur das Organisieren der beliebten Sommerkonzerte zwischen Juni und September. Dabei hilft der Musiker und Vereinsmitbegründer Thomas Böhm-Christel, der mit seinen Kontakten nach Berlin viele Künstler für die Sommerkonzerte gewinnt. Vereinsarbeit bedeutet auch putzen. An diesem Donnerstag fegen Birgit Eichholz und Sonja Niegsch den Altarraum der aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche aus für das Konzert am Samstag, bei das Ballet Zebola traditionelle afrikanische Musik und Tänze aufführen wird.

50 Stunden jährliches Ehrenamt für die Bücknitzer Kirche

Rund 50 Stunden im Jahr geben die beiden Bücknitzerinnen für den Verein an ehrenamtlicher Arbeit. „Der Förderverein ist mein persönlicher Aufbau Ost“, sagt die gebürtige Innsbruckerin Sonja Niegsch. Die 71-Jährige betreibt das Bücknitzer Eiscafé und ist nach ihrem Zuzug in das nahe Ziesar gelegene Dorf schnell in den Verein eingetreten. Vor zwölf Jahren war das.

Rund 15 Mitglieder zählt der Verein; das Durchschnittsalter liegt bei 65 Jahren. „Ich mache immer Reklame, dass auch Jüngere bei uns mitmachen“, berichtet Niegsch. „Doch Junge sitzen immer am PC oder chatten mit ihren Smartphones“, meint Birgit Eichholz. „Dazu kommen hier auf dem Land die langen Fahrwege zur Arbeit – die Jungen haben einfach keine Zeit.“ Mitglied in einem Verein zu sein, das sei schon eher was für ältere Menschen, das sagen beide unisono. Der Bücknitzer Feuerwehrverein freilich, „der arbeitet ja mit Jugendlichen“, da sei das ein wenig anders.

Einmal galt es für den Kulturförderverein Bücknitz zu protestieren

Der Kulturförderverein Bücknitz bedeutet beiden Frauen viel. „Es ist der Kontakt zu anderen, man trifft Bekannte, mit denen man schwatzen kann und Freude hat“, sagt Sonja Niegsch. Die Absolventin einer Höheren Handelsschule überlegt kurz: „Ohne den Verein würde man doch das Leben einer Primel führen, vergessen und an die Seite geschoben.“ So sei auch immer etwas zu tun: Als das Backsteingebäude neben der Kirche verkauft werden sollte, „gingen wir vom Verein auf die Barrikaden. Schließlich treffen sich hier im Heimatzimmer Senioren und in den Räumen nebenan die Jugend.“ Der Verkauf blieb aus. Der Protest hat sich gelohnt.

info Das nächste Bücknitzer Sommerkonzert ist am 18. Juni: Ballet Zebola, Beginn ist 16 Uhr.

Vereine und ihre Zwecke

In Vereinen schließen sich Menschen zusammen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen. Juristisch nennt sich das Vereinszweck. Der älteste Verein, dessen Existenz überliefert ist, ist ein 1413 gegründeter Klub von Tempelherren. Registriert sind die hiesigen Vereine am Potsdamer Amtsgericht.

In der Gemeinde Kloster Lehnin sind 86 Vereine aktiv. Der Sportverein SV Kloster Lehnin hat sogar mehrere Abteilungen wie Tischtennis und Segeln. Kaum weniger Gemeinschaftsleben bietet sich in den Beetzsee-Dörfern mit 80 Vereinen. In den Gemeinden des Amtes Wusterwitz bestehen 27 Vereine laut Verwaltungsangaben. 17 Vereine haben es auf die Homepage Ziesars geschafft.

 

Von Marion von Imhoff

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